Menschenrechte

Pfarrerin Kreher gerät zwischen die Fronten in El Salvador

Daniela Kreher (r.) in einer Fernsehdiskussion des El-Salvadorianischen Senders TVO-Canal23.  Die Pfarrerin setzt sich auch in den Medien des Landes gegen Gewalt und für Menschen- und Frauenrechte ein.

Foto: WP

Daniela Kreher (r.) in einer Fernsehdiskussion des El-Salvadorianischen Senders TVO-Canal23. Die Pfarrerin setzt sich auch in den Medien des Landes gegen Gewalt und für Menschen- und Frauenrechte ein. Foto: WP

San Salvador/Bad Berleburg.   Noch immer schwebt die politisch und religiös engagierte Frau in Lebensgefahr und will ins sicherere Uruguay ausreisen. Gegen die in Bad Berleburg aufgewachsene und in El Salvador arbeitende Pfarrerin Daniela Kreher gab es Morddrohungen. Unsere Redaktion hält exklusiven Kontakt zu der Pastorin.

Gemeinsam mit ihrem Freund, dem ebenfalls als evangelischem Pfarrer arbeitenden Martin Díaz, und einigen Helfern der Evangelisch Protestantischen Kirche El Salvadors hat sich die 34-jährige nicht nur mit ihren religiösen Ansichten zur Legalisierung von Verhütung und Abtreibung mächtige Feinde bei Konservativen katholischen Organisationen gemacht, sondern auch mit einer politischen Initiative, unter anderem für eine neue Drogenpolitik. Dieses Ziel ist in ihrer Kirche fest verankert.

Hilfe für Ausgestoßene

„Die Evangelisch Protestantische Kirche El Salvadors versteht sich als eine inklusive christliche Kirche, deren Ziel es ist, demokratische Strukturen, Menschenrechte und Respekt zu stärken. Unsere Mitglieder sind der Auffassung, dass Zwangstherapien und repressive Methoden bei der Überwindung der Drogenproblematik veraltet sind. Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit gilt Menschen und Gruppen, die ausgestoßen sind. Wir kämpfen für gleiche Rechte und eine interreligiöse Brüderlichkeit“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Kirche, die seit 2012 auch auf einen politischen Wandel und die Entkriminalisierung des Drogenkonsum hinarbeitet.

Kreher und ihr Freund Martin Díaz, der Sprecher dieser Evangelisch Protestantischen Kirche ist, sind der Auffassung, dass der Kreislauf von Armut, Sucht und (Beschaffungs-)Kriminalität durchbrochen werden muss. Nur so könne die Macht der Drogenkartelle und der Straßenbanden gebrochen werden, ist sich Kreher sicher.

Junge Menschen gehen auf die Straße

Besonders deutlich wurde diese Auffassung bei einer Demonstration am 3. Mai diesen Jahres in der Hauptstadt San Salvador. An die Tausend, vor allem junge Menschen, sind dort für einen Richtungswechsel auf die Straße gegangen. Das stößt bei der seit 1992 regierenden rechtskonservativen Partei ARENA auf Widerstand. Und nicht nur dort.

„Drogenhändler, Maras und Sombra Negra“, das schreibt Daniela Kreher, trachten Martin Díaz, den Kirchenmitarbeitern und ihr selbst nach dem Leben. Die Seelsorger sind in der Hauptstadt El Salvadors offenbar zwischen die Mühlsteine von Drogenmafia und Staat geraten.

Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt in El Salvador 

Die Maras sind Jugendbanden, die sich in ganz Mittelamerika ausgebreitet haben und die Straßen kontrollieren. Wegen ihrer massiven Präsenz in Los Angeles werden diese gewaltbereiten und an ihren Tätowierungen leicht erkennbaren Gangs in den Vereinigten Staaten mit Terroristen gleichgesetzt und massiv bekämpft. Das gleiche passiert auch in El Salvador. Hier lauern die als Sombra Negra (schwarzer Schatten) bekannten, staatlich gelenkten Todesschwadronen auf die Maras.

Es ist ein Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt. Trotz Vermittlungsversuchen von Seiten der Kirchen und Friedenssignalen der auch untereinander verfeindeten Banden, ist bislang keine Entspannung in Sicht, weil die Konservativen Kräften in der Regierung nach wie vor auf „mano duro“, die Politik der harten Hand setzen.

Weltweit eine der höchsten Kriminalitätsraten

Wie gefährlich El Salvador ist, hat auch das deutsche Auswärtige Amt im Blick und warnt im Internet vor Reisen in das mittelamerikanische Land: „El Salvador weist in Lateinamerika und weltweit eine der höchsten Kriminalitätsraten auf. Die Gefahr von Gewaltverbrechen – insbesondere in der Nähe der touristisch interessanten Vulkane und am Strand – ist überaus hoch, die Hemmschwelle beim Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen niedrig. Bewaffnete Raubüberfälle, Diebstahl von Autos oder Gegenständen, die sich darin befinden, aber auch Morde und Vergewaltigungen sind sehr häufig zu verzeichnen.“

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