Reitunfall

Tödlicher Reitunfall löst Diskussion um Rettungspunkte aus

Ein Großaufgebot von Rettungskräften wurde am Samstag zur Unfallstelle alarmiert.

Ein Großaufgebot von Rettungskräften wurde am Samstag zur Unfallstelle alarmiert.

Foto: Matthias Böhl / WP

Bad Laasphe.  Die Polizei ermittelt noch, warum sich das Pferd in einem Wald bei Bad Laasphe erschrak. Die Hilfsfrist wurde um ein paar Minuten überschritten.

Die 31-jährige Reiterin aus Bad Laasphe, die am Samstagnachmittag bei einem Unfall verstarb (wir berichteten), wurde bei einem Ausritt im Wald oberhalb von Kunst Wittgenstein von ihrem Pferd abgeworfen. Das teilte die Polizei am Montagvormittag mit. Warum das Pferd scheute, sei noch nicht abschließend geklärt und demnach Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

In abgelegenem Waldstück war die 31-Jährige zusammen mit zwei Begleiterinnen im Alter von 16 und 22 Jahren ausgeritten, als sich das Pferd der Bad Laaspherin plötzlich erschrak. Nach Angaben der Polizei leisteten die beiden Begleiterinnen sofort Erste Hilfe und verständigten den Rettungsdienst. Notfallseelsorger kümmerten sich später um die beiden Frauen.

Die Hilfsfrist

Dabei lässt der tragische Unfall die Diskussion über Rettungspunkte wieder aufleben. Tatsache ist: Auch wenn die Rettungskräfte schneller vor Ort gewesen wären, hätte das Leben der jungen Mutter nicht mehr gerettet werden können.

Zwischen dem Absetzen des Notrufs und dem Eintreffen des Rettungsdienstes vergingen gut 15 Minuten – die in NRW geltende Hilfsfrist von zwölf Minuten im ländlichen Raum wurde damit überschritten. Aber: „Mit diesen Fristen können wir hier nicht operieren. Der Unfall ereignete sich in einem Gebiet, das nicht mal mehr bewohnt war, an dem eine genaue Ortsangabe kaum möglich war, weil es keine Adresse gibt“, so Dirk Höbener, Leiter der Bad Laaspher Feuerwehr. Außerdem haben sich die Einsatzkräfte auf unbefestigten Gelände fortbewegen müssen.

Die Notfallpunkte

Genaue Ortsangaben könnten hingegen Rettungspunkte liefern, die beispielsweise an den Pfosten der Wegbeschilderungen angebracht werden. Die Tafeln enthalten neben der Notrufnummer eine Standortnummer, die aus dem Kfz-Kennzeichen des Kreises und dem Ostwert der UTM-Koordinate zusammengesetzt ist. Die sechs Stellen hinter dem Kfz-Kennzeichen können so einen metergenauen Wert angeben. Insgesamt gibt es 67 ausgewiesene Rettungspunkte im Kreis Siegen-Wittgenstein, die vom Naturpark Sauerland Rothaargebirge initiiert wurden.

Die Forstrettungspunkte

Anders verhält es sich mit Wäldern im Privatbesitz, wie zum Beispiel die der Wittgensteiner oder der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer. Sie haben in dem Sinne keine „offiziellen“ Rettungspunkte, sondern lediglich „Forstrettungspunkte“. Dabei greifen die Waldbesitzer auch auf ein anderes Code-System zurück: „Wir haben nicht das Kfz-Kennzeichen des Kreises, sondern die Buchstaben-Kombination „RW“ für ‘Rentkammer Wittgenstein’ und eine zweistellige Nummer“, sagt Björn Römhild von der Rentkammer Wittgenstein in Bad Laasphe.

Die Ortung

Anders als bei den Rettungspunkten vom Naturpark Sauerland Rothaargebirge seien diese Punkte aber nicht ausgeschildert, so Thomas Weis von der Kreisleitstelle in Siegen. „Zwar sind alle Notfallpunkte bei der Kreisleitstelle hinterlegt, so dass die Rettungskräfte auf diese Datenbank zurückgreifen können. Aber für Privatpersonen sind diese Punkte nicht ersichtlich.“ Im Notfall könne der Rettungsdienst aber auch versuchen, das Handy der verunglückten Person per GPS zu orten. „Dafür schicken wir eine SMS an die Nummer der Person, die den Notfall abgesetzt hat. Wenn sie den Eingang dieser Nachricht bestätigt, können wir per GPS den Unfallort ausfindig machen“, erklärt Thomas Tremmel, Amtsleiter bei der Kreisleitstelle in Siegen. Die einzige Einschränkung: Mobile Datenübertragung muss möglich sein vor Ort – was gerade in dünn besiedelten Waldlagen nicht immer gegeben ist. Auch bei dem Reitunfall bei Kunst Wittgenstein habe es kein ausreichendes Mobilfunknetz gegeben.

Das Bewusstsein

„Im Wald werden Notrufe immer zur Herausforderung“, so Tremmel weiter. „Selbst wenn in Zehn-Meter-Abständen Notrufsäulen installiert wären, hieße das nicht automatisch, dass die Rettungskräfte schneller vor Ort sind.“ Häufig werden derartige Rettungspunkte gar nicht als solche wahrgenommen. „Die müssen oft erst mal ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken.“

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