Corona-Mutation

Omikron in NRW: Weitere Fälle und Ausbreitung bestätigt

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Videografik: So mutieren Viren

Videografik: So mutieren Viren

Die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Es wird befürchtet, dass die Mutationen des Erregers zu einer höheren Übertragbarkeit führen könnten. Die Videografik erklärt, wie Viren mutieren.

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Essen.  Die Corona-Variante Omikron ist in NRW angekommen. Fall um Fall der Mutation wird offiziell bestätigt. Dabei ist der Nachweis eher schwierig.

  • Die Omikron-Variante des Coronavirus ist nun auch in NRW angekommen. Es gibt mehrere bestätigte Fälle
  • Der Nachweis der Omikron-Mutation ist schwierig und dauert mindestens zwei bis drei Tage.
  • Die Labore sind in NRW ohnehin stark ausgelastet. Durch Omikron könnte sich dieser Zustand verschärfen.

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist auch in NRW auf dem Vormarsch. Doch wann ist ein Verdacht der Mutation bestätigt? Und wie schwierig ist die Bestätigung? Klar ist: Auch immunisierte Personen müssen, bei einem Kontakt mit einer mit der Omikron-Variante infizierten Person, in Quarantäne

Wie gefährlich die Omikron-Variante ist, "ist noch völlig unklar", erklärt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Chefvirologe der Essener Universitätsmedizin. Er selbst hat bereits den Verdacht der Omikron-Variante in Essen untersucht, der sich jedoch nicht bestätigt hat. Wenige Tage später allerdings ist auch in Essen der erste Fall der Omikron-Variante bestätigt.

Omikron wohl auch in Heinsberg nachgewiesen

Eine Genomsequenzierung konnte allerdings nachweisen, dass es sich dabei um eine seltene Form der Delta-Variante handelt. Die Auswertungsergebnisse der Verdachtsfälle in Rees (weitere Informationen) sind weiter offen.

Im Kreis Heinsberg sollen zudem drei Fälle der Omikron-Variante des Coronavirus nachgewiesen worden sein. Das teilte der Kreis am Dienstag mit, Das Gesundheitsamt habe bereits eine Quarantäne angeordnet und sei mit den Betroffenen und deren Kontaktpersonen im engen Austausch. Es würden weitere Testungen veranlasst.

Omikron in NRW: Es erden mehr Daten benötigt

Mit Blick auf die Genetik habe Omikron das Potenzial, sehr gefährlich zu sein. "Aber es gibt auch Berichte, dass die meisten bisher Erkrankten nur milde Symptome hatten", sagt Dittmer. Klar ist derzeit also nur: "Hier brauchen wir mehr wissenschaftliche Daten."

Der Gelsenkirchener Krisenstab will nach erster Einschätzung Personen mit bestimmten Symptomen auf die Omikron-Mutante untersuchen. "Anhaltspunkte, die der Variante zuzuordnen sind, sind sehr starker Husten und sehr starke Müdigkeit. Diese Faktoren scheinen nach dem bisherigen Wissenstand ziemlich sicher mit Omikron zusammenzuhängen“, sagte Krisenstabsleiter Luidger Wolterhoff.

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Omikron in NRW: Aufwendige Suche nach neuen Varianten

Um die Omikron-Variante zweifelsfrei nachweisen zu können, ist eine Genomsequenzierung nötig. Die dauere laut Dittmer mindestens zwei bis drei Tage, "in der Regel aber eher eine Woche", erklärt er. Zwar habe nach Aussage des Robert Koch-Institus (RKI) Deutschland gute Test- und Sequenzierkapazitäten, auch im internationalen Vergleich, trotzdem sind die Kapazitäten nicht unendlich.

Funktionieren würde die Sequenzierung nur, wenn der Patient eine hohe Viruslast habe. Sonst sei das Ergebnis nicht eindeutig. "Die Suche nach neuen Varianten ist technisch sehr aufwendig und nur von Speziallaboren zu leisten. Hier ist die Kapazität sehr begrenzt", erklärt der Essener Virologe.

Omikron in NRW: Sequenzierung jedes zehnten Positiv-Tests

Einen Verdacht allerdings können Virologen bereits früher äußern. "Wir sequenzieren, nach Vorgaben des RKI, rund zehn Prozent unserer positiven Proben", erklärt Dittmer. Darüber hinaus wird eine weiterführende Genomsequenzierung auch bei Proben durchgeführt, bei denen ein Verdacht auf die Variante vorliegt, wie das Gesundheitsministerium des Landes NRW auf Nachfrage mitteilt.

In der KW 46 wurden laut dem Wochenbericht des Robert Koch Instituts insgesamt rund 11.100 Genomsequenzierungen in Nordrhein-Westfalen vorgenommen. Die Daten setzen sich aus Ergebnissen der zufällig ausgewählten Sequenzierungen und der Sequenzierungen von Verdachtsfällen aufgrund von variantenspezifischer PCR zusammen.

Omikron in NRW: 24 Stunden Wartezeit auf PCR-Auswertung

Diese auffälligen Tests lassen sich durch "Schmelzkurven PCRs erkennen", erklärt Dittmer. Ebenfalls ein Vorgang, den nicht viele Labore machen würden. Voraussetzung ist ein positiver PCR-Test, auf den getestete Personen häufiger auch mal länger warten müssen.

Allein die Durchführung der PCR dauert laut Ministerium etwa vier bis fünf Stunden. Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen meist 24 Stunden, bei starken Überlastungen der Labore kann es auch länger dauern. Insgesamt seien die PCR-Kapazitäten laut Dittmer allerdings noch ausreichend.

Omikron in NRW: Hochbetrieb in den Laboren

Dabei liegt jedoch die Betonung auf dem Wort "noch", wie der Verein ALM, Akkreditierte Labore in der Medizin, in einer Pressekonferenz nahelegt. Demnach liege die durchschnittliche Auslastung bundesweit bei 85 Prozent, ab diesem Wert spreche man auch von einer Vollauslastung. "Der Laborbetrieb ist nicht für den 24-stündigen Betrieb ausgelegt", sagt Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos.

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Es mangele nicht am Material, um die PCR-Tests auszuwerten. Hier laufe die Lieferung "solide und zuverlässig". Vielmehr fehle es an geschultem medizinischen Fachpersonal in den molekularbiologischen Laboren, das man nicht "einfach hochskalieren" könne. In einigen Regionen, in denen die Auslastung bereits über 100 Prozent liegt, sind Doppelschichten und Nachtarbeit die Folge.

Omikron in NRW: Labore wegen Schul-PCR-Tests stark eingespannt

Ein spezieller Stressfaktor für die Labormitarbeiter in Nordrhein-Westfalen seien die "sehr gut funktionierenden" Pool-PCR-Testungen an Grund- und Förderschulen. Von denen wurden laut NRW-Schulministerium allein in der ersten Novemberwoche landesweit über 74.000 durchgeführt.

"Das trägt sehr, sehr deutlich zur Auslastung der Labore bei und erhöht den Zeitdruck", so Kotsopoulos. Sobald ein Pooltest positiv ist, müssten über Nacht noch alle Einzeltests ausgewertet werden – "noch bevor die Kinder am nächsten Morgen wieder in den Bus steigen."

Omikron in NRW: Priorität für PCR-Tests von Erkrankten gefordert

Damit die Labore auf Dauer ihre Testkapazitäten sichern können, appelliert Michael Müller, Vorstandsvorsitzender des ALM e.V., Freizeittests momentan hinten anzustellen: "Ein PCR-Test für den Friseurbesuch ist aktuell nicht angesagt, sondern für Kranke."

Laut Müller müsse die Impfquote noch weiter steigen, um mögliche zusätzliche Auslastungen der Labore durch die Omikron-Variante eindämmen zu können.

Corona in NRW: Apotheken stehen für Impfungen bereit

Damit das gelingen kann, haben sich nun auch hunderte Apotheken in Nordrhein-Westfalen dazu bereit erklärt, zusätzlich zu den Ärzten ebenfalls gegen Corona zu impfen. „Es zählt jede derzeit verfügbare zusätzliche Impfstelle“, erklärte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, Thomas Rochell, am Dienstag.

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Auch Zahnärzte sollen nach dem Plan der Gesundheitsminister der Länder durch eine zeitlich befristet Ausnahmegenehmigung am Impfgeschehen beteiligt werden. In NRW hatte auch Familienminister Joachim Stamp (FDP) dafür plädiert, weitere Berufsgruppen in die Corona-Impfkampagne einzubeziehen. (mit dpa)

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