Mehrwertsteuersenkung

Mehrwertsteuersenkung: Wird in Witten jetzt alles günstiger?

Im Café Möpschen an der Ruhrstraße in Witten müssen wegen der Abstandsregeln rund die Hälfte der Plätze frei bleiben. Inhaberin Heike Köhler befürchtet, dass die Umsatzverluste auch durch die Mehrwertsteuersenkung nicht reingeholt werden können.

Im Café Möpschen an der Ruhrstraße in Witten müssen wegen der Abstandsregeln rund die Hälfte der Plätze frei bleiben. Inhaberin Heike Köhler befürchtet, dass die Umsatzverluste auch durch die Mehrwertsteuersenkung nicht reingeholt werden können.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Witten.  Die Mehrwertsteuersenkung ab 1. Juli soll mehr Menschen in die Läden und Lokale in Witten locken. Doch nicht überall profitieren die Kunden davon.

Ab dem 1. Juli wird die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Der ermäßigte Steuersatz, der zum Beispiel für Lebensmittel gilt, wird von sieben auf fünf Prozent verringert. Während viele Händler in Witten den Rabatt an ihre Kunden weitergeben. wollen, kann sich das die Gastronomie nach eigenen Angaben nicht leisten.

Bei Rewe Kesper und Rode an der Friedrich-Ebert-Straße dürfen sich die Kunden ab sofort auf kleinere Preise freuen. „Wir mussten am Sonntag jedes Papierpreisschild ändern“, sagt ein Mitarbeiter. Rund 5000 Artikel sind schon seit Montag (29.6.) etwas günstiger. Bei einem Wocheneinkauf in Höhe von 100 Euro kann man nun bis zu – nun ja – 1,87 Euro sparen.

Bei Edeka Schwalemeyer in Bommern gelten seit Montag ebenfalls krumme Preise. Allerdings werden nicht alle Artikel billiger. Bücher, Zeitschriften und Tabakwaren sind zum Beispiel von der Mehrwertsteuersenkung nicht betroffen.

Kaufhaus Gassmann in Witten gibt Mehrwertsteuersenkung an Kunden weiter

Auch beim Kaufhaus Gassmann wird ein Großteil der Waren ab Mittwoch günstiger. Allerdings fiel der Inhaberin diese Entscheidung nicht leicht. Denn im Gegensatz zur Lebensmittelbranche musste sie das Geschäft in der Corona-Krise schließen. Doch um Kunden zu locken, gibt auch sie den Preisnachlass weiter.

„Wir ziehen die Mehrwertsteuer direkt an der Kasse ab“, sagt Christine Gassmann-Berger. Allerdings falle der Rabatt kleiner aus, als viele vermuten würden. Mathematisch entspreche die Mehrwertsteuersenkung einem Rabatt von nur rund 2,5 Prozent. Berger-Gassmann: „Wir wollen nicht noch draufzahlen.“

Wittener können beim Autokauf bares Geld sparen

Wer sich eine neue Küche oder ein Auto kaufen möchte: Hier könnte sich eine Anschaffung schon spürbar lohnen. Beim Möbelhaus Ostermann gibt es ab Mittwoch (1.7.) 2,52 Prozent Rabatt. Die 10.000 Euro teure Küche kostet bis Jahresende somit etwa 252 Euro weniger.

Beim Autohaus Warhold in Witten gibt es den Kleinwagen ab Mittwoch (1.7.) zum Beispiel rund 300 Euro günstiger. Ein Auto, das normalerweise 20.000 kostet, kann man für etwa 500 Euro weniger haben. „Das ist immerhin ein Satz Ganzjahresreifen oder eine neue Anhängerkupplung“, sagt Mitarbeiter Stefan Albrecht.

Doch ob in den kommenden Monaten tatsächlich besonders viele Kunden ein Auto kaufen, bleibt abzuwarten. „Wer ein Auto brauchte, hat sich längst eins gekauft“, sagt Albrecht. Und ohnehin sei die Ersparnis für viele kaum ersichtlich. Denn bei einer Finanzierung reduziere sich die monatliche Raten nur um einige Euros.

Kein Rabatt bei Restaurants und Cafés in Witten

Die Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants und Gaststätten wird ab 1. Juli von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Getränke werden mit 16 statt 19 Prozent besteuert. Doch die Preise für Schnitzel, Steak und Salat dürften sich in Witten wohl kaum verändern. Die Wirte brauchen jeden Cent. Denn noch immer blieben viele Plätze frei, sagt André Vordenbäumen von André’s 1726 in Herbede. „Die Leute gehen im Moment einfach nicht gerne essen – das merkt man.“

Auch im Café Möpschen an der Ruhrstraße gibt es die Tasse Kaffee und das Stück Erdbeerkuchen weiterhin zum selben Preis. „Die Mehrwertsteuersenkung ist ja für uns Gastronomen gedacht“, sagt Chefin Heike Köhler. Und selbst damit könne sie die Umsatzverluste der vergangenen Monate keinesfalls reinholen. Denn noch wisse sie nicht, ob sich die Steuersenkung überhaupt in den Zahlen niederschlägt. Köhler: „Das sehe ich frühestens bei der Abrechnung im nächsten Monat.“

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