Fahrverbote

TÜV-Bericht: Fast alle Stickoxid-Messstellen in NRW korrekt

13.11.2018, Nordrhein-Westfalen, Essen: Autos fahren am frühen Morgen an einer Messstation an der B224 vorbei.

13.11.2018, Nordrhein-Westfalen, Essen: Autos fahren am frühen Morgen an einer Messstation an der B224 vorbei.

Foto: Marcel Kusch

Essen.   Wegen der Debatte um Dieselfahrverbote gab es Kritik an Standorten der Messstationen. Das Landesumweltamt ließ dies nun überprüfen.

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Nahezu alle Messstationen für die Überwachung der Stickstoffdioxid-Belastung der Luft in Nordrhein-Westfalen stehen richtig. Dies hat eine Untersuchung des TÜV Rheinland im Auftrag des Landesumweltamtes ergeben. 132 der 133 Messstellen seien richtig positioniert, teilte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) auf seiner Internetseite mit. Anlass für die Untersuchung war nach Angaben der Behörde die vielfach geäußerte Kritik, dass die Messstellen nicht an den richtigen Stellen stünden - etwa zu nah an Straßen oder unter Hindernissen wie Bäumen, die die Messergebnisse beeinflussten.

Nur in Mettmann werden die Anforderungen nicht mehr erfüllt

Bis auf einen Fall hätten Abstände, Höhen und Anforderungen an die Umgebung des jeweiligen Messpunktes den Vorgaben der Luftqualitätsrichtlinie entsprochen, urteilten dagegen die Prüfer. Nur eine Messstelle in Mettmann fiel durch. Dort hätten sich im Laufe dieses Jahres die Standortbedingungen wegen einer umfangreichen Baumaßnahme geändert. «Dadurch ist die Einhaltung der Anforderungen nicht mehr gegeben», hieß es. Für das Messjahr 2019 werde daher eine neue und geeignete Position für das Messgerät festgelegt. Der Prüfbericht umfasst 1337 Seiten.

Die Debatte um die Messorte hatte zuletzt durch gerichtliche Anordnungen von Fahrverbotszonen etwa in Köln und Essen an Schärfe zugenommen. Die Zonen sollen im kommenden April in Kraft treten. Gegen das Kölner Urteil hat das Land bereits Berufung eingelegt, im Essener Fall wurde derselbe Schritt angekündigt.

Erlaubt sind EU-weit höchstens 40 Mikrogramm des gesundheitsschädlichen Reizgases je Kubikmeter Luft im Jahresmittel. 2017 hatte das Lanuv an 127 Stationen Jahreswerte ermittelt. Der Grenzwert war dabei an 49 Messstellen überschritten worden.

Debatte um Umsetzung der EU-Regeln

Im Zuge der anstehenden Fahrverbote kamen auch Vorwürfe auf, die Regelungen würden EU-weit sehr unterschiedlich ausgelegt. In Deutschland gibt es mit hunderten verkehrsnahen Messstationen ein dichtes Überwachungsnetz, Griechenland verfügt offenbar lediglich über rund ein Dutzend - die auch noch falsch aufgestellt seien. In einem Beitrag des ARD-Magazins PlusMinus ist von "Mess-Chaos" in der EU die Rede.

In einer Antwort auf eine Anfrage im Abgeordnetenhaus hatte die Berliner Umweltnehörde jüngst die EU-Vorschriften zum Aufstellen der Messstationen wie folgt zusammengefasst:

Die Kriterien für die Platzierung von Messstellen zur Überwachung der Luftqualität sind in den Anlagen 3, 8 und 16 der 39. Verordnung zum Bundes- Immissionsschutzgesetz (39. BImSchV) festgelegt, mit der die diesbezüglichen Inhalte der europäischen Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG, einschließlich einer 2015 vorgenommenen Anpassung, in deutsches Recht übernommen wurde.

  • Für Messungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind die Probenahmestellen so zu platzieren, dass Daten gewonnen werden über Bereiche von Gebieten und Ballungsräumen, in denen die höchsten Konzentrationen auftreten, in denen die Bevölkerung wahrscheinlich direkt oder indirekt über einen im Vergleich zur Mittelungszeit der betreffenden Grenzwerte relevanten Zeitraum ausgesetzt ist sowie Bereiche von Gebieten und Ballungsräumen, die für die Exposition der Bevölkerung im Allgemeinen repräsentativ sind.
  • Der Ort einer Probenahmestelle darf dabei nicht nur die Situation in der unmittelbaren Umgebung wiederspiegeln. Für Verkehrsmessstellen wird z. B. eine Repräsentativität der Messungen für die Luftqualität eines Straßenabschnitts von mind. 100 m Länge und für Messstellen für den städtischen Hintergrund für eine Fläche von mehreren Quadratkilometern gefordert.
  • Probenahmestellen sollen außerdem möglichst auch für ähnliche Standorte repräsentativ sein, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe gelegen sind. Es geht also darum, Belastungstypen zu identifizieren und repräsentative Vertreter für diese Typen messtechnisch zu charakterisieren.
  • Zusätzlich sind bei der Einrichtung ortsfester Messstellen kleinräumige Standortkriterien zu erfüllen, um eine Verfälschung der Messungen systematisch zu vermeiden: Der Luftstrom um den Messeinlass darf nicht beeinträchtigt werden. Dies wird z.B. bei Probenahmestellen an der Baufluchtlinie gewährleistet, indem eine freie Anströmbarkeit in einem Bereich von mindestens 180° gesichert wird. Im Umfeld des Messeinlasses dürfen keine Hindernisse vorhanden sein, die den Luftstrom beeinflussen. Dies wird erreicht, indem der Messeinlass einige Meter von Gebäuden, Balkonen, Bäumen und anderen Hindernissen entfernt platziert wird und Probenahmestellen, die für die Luftqualität an der Baufluchtlinie repräsentativ sind, mindestens 0,5 Meter vom nächsten Gebäude entfernt sind.
  • Der Messeinlass muss sich grundsätzlich in einer Höhe zwischen 1,5 und 4 müber dem Boden befinden.
  • Die Abluftleitung ist so zu legen, dass ein Wiedereintritt der Abluft in den Messeinlass vermieden wird.
  • Verkehrsbezogene Probenahmestellen dürfen darüber hinaus für alle Schadstoffe höchstens 10 m vom Fahrbahnrand und mindestens 25 m vom Fahrbahnrand verkehrsreicher Kreuzungen entfernt sein.
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