Gesundheit

Betreuer machen sich für neue Psychiatrie in Witten stark

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke betreibt die Tagesklinik in Witten.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke betreibt die Tagesklinik in Witten.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Nun schlagen auch Wittener Betreuer eine Bresche für eine Psychiatrie vor Ort. Sie sprechen für 1500 Menschen, deren Leben leichter werden könne.

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In die Diskussion um eine neue Psychiatrie in Witten hat sich jetzt auch der „Arbeitskreis Betreuung Witten“ eingeschaltet. Er spricht sich in einem Brief an Gesundheitsminister Laumann deutlich für einen Neubau mit 79 Betten und 21 Tagesklinikplätzen in Witten aus.

Arbeitskreis-Sprecher Thomas Mürmann-Golding weist darauf hin, dass in Witten etwa 1550 Menschen durch Betreuer unterstützt und vertreten werden, davon rund 960 durch Berufs- oder Vereinsbetreuer. Nicht nur diese Zahlen sprechen für eine Psychiatrie in Witten, meint der Arbeitskreis, „sondern auch die alltäglichen Erfahrungen“.

„Eine zusätzliche Belastung für die psychisch Kranken und ihre Angehörigen“

Einmal mehr werden die langen Fahrzeiten gerade mit dem Bus zum Krankenhaus in Hattingen-Niederwenigern angeführt. Sie bedeuteten eine zusätzliche Belastung für die psychisch Kranken und ihre Angehörigen. Dies führe dazu, „dass mögliche freiwillige Unterbringungen gar nicht nicht erst erfolgen, Besuche nicht stattfinden, Belastungserprobungen erschwert sind und notwendige Folgebehandlungen im Krankenhaus nicht wahrgenommen werden“, heißt es in dem Schreiben.

Außerdem entstehe ein „großer Ressourcen- und Kostenverbrauch“ aller Beteiligten. Bei einer von der Polizei begleiteten Unterbringung seien drei Beamte für mindestens anderthalb Stunden im Auto unterwegs, „zusätzlich zu der oft zeitaufwendigen Unterbringungssituation“.

Betreuer: Die gesamte Arbeitszeit eines Richters geht schon für die Fahrzeit drauf

Ein Richter benötige allein für die Fahrzeit fast die gesamte Arbeitszeit von 104 Minuten, die ihm für die Bearbeitung eines Betreuungsverfahrens zustehen. „Dies alles verursacht enorme Kosten, die durch die Psychiatrieplätze in Witten erheblich verringert werden könnten“, heißt es in dem Brief an den Minister.

Hinzu kämen hohe Reibungsverluste bei Zuständigkeiten. Momentan seien die Betreuungsstelle EN und Witten, die Amtsgerichte Wetter, Witten, Bochum und Hattingen sowie die Landgerichte Hagen, Bochum und Essen zuständig. Da es noch keine elektronischen Akten bei Gerichten gebe, könne man sich leicht vorstellen, wieviel Zeit die Versendung der Schriftstücke benötige, wie hoch der Personalaufwand sei und wie leicht es zu Irrtümern über Zuständigkeiten kommen könne.

Fazit des Betreuungskreises: „Die Vorteile einer psychiatrischen Versorgung in Witten sind so deutlich, dass wir uns fragen, warum das nicht schon lange umgesetzt wurde.“

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