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Aldi, Lidl und Netto heizen Preiskampf um Markenartikel an

Die Discounter überbieten sich aktuell mit Rabattaktionen für Markenartikel.

Die Discounter überbieten sich aktuell mit Rabattaktionen für Markenartikel.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Mülheim/Essen.  Die Discounter überbieten sich mit Rabattaktionen für Markenartikel. Die Verbraucher profitieren nur wenig von dem Preiskampf.

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Das Kracher-Angebot in dieser Woche passt nicht ganz zum aktuell sehr wechselhaften Sommer: Aldi verkauft die Familienpackung Speiseeis der Marke Langnese Cremissimo für 1,85 Euro. Das ist 43 Prozent günstiger im Vergleich zum Normalpreis. Kunden, die sich für die Geschmacksrichtung Vanille entscheiden, kommen noch besser weg. Der Hersteller Langnese hat von sich aus „50 Prozent gratis“ in die Verpackung gefüllt.

Der Preiskampf unter den Discountern hat inzwischen auch die Markenartikel erfasst. Im Sortiment des Marktführers Aldi nehmen die klangvollen Namen einen immer größeren Platz ein. Das ruft den Erzrivalen Lidl auf den Plan, der schon früher auf Markenprodukte setzte als die Süd- und Nord-Geschwister aus Mülheim und Essen. Der Konzern aus Neckarsulm schlägt mit pfiffigen Plakaten zurück, die er in etlichen Großstädten kleben ließ. „Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teurer“, „Teurer wäre EDEKAdent“ oder „So günstig, da dreht sich der PENNY zwei Mal um“, ist darauf zu lesen.

Aldi sieht sich als „Erfinder von günstig“

Den Angriff ließ Aldi freilich nicht auf sich sitzen und holte zum Gegenschlag aus: Im Internet feierte sich der Discounter aus dem Ruhrgebiet selbst als „Erfinder von günstig“. Auch die Edeka-Tochter Netto reagierte und nahm die vermeintlich kleinere Auswahl bei Lidl in einer Zeitungsanzeige aufs Korn: „Du willst a Lidl bit more Auswahl? Dann geh doch zu Netto!“, heißt es darin.

Den Auslöser für den Streit sieht der Handelsexperte Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“, in der Entscheidung von Aldi, immer mehr Markenartikel ins Angebot aufzunehmen. „Aldi würde offensichtlich gern auch die Preissetzungshoheit bei den Markenartikeln erobern, das Niveau, an dem sich alle anderen preislich orientieren müssen“, meint der Branchenkenner. Bislang habe Aldi diese Rolle nur bei den Eigenmarken inne gehabt, bei den Markenartikeln hätten jedoch Lidl und andere den Ton angegeben. „Seitdem Aldi immer mehr Markenartikel anbietet, ist hier viel in Bewegung geraten“, so Queck.

Experte: Verbraucher profitieren kaum

Lidl will aber nicht locker lassen: „Unser Ziel ist es, unsere Preisführerschaft und unsere Stellung im Lebensmitteleinzelhandel als erster Discounter mit Markenprodukten zu unterstreichen“, heißt es aus dem Unternehmen. Ihre Kampagnen lassen sich die Billiganbieter deshalb einiges kosten. Lidl gab dem Werbemonitor der „Lebensmittel Zeitung“ und des Marktforschers Nielsen zufolge im ersten Halbjahr 2019 fast 185 Millionen Euro für Werbung aus, immerhin 13 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aldi steigerte seine Werbeausgaben demnach sogar um mehr als 50 Prozent auf knapp 92 Millionen Euro.

Experte Quecks ist skeptisch, ob die Verbraucher unter dem Strich von dem Preiskampf profitieren. „Sie sparen ein bisschen bei der Aktionsware, doch möglicherweise zahlen sie beim Gesamteinkauf drauf“, vermutet er. (mit dpa)

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