Corona

Impfungen für Prio-Gruppe 3 in NRW: Wer nun Termine bekommt

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Düsseldorf.  In NRW können Menschen aus der Prioritätsgruppe 3 ab sofort Impftermine vereinbaren. 100.000 Impfdosen gehen in benachteiligte Stadtteile.

  • Viele Menschen aus der Prioritätsgruppe 3 können seit Donnerstag in NRW Impftermine vereinbaren.
  • Über 60-Jährige sollen sich an ihre Hausarztpraxis wenden, eine Impfung im Impfzentrum ist für diese Gruppe vorerst nicht vorgesehen.
  • Zudem stellt das Land NRW 100.000 Impfdosen für soziale Brennpunkte zur Verfügung, davon allein 70.000 Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson.
  • Ab Juni sollen alle in NRW einen Impftermin vereinbaren können. Geimpft wird in den Impfzentren des Landes und in Hausarztpraxen.

NRW treibt die Impfkampagne weiter voran: Seit Donnerstag (6. Mai) können sich auch Lehrer an weiterführenden Schulen, Mitarbeiter im Lebensmittel-Einzelhandel, Justizbeschäftigte sowie Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren über die Portale der Kassenärztlichen Vereinigungen Termine in den Impfzentren buchen.

Die Terminvergabe ist den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zufolge stabil angelaufen. So berichtet die KV Nordrhein, dass in den ersten gut drei Stunden nach dem Vergabestart um 8 Uhr über 171.000 Termine an über 85.500 Menschen vergeben worden seien.

Sie berichtete am Mittag zugleich von knapp 18 Millionen Zugriffen auf das Buchungsportal, das trotz der großen Nachfrage stabil gelaufen sei. Weitere Termine würden bereitgestellt. Impf-Interessierte hätten daher auch in den nächsten Tagen Chancen.

Eine Sprecherin der KV Westfalen-Lippe hatte dieser Redaktion am Vormittag mitgeteilt, dass bis 10 Uhr 105.000 Termine zur Erst- und Zweitimpfung vergeben worden seien. Das ergibt zusammen mit den Angaben aus dem Rheinland am Vormittag einen Zwischenstand von rund 275.000. » Lesen Sie dazu: Corona-Impfungen in NRW – Die Infos zur Terminbuchung

Corona-Impfung: Wer in NRW zur Prio-Gruppe 3 gehört

„Wir öffnen die Priorisierungsgruppe 3“, hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch angekündigt. Die Impfterminvergabe startet allerdings noch nicht für die gesamte Gruppe, sondern zunächst nur für bestimmte Personen:

Diese Angehörigen der Gruppe 3 können ab 6. Mai in NRW Impftermine vereinbaren:

  • Über 60-Jährige (in Hausarztpraxen)
  • Kontaktpersonen (maximal zwei) von Pflegebedürftigen und Schwangeren
  • Eltern von pflegebedürftigen Minderjährigen
  • Steuerfahnderinnen und Steuerfahnder
  • Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten: Dazu zählen grundsätzlich alle beschäftigten inkl. der Teilzeitbeschäftigten, Auszubildenden oder Minijobber.
  • Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Beschäftigte an weiterführenden Schulen
  • Beschäftigte im Justizvollzug mit Gefangenenkontakten
  • Gerichtsvollzieherinnen und -vollzieher
  • Beschäftigte in den Servicebereichen der Gerichte und Justizbehörden, Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte
  • Beschäftigte im Ambulanten Sozialen Dienst der Justiz

Für den Nachweis über die Impfberechtigung aufgrund der Berufsgruppe muss zum Termin eine ausgefüllte Arbeitgeberbescheinigung mitgebracht werden, die Sie hier herunterladen können (PDF).

Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle hatten wir zunächst die Personengruppe der Gruppe 3 aufgeführt, wie sie das Bundesgesundheitsministerium auflistet. NRW öffnet die Terminvergabe jedoch zunächst nur für bestimmte Angehörige der Prio-Gruppe 3.

In der „Prio-Gruppe 3“ sind zum Beispiel auch Mitarbeiter in Regierungen und Verwaltungen, Busfahrer, Apotheker und viele andere. Weil aber laut NRW-Gesundheitsministerium noch zu wenig Impfstoff da sei, könne diesen Menschen nur „Schritt für Schritt“ ein Angebot gemacht werden. Prognosen dazu seien im Moment nicht möglich. Zudem zählen zur Prio-Gruppe 3 auch Menschen mit Übergewicht; ausschlaggebend ist ein Body-Mass-Index (BMI) über 30.

Impfung für Über-60-Jährige: Bitte beim Hausarzt!

Zur „Prio-Gruppe 3“ gehören auch Menschen zwischen 60 und 69 Jahren. Die Landesregierung bittet diese Personen aber explizit darum, Impftermine in den Hausarztpraxen zu vereinbaren.

Laumann warb in diesem Zusammenhang für den Impfstoff von AstraZeneca, der für Personen über 60 Jahren freigegeben ist, schon nach der 1. Impfung „einen guten Schutz“ biete und in größeren Mengen zur Verfügung stehe.

Laumann: Ältere sollten sich mit Astrazeneca impfen lassen

Impfungen mit AstraZeneca seien ein „Gebot der Solidarität“ von Älteren gegenüber Jüngeren, die bevorzugt mit den Produkten von Biontec, Moderna sowie Johnson & Johnson immunisiert werden sollten. Er selbst sei 63 und damit „auch der passende Kandidat für diesen Impfstoff“, so Laumann. In Absprache mit ihren Ärzten könnten sich aber auch unter 60-Jährige mit AstraZeneca in Praxen impfen lassen. „Dieser Impfstoff ist für alle freigeben“, so Laumann. Es handele sich hier um eine individuelle Entscheidung zwischen Arzt und Patient.

Zuvor hatte Laumann einen Überblick über die Infektionslage in NRW gegeben: „Gott sei Dank“ gingen die Infektionszahlen weiter zurück und liege die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 148,2. „Es geht eindeutig in die richtige Richtung“, sagte Laumann. Auch die Testungen lieferten dazu ihren Beitrag. Aktuell würden im Schnitt rund 400.000 Menschen in NRW täglich getestet.

82.000 Impftermine für chronisch Kranke in NRW vergeben

Seit der vergangenen Woche können sich auch chronisch Kranke aus der Prioritätsgruppe 2 in NRW um Impftermine bemühen. Dazu zählen etwa Menschen mit schweren chronischen Lungenerkrankungen oder Menschen mit einer Demenz oder einen geistigen Behinderung.

82.000 Termine seien seither vergeben worden. Dabei sei aber davon auszugehen, dass viele Menschen aus dieser Gruppe bereits von ihrem Hausarzt geimpft worden seien. „Hier haben die Hausärzte einen guten Job gemacht, die ihre chronisch kranken Patienten als erstes geimpft haben“, sagte Laumann.

Weil dadurch schon so viele Menschen mit höchster und hoher Priorität geimpft worden seien, könne nun auch Menschen aus der Prioritätsgruppe 3 ein Impfangebot gemacht werden - der Gruppe mit „erhöhter Priorität“. Wann den chronisch Erkrankten aus der Prioritätsgruppe 3 ein Impfangebot gemacht werden kann, darunter etwa Rheumapatienten und Asthma-Kranke, führte Laumann nicht gesondert auf. Vielfach können sich diese Risikopatienten aber bereits an ihre Hausärzte wenden.

Termine für Impfungen können ab 6. Mai vereinbart werden

Termine für die Impfungen in der Prioritätsgruppe 3 könnten bereits ab Donnerstag, 6. Mai, über die Hausärzte oder die Terminvergabeseiten der Kassenärtzlichen Vereinigungen Nordrhein (kostenfreie Telefonnummer: 0800 116 117 01) und Westfalen (kostenfreie Telefonnummer: 0800 116 117 02) vereinbart werden. Ab Mitte Mai beginnen so nach Einschätzung Laumanns etwa die Impfungen von Polizistinnen und Polizisten.

Aktuell mache er sich nach Gesprächen mit Hausärzten dafür stark, dass zwischen der Erst- und Zweitimpfung mit AstraZeneca nicht mehr so viel Zeit verstreiche.

Impfreihenfolge in den Arztpraxen soll Anfang Juni enden

Die Impfreihenfolge in den Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen soll Anfang Juni enden. Voraussichtlich ab dem 7. Juni würden die Betriebsärzte in die Corona-Impfkampagne einbezogen, sagte Laumann. Spätestens ab diesem Zeitpunkt falle dann die Priorisierung in den Arztpraxen.

Im Juni würden die größten Fortschritte im Impfprogramm gemacht, kündigte Laumann an. Die Anzahl der Impfdosen in den Arztpraxen werde sich deutlich erhöhen. Allein die Zahl der Biontech-Impfdosen werde sich gegenüber Mai verdoppeln.

Aber auch die Impfzentren würden noch einige Zeit gebraucht, sagte der CDU-Politiker. Ihre Finanzierung sei bis einschließlich September gesichert.

NRW stellt 100.000 Impf-Dosen für sozial benachteiligte Stadtteile bereit

Laumann kündigte darüber hinaus an, verstärkt in sozial benachteiligten Stadtteilen zu impfen. Dafür stelle das Land rund 100.000 Impfdosen zur Verfügung. 70.000 Dosen davon entfallen nach Angaben Laumanns auf den Impfstoff von Johnson & Johnson. Das Vakzin muss nur einmal verimpft werden. Welche Stadtteile davon profitieren könnten müsse nun genau geprüft werden. „Es reicht nicht aus, ausschließlich auf die Arbeitslosenquote zu schauen. Wir werden uns auch die Inzidenzen genau anschauen“, kündigte Laumann an.

Städte wie Köln und Hagen haben bereits damit begonnen, mit mobilen Impfteams Menschen in Hochhaussiedlungen und sozialen Brennpunkten gegen das Coronavirus zu impfen.

Bis zum 31. Mai sollen zudem die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften geimpft sein, so Laumann weiter.

Laumann will noch keine Öffnungsperspektive für Tourismus geben

Anders als Bayern wollte Laumann der Tourismusbranche noch keine Perspektive geben, dafür sei es schlicht zu früh: „Wir haben aktuell noch 30 Kreise, wo die Schulen zu sind und außerdem noch volle Intensivstationen. Da gibt es zurzeit andere Baustellen, die wir haben als die“, sagte Laumann und erteilte dem Kurs von Bayerns Ministerpräsident Söder, den Tourismus bereits zu Pfingsten am 25. Mai wieder zu öffnen, eine Absage.

Aber es sei ja auch noch nicht Pfingsten, sagte der CDU-Politiker weiter. Man müsse sehen, wie sich die Corona-Infektionszahlen bis dahin entwickelten.

Außengastronomie darf erst unter 50er-Inzidenz öffnen

Laut Corona-Schutzverordnung dürfen Gastronomen mit einer Außengastronomie erst ab einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 öffnen. Bei seiner Pressekonferentz hatte Laumann sich zunächst vertan und die 100er-Inzidenz als Maßgabe genannt. Einen Tag später korrigierte sich der Minister.

Getestet werden soll die Öffnung der Außengastronomie zunächst in zwei Modell-Kommunen: Lippstadt und Soest gaben am Freitag bekannt, dass sie die Außengastronomie in ihren Innenstädten ab kommendem Mittwoch wieder öffnen werden. Dies ist möglich, weil sie zu Corona-Modellkommunen gehören. Die hatte das Wirtschaftsministerium ausgewählt, um ein öffentliches Leben in Pandemiezeiten zu erproben und um daraus Erkenntnisse für ganz NRW zu gewinnen.

Welche Regelungen in NRW ab dem 15. Mai in Kommunen unter einer Inzidenz von 100 gelten sollen, darüber muss die Landesregierung noch beraten. Laumann verwies daneben auch auf die kommunalen Modellprojekte für Öffnungen, die bisher noch nicht hätten starten können. (mit dpa)

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