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Die hausgemachten Probleme des Armin Laschet - Der Wahl-Newsletter der WAZ

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Hier entstehen Teile des WAZ-Wahl-Newsletters. Überschrift = Betreff, Fließtext = Editorial.

von der heißen Phase des Wahlkampfs sind wir noch weit entfernt, dennoch setzen sich in diesen Wochen gleich mehrere Trends fort: Die Grünen befinden sich, mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock an der Spitze, derzeit ganz oben auf der Beliebtheitsskala, während die CDU/CSU mit Spitzenkandidat Armin Laschet auch in den jüngsten Wahlumfragen an Boden verliert. Die SPD dümpelt weiterhin im Niemandsland von deutlich unter 20 Prozent vor sich hin und erweckt derzeit auch nicht den Eindruck von Enthusiasmus, Zuversicht oder Aufbruchstimmung. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Derweil muss sich Armin Laschet nicht nur mit den schlechten Umfragen, sondern auch mit hausgemachten Problemen herumschlagen. Da ist zunächst die NRW-CDU, die ihren Ministerpräsidenten Laschet – vielleicht mit Ausnahme des treu zu ihm stehenden Innenministers Herbert Reul - zu einer klaren Entscheidung für Berlin und ausdrücklich ohne Rückfahrkarte nach Düsseldorf drängt, um die Union im Land neu organisieren zu können. Die Vertrauten des aktuellen Verkehrsministers Hendrik Wüst trommeln hinter den Kulissen bereits für ihren Favoriten. So eine Kanzlerkandidatur sei eben keine Vollkasko-Versicherung, deshalb müsse Laschet den Weg für Wüst als CDU-Spitzenmann für die NRW-Wahl im Frühjahr 2022 frei machen.

Dann wäre da noch der frühere Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen. Er ist politisch am äußerst rechten Rand der CDU beheimatet und fällt immer wieder durch Grenzüberschreitungen ins noch rechtere Lager auf. Jetzt wurde er zum Bundestagskandidaten seiner Partei in Thüringen gewählt - und stellt Laschet damit vor ein weiteres Problem. Denn in seiner Funktion als CDU-Bundesvorsitzender muss Laschet Geschlossenheit in seine Partei bekommen, statt weitere Flügelkämpfe zuzulassen.

Sehr viel Arbeit also für den politischen Brückenbauer Laschet, der seine Baustellen noch lange nicht geschlossen hat. Aber er wollte es ja so: Er wollte an die Bundesspitze der CDU und er wollte Kanzlerkandidat sein. Wie oft er diese Entscheidungen schon bereut haben mag? „Noch nie“, würde er jetzt antworten. Was sollte er auch sonst sagen?

Ihr Andreas Tyrock
WAZ-Chefredakteur