Kreativität

Wie Integration beim Basteln in Wesel funktionieren kann

Malen mit Flüchtlingen heißt es immer wieder im ehemaligem Sozialamt. Sehr zur Freude aller Beteiligten.

Foto: Johann Ridder

Malen mit Flüchtlingen heißt es immer wieder im ehemaligem Sozialamt. Sehr zur Freude aller Beteiligten. Foto: Johann Ridder

Wesel.   Marlies Hillefeld leitet seit die Runde für Kinder im ehemaligen Weseler Sozialamt. Alle Teilnehmer machen Fortschritte, nicht nur beim Basteln.

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Langsam haben alle Kinder ihren Platz gefunden, die ersten kleben schon ausgestanzte Sterne auf weihnachtliche Pappe. Die meisten unterhalten sich, mittlerweile sogar auf Deutsch. „Das werden kleine Geschenke für unsere Spender“, erklärt Marlies Hillefeld. Sie läuft um den Tisch, hilft hier und dort beim Kleben. Während sie spricht, geht die Tür wieder auf, sie dreht sich um und begrüßt die Neuankömmlinge: „Schön, dass ihr da seid.“ Umarmungen. Seit mittlerweile vier Jahren leitet sie die Bastelrunde für geflüchtete Kinder, jeden Samstag von 11 Uhr bis 12.30 Uhr trifft sich die Gruppe im ehemaligen Sozialamt am Herzogenring.

Amela und Sahar (8) sind schon lange dabei, seit 2013 wohnen sie mit ihren Familien in Wesel: „Malen macht uns eigentlich am meisten Spaß“, sind sie sich einig. Viel mehr Zeit haben sie auch nicht, die Suche nach einem Pritt-Stift genießt erst einmal Priorität.

Das kaum einer Weihnachten feiert, stört nicht

Jutta Kehl, eine andere der insgesamt vier treuen Helferinnen, sammelt die fertigen Geschenke ein, langsam füllt sich die Fensterbank mit Adventsschmuck. Dabei stört überhaupt nicht, dass kaum eines der Kinder Weihnachten feiert – Basteln macht einfach Spaß: „Nebenbei sollen die Kinder noch ein bisschen Deutsch lernen“, erklärt Kehl. Das funktioniere vor allem mit Gesellschaftsspielen, „so entsteht auch kein Druck.“

Auch sie ist von Anfang an dabei, jeden Samstagvormittag investieren die Frauen in die Gruppe. „Aber wenn man merkt, dass das so gut ankommt, dann macht man das ja auch gerne“, sagt Kehl. „Über die Jahre erkennt man auch eine Entwicklung – und das ist ja genau das, was wir wollen“, ergänzt Hillefeld. Das gilt sowohl für die Sprache als auch für den Umgang untereinander: „Hier kommen ja auch Leute zusammen, die in ihrer Heimat vielleicht verfeindet waren – das ist ja schon eine besondere Situation“, stellt sie fest. Gerade deswegen legen die Leiterinnen viel Wert darauf, dass der Umgangston immer freundlich bleibt: „Da schreiten wir schon zügig ein.“ Das Konzept trägt Früchte, am anderen Ende des Tischs verabreden sich zwei Jungen zu einem Stadtrundgang: „Ich zeige dir alles“, sagt der eine zu dem anderen.

So langsam lassen sich die Bäume erkennen

Dann sind die Geschenke fertig, die Pappe weggeräumt. Als nächstes steht ein Herbstbaum auf dem Programm. „Jetzt einmal kurz den Mund zu alle.“ Mit kurzer Verzögerung wird es leise im Raum, alle hören gespannt zu: „Wenig Wasser, viel Farbe“, erklärt Doris Kusmanov. Der wohl meist gesagte Satz in jeder Kunstgruppe, in der Kinder mit Wasserfarbe arbeiten. In sehr unterschiedlichem Tempo füllen sich die Blätter, die älteren Teilnehmer machen erst eine Skizze, jüngere Kinder greifen sofort zur Farbe. Und wenn es bei den jüngeren Teilnehmern mal nicht klappt, helfen die älteren: Einer der Vorteile einer Gruppe, die eine Altersspanne von circa vier bis 18 Jahre umfasst. Bäume sind mittlerweile überall gut zu erkennen.

Um halb eins weht endgültig der Essensduft aus den Küchen in den Arbeitsraum, im ehemaligen Sozialamt wohnen nach wie vor ganze Familien – die Runde neigt sich dem Ende zu. Nach und nach räumen die Kinder ihre Farbkästen weg und überreichen sie Krista Wirtz: „Wir haben hier wirklich viel Talent“, stellt sie fest und verabschiedet die Teilnehmer so, wie sie gekommen sind: Mit einer Umarmung: „Bis nächste Woche!“, sagen sie, als sie den Raum verlassen.

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