Bürgeruniversität

Wittener Bürgeruni: Gutes Selbstwertgefühl hilft im Alter

Bewegung ist die beste Medizin: Diese Wandergruppe des SGV war im Wittener Mutental unterwegs.

Bewegung ist die beste Medizin: Diese Wandergruppe des SGV war im Wittener Mutental unterwegs.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services, archiv

Witten.  Wer gesund alt werden will, muss möglichst früh anfangen. Warum es trotzdem nie zu spät ist, hat Arzt Hans Jürgen Heppner in Haus Witten erklärt.

Vor dem Altwerden kann niemand weglaufen. Das stellt Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner, Chefarzt der Klinik für Geriatrie in Schwelm, sofort klar. „Das hier ist kein cooler Anti-Aging Vortrag, bei dem ich erkläre, was man sich spritzen kann oder essen muss, um immer jung zu bleiben“, so der 56-Jährige. Gute Tipps hat er trotzdem.

Neben seiner Tätigkeit als Arzt ist der Professor Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke. Für dieses Jahr war sein Vortrag „Wir werden immer älter - wie bleiben wir gesund?“ die letzte Veranstaltung der Bürgeruniversität in Haus Witten. Schnell wird klar: Um im Alter glücklich zu sein, braucht man vor allem Selbstachtung. Heppner unterscheidet zwischen einem positiven und negativen Altersbild.

Mediziner: Training für das Gehirn gerade im Alter wichtig

„Ob ich mich im Alter einsam, entfremdet und nutzlos fühle oder aber gelassen, unternehmungslustig und zufrieden, hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit“, sagt der Mediziner. Am eigenen Selbstbild zu arbeiten, sei besonders wichtig. Der Arzt empfiehlt, vor allem seine kognitiven Fähigkeiten zu fördern, gemeint ist etwa Gehirntraining. „Auch im hohen Alter kann ich noch ein neues Instrument oder eine Fremdsprache lernen. Es ist nie zu spät, sich neuen Herausforderungen zu stellen“, sagt Heppner.

Ein häufiges Problem ist die Gebrechlichkeit bei alten Menschen, die oft zu Stürzen führt. „Brüche sind problematisch. Wenn das Bein neun Wochen im Gips gesteckt hat, ist es danach nur noch ein Stöckchen. Bei einem jungen Menschen ist das nicht schlimm“, erklärt der Mediziner. Bei den Älteren komme die Muskulatur nie wieder auf das alte Niveau zurück.

Der Mediziner empfiehlt zur Vorbeugung viel Bewegung und leichtes Krafttraining. „Der Beschleuniger von Muskelschwund im Alter heißt zu viel Bettruhe“, warnt Heppner. Zehn Tage Liegen könne bei einem alten Menschen zu einem Verlust von einem Kilo Muskelmasse führen.

Arzt warnt vor Mittagsschlaf, wenn man nachts wach wird

In Sachen Ernährung vertritt der Arzt die These „entspannt bleiben“. Besonders wichtig im Alter sei Eiweiß für den Muskelaufbau. Was man durch das normale Essen nicht aufnehme, könne man durch Nahrungsergänzungsmittel unterstützten. Heppner: „Im Endeffekt muss das jeder für sich selbst wissen, solange es sich richtig anfühlt.“

„Gilt das auch für meinen Mittagsschlaf?“ will eine Zuhörerin wissen. Auch hier rät der Mediziner zum Handeln nach Gefühl. Aber: „Schlafe ich nachts nicht gut durch, sollte ich den Mittagsschlaf sein lassen.“ In solchen Fällen rät er bei Müdigkeit am Nachmittag dazu, in einem gemütlichen Sessel zu dösen, statt sich ins Bett zu legen.

Wittener Rentner ist ein gutes Beispiel für Lebensfreude

Um gesund alt zu werden, sollte man sich ebenso Zeit für sich selbst wie für andere nehmen, rät der Mediziner. „Ein gutes soziales Umfeld gibt Selbstvertrauen und hilft dabei, schwere Zeiten durchzustehen.“

Das perfekte Beispiel für Lebensfreude im fortgeschrittenen Alter ist Bruno Chwastek (73). „Mir ist es sehr wichtig, mein Gedächtnis zu schulen und offen für die Dinge zu sein, die ich vorher nicht kannte“, sagt der Wittener. Da kommen ihm die Vorträge der Bürgeruni gerade recht. Mal geht es um Medizin, mal um Wirtschaft oder Kultur.

„Auch heute habe ich neue Denkanstöße gekriegt. Ich finde es gut, wenn komplexe, wissenschaftliche Themen einfach erklärt werden“, sagt der Rentner. Jetzt ist erst mal Winterpause. Bruno Chwastek freut sich schon, wenn es Ende April 2020 weitergeht. Langeweile kommt bei ihm erst gar nicht auf – vielleicht auch ein Rezept für gesundes Altwerden.

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