Geschichts-Projekt

Weseler Verein will das Frühmittelalter aufleben lassen

Ein nach historischen Plänen 

Ein nach historischen Plänen 

Foto: privat

Wesel.   Die Mitglieder des Vereins Zeitsprünge möchte ihre Idee vom Freilichtmuseum am Schloss Diersfordt umsetzen. Noch gibt es einige Hürden zu nehmen.

Noch ist es eine Idee – aber die hat für Peter Bruns vom Verein Zeitsprünge und seine Mitstreiter schon sehr konkrete Formen angenommen. Die Mitglieder des Vereins, der die Besucher am Wochenende mit seinem Frühmittelalter-Markt am Schloss Diersfordt wieder um Jahrhunderte zurückversetzt, planen auf einem Areal am Schloss ein Freilichtmuseum, das die Zeit zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert darstellt. Wesel mit seinen zahlreichen Bodendenkmälern und Funden – darunter ein großes fränkisches Gräberfeld in Bislich – wäre der ideale Standort, findet Peter Bruns. Als erstes Projekt will der Verein den Bau eines alten Handelsschiffes in Angriff nehmen, das eines Tages auf dem See vor dem Freilichtmuseum vor Anker gehen soll.

Für die Umsetzung des Konzeptes hat der Verein einen Zeitraum bis 2023 eingeplant – denn es gibt eine Menge Vorarbeit zu leisten und auch die Finanzierung ist noch nicht in trockenen Tüchern. Daher wird das Boot nach dem Vorbild eines Schiffsfundes in Brügge der erste Schritt, für den die Vereinsmitglieder die Einnahmen aus dem Mittelalter-Markt investieren wollen. Eine Halle in Bislich ist bereits angemietet, um das neun Meter lange Eichenholzboot für 15 Personen zu bauen.

Historisches Handwerk und Hofanlage

Als Nächstes plant Peter Bruns den Ankauf eines rund 6000 Quadratmeter großen Grundstückes am Schloss Diersfordt. Dort ist eine rund 20 000 Quadratmeter große Ackerfläche für die Kiesabgrabung vorgesehen, der Verein hofft, das angepeilte Grundstück erwerben zu können. Auf dem Areal ist die Einrichtung eines saisonalen Handelsplatzes geplant, wie es sie im Frühmittelalter an Flüssen gab. Hier sollen Besucher an den Sommer-Wochenenden den Handwerkern in historischen Gewändern bei Arbeiten wie Ton- oder Holzverarbeitung, Glasherstellung oder Pfeil- und Bogenbau zuschauen können. Auch ein Zeltplatz für historische Gruppen ist vorgesehen.

Letzter Teil des Freilichtmuseums ist der Bau einer Hofanlage mit Nebengebäuden, die traditionell aus Holz, Lehm und Flechtwerk konstruiert werden soll, inklusive eines Gartens und eines Ackers. Der Hof soll gemeinsam mit dem Schiff und dem Handelsplatz realistische Eindrücke vom ländlichen Leben und Arbeiten vermitteln, belebt von Menschen in historischer Kleidung.

Hoffen auf Fördermittel

Ein ehrgeiziges Projekt für den kleinen, rund 20 Mitglieder starken Verein. „Ich bin guten Mutes, wir haben ja auch den Markt aufgebaut“, sagt Bruns. Das frühmittelalterliche Spektakel fand 2012 erstmals mit 35 Aktiven statt und ist inzwischen auf 350 Darsteller angewachsen.

Die Einnahmen aus dem Markt werden für den Bau des Schiffes, für das rund 60 000 Euro veranschlagt werden, sowie für den Betrieb des Museums reichen, schätzt Bruns. Die weiteren Kosten für den Grundstückskauf sowie die Bauarbeiten betragen etwa 600 000 Euro. „Das wird nicht ohne Fördermittel funktionieren“, so Bruns. Er hofft auf Mittel beispielsweise aus der LVR-Kulturförderung oder aus anderen Fördertöpfen sowie auf Unterstützung aus der Politik. Denn Wesel, so findet der als Heilpädagoge tätige 47-Jährige, der sich ehrenamtlich für den LVR in Sachen Bodendenkmäler engagiert, ist für das Projekt „ein guter Ort“.

>>Vortrag und Tagung

Das Konzept vom archäologischen Freilichtmuseum in Diersfordt stellt Peter Bruns in einem Vortrag im Rahmen der Living-History-Tagung am Freitag, 8. September, um 16.45 Uhr im Bauernkotten am Schoss Diersfordt vor. Der Eintritt ist frei.

Wer die gesamte Tagung mit mehreren Vorträgen besuchen möchte, sollte sich vorher über die Internetseite des Vereins unter https://www.zeitspruenge-ev.de/tagung/ anmelden. Die Teilnahme kostet 20 Euro inklusive Mittagessen und Kaffepause

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