Gesundheit

Weselerin steht nach Schulter-Operation ohne Pflege da

Eine Verordnung hat sie erhalten, die Krankenkasse hatte die Nachsorge genehmigt. Doch nun findet Marlene Paß seit ihrer Entlassung keinen Pflegedienst.

Foto: Markus Weissenfels

Eine Verordnung hat sie erhalten, die Krankenkasse hatte die Nachsorge genehmigt. Doch nun findet Marlene Paß seit ihrer Entlassung keinen Pflegedienst.

Wesel.   Marlene Paß hat zu Hause keine Unterstützung, ein Pflegedienst hatte ihr kurzfristig abgesagt. Auch hier zeigt sich der Personalmangel.

Marlene Paß ist verzweifelt. Sie musste sich einer Operation an der rechten Schulter unterziehen. Nachdem sie entlassen wurde, steht sie in ihrem Zuhause in Obrighoven alleine da. Sie findet keinen ambulanten Dienst, der ihr hilft – beim Waschen oder Anziehen. Dabei hatte sie rechtzeitig vor ihrer OP telefoniert und organisiert. „Ich wollte das nicht auf den letzten Drücker machen“, sagt sie. Vom Hausarzt habe sie eine Verordnung für eine sechswöchige Nachsorge erhalten, von der Krankenkasse sei das genehmigt worden. Dann klapperte die 58-Jährige die ambulanten Dienste ab und erhielt nach langem Hin und Her eine Zusage, glaubte alles in trockenen Tüchern – bis sie dann entlassen wurde.

Am Telefon habe sie sich am Tag ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus noch versichert, dass am Abend jemand komme, um ihr zu helfen, erzählt sie. Kurz darauf sei sie informiert worden, dass dies nicht gewährleistet werden könne – wegen eines hohen Krankenstandes könnten keine neuen Patienten aufgenommen werden. Fazit: Sie müsse sich einen anderen Pflegedienst suchen. Doch dies erweist sich als schwierig.

Kein Pflegedienst hat Kapazität

„Wenn man hilflos ist, muss man Hilfe beantragen“, sagt Ulrich Petroff, fachlicher Koordinator vom Fachdienst Hilfe für Ältere beim Kreis Wesel. Im Fall von Marlene Paß spricht er von „häuslicher Krankenpflege“. Er nimmt beim Thema Nachsorge verstärkt die Krankenhäuser in die Pflicht: „Sie müssen sich um die Nachsorge kümmern.“ Dies sei seit Oktober des vergangenen Jahres vorgeschrieben. Überleitungsdienst nenne sich das. Bei vielen Krankenhäusern sei das – personell und organisatorisch – allerdings noch im Aufbau, sagt Petroff. Gleichzeitig hätten die Krankenkassen die Pflicht zur Begleitung und Beratung. Sein Ratschlag: „Bereiten Sie sich auf den Krankenhausaufenthalt vor und auch darauf, was danach passiert.“

Im Krankenhaus habe man ihr lediglich Kontakte und Adressen von Pflegediensten genannt, sagt Marlene Paß. Ihr Problem aber: Sie finde nun keinen ambulanten Pflegedienst, der Kapazitäten hat. „Es kann schon sein, dass Dienste das nicht erfüllen können“, sagt Ulrich Petroff dazu. Als Gründe nennt er den Personalmangel in der Pflege sowie die Schwierigkeit, den Pflegebedürftigen zeitlich, vor allem zu Stoßzeiten morgens, gerecht zu werden.

Ausbildungszahlen angestiegen

Zuletzt sei die Zahl derer, die eine Ausbildung in der Pflege beginnen, zwar angestiegen – auch im Kreis – „doch das reicht bei weitem nicht aus.“ Es ist ein Problem in der ambulanten Pflege. Ulrich Petroff nennt Zahlen der letzten Bestandserhebung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Demnach arbeiteten im Kreis Wesel Ende 2015 1584 Personen im Bereich der ambulanten Pflege, in Anspruch genommen wurde die Pflege zu diesem Zeitpunkt in unterschiedlichem Umfang von 4386 Menschen.

„Mir geht es nur um die Grundpflege, ich bin auch flexibel, zu welchem Zeitpunkt die Pflege erfolgt“, sagt Marlene Paß. Auch fast zwei Wochen nach ihrer Operation hat sie noch keinen Dienst gefunden, der ihr hilft, sagt sie – nach der plötzlichen Absage, die sie besonders ärgerte, steht sie alleine da. Gelegentlich würden Bekannte vorbeikommen und ihr bei den wichtigste Dingen helfen. „Das ist aber doch eigentlich nicht der Sinn der Sache.“ Schon im vergangenen Jahr hatte sie eine ähnliche Erfahrung nach einer Schulter-OP gemacht und nun gehofft, besser versorgt zu sein. Bei ihrem Fall lasse sich zu wenig verdienen, vermutet sie. Ihre Sorge: „Ich habe das Gefühl, dass das nächste Problem mit meiner Schulter schon wieder vorprogrammiert ist.“ Hinzu kommt, dass sie nach der Operation mit schmerzhaften Verbrennungen zu kämpfen hat und täglich den Verband wechseln muss. Doch wer soll das tun? Auch da bleibt sie allein zurück.

>>> Informationen und Anlaufstellen

  • Ulrich Petroff rät, sich vor dem Krankenhausaufenthalt zu informieren und verweist auf die trägerunabhängigen und neutralen Beratungsstellen.

    Einen Überblick zu Anlaufstellen in den einzelnen Kommunen sowie weitere Informationen gibt es hier: www.kreis-wesel.de/de/themen/pflege/

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