Ehrenamt

Kommissar hilft jetzt als Wittens Seniorensicherheitsberater

Jürgen Schröter, ehemaliger Kommissar bei der Polizei, arbeitet nun ehrenamtlich als Seniorensicherheitsberater in Witten. Im Interview erzählt er, was ihn daran reizt.

Jürgen Schröter, ehemaliger Kommissar bei der Polizei, arbeitet nun ehrenamtlich als Seniorensicherheitsberater in Witten. Im Interview erzählt er, was ihn daran reizt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Jürgen Schröter aus Witten war Polizist. Im Ruhestand will er nun vor den miesen Maschen der Betrüger warnen. Denn die machen ihn wütend.

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Jürgen Schröter war 41 Jahre lang Polizist. Seit März ist der 62-Jährige im Ruhestand – und macht nun doch weiter: Als Seniorensicherheitsberater kümmert er sich weiterhin um den Schutz der Bürger. Im Interview erklärt der Erste Polizeihauptkommissar, warum ihm das wichtig ist. Und warum er beim ersten Termin etwas nervös war.

Ein ganzes Berufsleben lang waren Sie Polizist: 20 Jahre davon in Witten, zuletzt in Bochum. Man könnte meinen, dass Sie doch nun langsam die Nase von den bösen Buben voll haben...

Jürgen Schröter: Nein, einmal Polizist, immer Polizist. Ich habe den Job immer gerne gemacht, denn als Polizist nimmt man einfach am Leben teil. Außerdem habe ich ja jetzt gar nichts mehr mit den bösen Buben zu tun, sondern mit den Senioren. Und denen möchte ich mit meiner Erfahrung helfen und ihnen so ein besseres Lebensgefühl geben.

Nützt Ihnen die Erfahrung aus dem Dienst denn bei der neuen Aufgabe wirklich?

Ja natürlich. Ich kann ja viele Beispiele aus der praktischen Arbeit erzählen. Von unseriösen Schlüsseldiensten bis zum Enkeltrick – als Polizist habe ich ja all die miesen Maschen selbst erlebt. Und ich kann den Zuhörern die Möglichkeit geben, endlich mal mit einem Polizisten zu sprechen – auch ohne Opfer einer Straftat geworden zu sein.

Sie hatten Ihre ersten Einsätze im neuen Job ja schon. Waren Sie nervös?

Zugegeben, ein bisschen schon. Ich bin zwar gewohnt, vor mehreren Menschen zu sprechen, das macht mir daher nichts aus. Allerdings war ich nicht sicher, ob ich mein Anliegen den Senioren auch verständlich rüber bringen kann. Aber das hat wohl geklappt – ich habe den Eindruck, dass es eine recht kurzweilige Veranstaltung war.

Das kann ich mir vorstellen. Brauchten Sie trotz ihrer Berufserfahrung eigentlich eine Ausbildung für die Sicherheitsberatung?

Nein, ich habe keine Einführung bekommen. Aber vorbereitet habe ich mich schon – übrigens auch mit der WAZ.

Wie das?

Ich habe monatelang Artikel über kriminelle Maschen wie die von falschen Wasserwerkern ausgeschnitten, welche über den Enkeltrick und den Trick mit den angeblichen Polizisten. Die lege ich dann bei den Vorträgen vor – um zu zeigen, wie aktuell die Fälle sind.

Dabei müsste man doch meinen, dass das inzwischen alle wissen...

Ja, aber die Betrüger setzen nun einmal auf die moralische Integrität der älteren Mitbürger. Denn die lassen jemanden, der ihre Hilfe braucht, nicht im Stich. Dazu kommt die Einsamkeit, die Verwandten wohnen ja oft weit weg. Und was für die Betrüger natürlich auch zählt: Die Senioren haben häufig Geld.

Machen die Fälle Sie wütend?

Ja, vor allem wenn ich daran denke, dass die Leute, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, mit miesen Tricks um ihre ganzen Ersparnisse gebracht werden. Und die Betrüger sagen auch noch: Selbst schuld!

Gibt es einen kurzen Tipp, denn Sie an dieser Stelle loswerden wollen?

Ja. Ich höre immer wieder, wenn Menschen Opfer von falschen Polizisten geworden sind: „Aber da stand doch die Nummer 110 auf dem Display.“ Aber Achtung: Diese Nummer leuchtet nicht auf, wenn die Polizei anruft. Da können Sie sicher sein!

Danke, das ist sehr konkret. Haben Sie auch noch etwas allgemeineres?

Ja, einfach mal nachdenken! Überlegen Sie erst, bevor Sie Menschen vertrauen, die Sie nicht kennen. Seien Sie kritisch und selbstbewusst. Letztlich entscheidet jeder selbst, wen er in sein privates Umfeld hinein lässt.

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