Energiewirtschaft

Wittener Stadtwerke: Jahresergebnis normalisiert sich wieder

Geschäftsführer Andreas Schumski blickt zuversichtlich in die Zukunft der Stadtwerke Witten.

Geschäftsführer Andreas Schumski blickt zuversichtlich in die Zukunft der Stadtwerke Witten.

Foto: Thomas Nitsche, Archiv

witten.   Nach zwei sehr guten Geschäftsjahren rechnen die Stadtwerke Witten nun mit einem normalen Ergebnis. Sie sehen sich vor großen Herausforderungen.

Nach zwei „außerordentlich“ erfolgreichen Jahren mit einem Rekordüberschuss von sechs Millionen Euro im Jahr 2017 rechnen die Stadtwerke für das vorige Geschäftsjahr und das aktuelle wieder mit einem „normalen“ Ergebnis von gut fünf Millionen Euro.

Weil die Verluste aus den Kraftwerksbeteiligungen über den Energieverbund „ewmr“ abgeschrieben werden müssen, darf Wittens Kämmerer wieder nicht auf Zuweisungen für den Haushalt hoffen. Gleichzeitig betonen die Stadtwerke, mit drei Millionen Euro größter Förderer in der Stadt zu sein. Das bezieht sich auch auf die Unterhaltung der Bäder und des Schifffahrtsbetriebes.

Mit Eon bringt sich großer Wettbewerber in Stellung

Die Energiewirtschaft stehe vor großen Herausforderungen in einem immer schwierigeren Umfeld, sagte Geschäftsführer Andreas Schumski bei einem Ausblick auf dieses Jahr. „Mit Eon bringt sich ein neuer großer Wettbewerber in Stellung.“ Die Stadtwerke setzen weiter auf ihre Kundennähe mit einem Beratungszentrum vor Ort. Digitalisierung ist eine der weiteren Herausforderungen. 65 000 alte Stromzähler werden bis 2032 ausgetauscht.

Gleichzeitig will der Energieversorger weiter Leerrohre für den Glasfaserausbau bereitstellen, Ziel ist schnelles Internet. Preiserhöhungen bei Strom und Gas schließt er in diesem Jahr nicht aus, nachdem viele Anbieter die Tarife schon zum Jahreswechsel angezogen hatten.

Die Stadtwerke investieren in diesem Jahr rund 8,4 Millionen Euro in die Versorgungssicherheit ihres Netzes. Größere Baustellen seien aber nicht zu befürchten, hieß es jetzt beim Ausblick auf die kommenden Monate in der Zentrale des Energieversorgers.

3,6 Millionen Euro fließen ins Stromnetz

Der Löwenanteil bei den Investitionen entfällt mit 3,6 Millionen Euro auf das Stromnetz, gefolgt von Wasser (2,9) und Gas (1,9). Dazu zählen etwa der Austausch von Transformatoren. Werden ohnehin Straßen aufgerissen, nutzt der Energieversorger das, um gegebenenfalls neue Schutz- und Leerrohre für den Breitbandausbau zu legen.

Sicherheit im Versorgungsnetz, das bedeutet niedrige Netzausfallzeiten. Mit 3,6 Minuten Stromausfall lag Witten 2017 (die aktuellste Zahl) deutlich unter dem Bundesschnitt von 15,14 Minuten. „Unsere Anlagen sind gut in Schuss“, sagt Rainer Altenberend (Technik). Auch der heiße Sommer wurde gut verkraftet. Er bescherte dem Energieversorger einen Anstieg des Wasserverbrauchs um 22 Prozent. Im Juli gab es einen Spitzenwert von 600 000 Kubikmeter, das sind 600 Millionen Liter Trinkwasser, die aus den Hähnen flossen. An den wärmsten Tagen waren es allein 22 Millionen Liter, 30 Prozent mehr als sonst.

Sanierung der Trinkwasserspeicher abgeschlossen

Mit der Sanierung des Trinkwasserspeichers auf dem Helenenberg wurde ein 2016 begonnenes Großprojekt fast abgeschlossen. Vier Millionen hat man in die Erneuerung der Außenhaut, der Beschichtung und Anlagentechnik investiert. Die zwei Behälter, Baujahr 1959, fassen je 10 000 Kubikmeter. „Wir gehen davon aus, dass sie nun wieder für die nächsten 60 Jahre in Betrieb gehen können“, so Altenberend.

Ein Langzeitprojekt ist der Austausch von 65 000 alten Stromzählern gegen moderne Messgeräte bis 2032. Die Stadtwerke wollen in den ersten acht Jahren je 4500 Apparate tauschen, in den sieben Folgejahren je 7500. Nach acht Jahren ist wieder ein Austausch nötig. Das Unternehmen trägt die Kosten.

Hinzu kommt der Einbau von 5300 „intelligenten Messgeräten“ für Kunden ab einem Verbrauch von 6000 Kilowattstunden im Jahr. „Wo findet wann welcher Verbrauch statt?“ beschreibt Prokurist Markus Borgiel die Erkenntnisse, die er sich davon erhofft. Für Kunden mit den anderen Messgeräten sei es schwieriger, Stromfresser zu identifizieren. „Das ist so kompliziert, da brauchen Sie eine Taschenlampe“, sagt die Technik.

Strom und Gas könnten wieder teurer werden

Im Laufe dieses Jahres könnten Strom und Gas teurer werden, nachdem die Stadtwerke die Preise zum Januar anders als viele Anbieter nicht erhöht hatten. „Irgendwann müssen wir das weitergeben, was wir teurer einkaufen“, sagt Borgiel. Die Beschaffung erfolge über einen Zeitraum von drei Jahren, „und wir sind noch nicht bei 100 Prozent“, so Geschäftsführer Andreas Schumski.

Er spricht auch das Thema Facharbeitermangel an. Die Stadtwerke wollen die Zahl der Auszubildenden auf 20 erhöhen und sich als innovatives, fortschrittliches Unternehmen präsentieren – mit Tele- und Heimarbeitsplätzen und Darlehen in Notsituationen. Verstärkt wollen sie in der Öffentlichkeit präsent sein, etwa in den sozialen Medien, aber auch mitten in der Bevölkerung. Ein regelmäßiges Familienfest soll ab 2021 die Kundentreue erhöhen und die Verbraucher von morgen gewinnen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben