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Er war das Sprachrohr der alten SPD: Wittener Karl Garbe tot

Er war den Großen ganz nah: Das Foto zeigt Karl Garbe (links) 1976 mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Karl Schiller.

Er war den Großen ganz nah: Das Foto zeigt Karl Garbe (links) 1976 mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Karl Schiller.

Foto: Repro Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.  Als er zur SPD kam, war die Welt der Partei noch in Ordnung. Er kannte Schumacher, Brandt und Wehner. Jetzt starb Karl Garbe, der Ex-Wittener.

Der in Witten aufgewachsene ehemalige SPD-Vorstandssprecher, Journalist und Schriftsteller Karl Garbe ist tot. Er starb bereits am 23. August mit 92 Jahren in Bonn, wie sein Halbbruder, Wittens ehemaliger Bürgermeister Klaus Lohmann (83), jetzt mitteilte.

Garbe besuchte erst die Grundschule im Wullen und später die einstige Realschule in Annen. Er war noch keine 18, als er Soldat wurde. Der gebürtige Bochumer kämpfte an der Ostfront und floh später aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft. „Soldbuch“ hieß sein bekanntester Roman, in dem er seine Kriegserlebnisse verarbeitete. Das Buch ist 1965 erschienen.

Das war auch das Jahr, als er unter Wehner und Brandt den erfolgreichen Wahlkampf der Bundes-SPD mit organisierte. Garbe, der gelernte Kommunalbeamte, war schon in den 50er Jahren zum SPD-Vorstand gekommen. Erst nach Hannover, später nach Bonn. Er kannte Schumacher, den ersten Vorsitzenden, Herbert Wehner, den legendären Fraktionschef – und Willy Brandt, den späteren Kanzler. Lohmann: „Er hat persönlich für alle drei gearbeitet.“

„Tausend Aphorismen mit Senf“ widmete er seinem Halbbruder Klaus Lohmann

Garbe war Sprecher des Parteivorstands und Chefredakteur verschiedener Parteiblätter, etwa der „Demokratischen Gemeinde“. Er war ein Meister des geschriebenen und gesprochenen Worts. 20 Bücher sollten folgen, darunter die „Spruchbude“, Untertitel „Tausend Aphorismen mit Senf“, das er seinem Halbbruder Klaus Lohmann widmete.

Seinen Kontakt nach Witten hat Garbe nie verloren, obwohl er in Bonn lebte. „Er war über 70 Jahre Mitglied im Ortsverein Hüllberg. Bis ins hohe Alter pflegte er Kontakt zu Klassenkameraden wie Harald Kaufmann oder Dietz Prein, dem Sohn eines Bauern im Salinger Feld“, sagt Klaus Lohmann.

Wortschöpfungen wie „Genosse Trend“ oder „Onkel Herbert“ gehen auf Garbe zurück. 2006 bekam er mit 79 Jahren den Ehrenpreis des Wittener Kunst- und Kulturfonds für sein Lebenswerk. Seinen Halbbruder Klaus, der Steiger im Bergbau war, hat er übrigens auch die Parteilaufbahn geebnet, indem er ihm ein Seminar für „hauptamtliche Nachwuchskräfte“ vermittelte. „Da haben wir ja wenigstens einen, der arbeiten kann“, soll Herbert Wehner gesagt haben. Karl Garbe wird am Freitag in Bonn beigesetzt.

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