Braunkohle

Betriebsrat bangt um Arbeitsplätze des Energiekonzerns RWE

Im Tagebau Hambach

Im Tagebau Hambach

Foto: dpa

Essen.   Der RWE-Betriebsrat bangt um die Arbeitsplätze des Energiekonzerns. In einem Brief schreibt Konzernchef Schmitz von „Unsicherheit“ und „Sorgen“.

Silke Boxberg wirkt noch immer geschockt. „Wir sind fassungslos und machen uns große Sorgen“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende von RWE Power am Standort Essen. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster, die Rodung im Hambacher Forst zu stoppen, hat die Beschäftigten des Energiekonzerns überrascht. Auch mehrere Tage nach Bekanntwerden des Richterspruchs ist die Unruhe im Unternehmen groß, auch am Verwaltungsstandort Essen. „Wir befürchten einen Domino-Effekt, der sich aufs ganze Unternehmen auswirkt“, sagt Boxberg.

In einem Brief an die Beschäftigten bestätigt RWE-Chef Rolf Martin Schmitz, dass der Konzern seine Braunkohleförderung drosseln wird. „In einer ersten Bewertung gehen wir davon aus, dass wir zehn bis 15 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich weniger fördern“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Gemessen an der bisherigen Förderung sind dies etwa 25 bis 38 Prozent weniger. Das wirkt sich auch auf die Kohlekraftwerke Neurath und Niederaußem aus. Dort sinkt die Stromerzeugung erheblich.

Schmitz nennt die Gerichtsentscheidung „schmerzhaft und kaum nachvollziehbar“ und verweist auf „Unsicherheit, die dieser Beschluss mit sich bringt“. Der RWE-Chef deutet an, dass die Auswirkungen auch für die Beschäftigten spürbar werden dürften. „Zu diesem Zeitpunkt kann ich Ihnen die Sorge um die Zukunft leider nicht gänzlich nehmen“, schreibt Schmitz.

„Befürchtung, dass Beschäftigte Zeche zahlen“

Silke Boxberg wird deutlicher. „Unsere Befürchtung ist, dass die Beschäftigten die Zeche zahlen müssen und Stellen wegfallen“, sagt die Betriebsrätin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Arbeitsplätze im Tagebau, in den Kraftwerken und in den Zentralen Essen und Köln sind massiv bedroht.“ Allein in Essen gehe es um Hunderte Arbeitsplätze.

Im Tagebau Hambach, den angeschlossenen Kraftwerken und Betrieben sind Unternehmensangaben zufolge rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt – außerdem viele weitere bei Zulieferern und Lieferanten. Der Tagebau trage derzeit rund 15 Prozent zur Stromerzeugung in NRW bei. Schon kurz nach der Gerichtsentscheidung hatte der Konzern mitgeteilt, er rechne angesichts des vorläufigen Rodungsstopps ab dem Jahr 2019 jährlich mit einem finanziellen Schaden in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. „Die weitere Entwicklung hängt natürlich davon ab, ob der Rodungsstopp Bestand haben wird“, sagt Silke Boxberg.

Städte aus dem Ruhrgebiet an RWE beteiligt

An der Börse hat RWE massive Einbußen verzeichnet. „Unser Aktienkurs ist stark eingebrochen, unser Unternehmen hat rund zwei Milliarden Euro an Wert verloren“, konstatiert Konzernchef Schmitz in dem Mitarbeiterbrief. Entsprechend aufmerksam dürften die kommunalen RWE-Aktionäre die Entwicklung verfolgen. Städte wie Essen, Dortmund und Mülheim gehören zu den großen Anteilseignern.

„Wir stehen zu unserem Engagement bei RWE“, sagte Guntram Pehlke, der Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW21, unserer Redaktion. „Das ist eine schwere Phase, aber wir haben das Vertrauen, dass der Konzern diese Phase durchsteht.“ Die Dortmunder Stadtwerke sind mit 3,8 Prozent an RWE beteiligt und damit der größte kommunale Einzelaktionär.

„RWE wird öffentlich verunglimpft“

Auch auf das angeschlagene Image von RWE geht Vorstandschef Schmitz in seinem Brief an die Beschäftigten ein. „RWE wird öffentlich verunglimpft, als rückständig und überholt dargestellt“, schreibt er und fügt hinzu: Was aus seiner Sicht am schwersten wiege und ihn am meisten betroffen mache, sei, dass RWE-Beschäftigte „persönlich angegangen, öffentlich kritisiert und in einer absolut indiskutablen Art und Weise beschimpft“ werden. „Hier ist in vielen Fällen jegliches Maß verloren gegangen“, so Schmitz. „Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich bekomme selbst unzählige Briefe, E-Mails und Anrufe dieser Art.“

Leserkommentare (11) Kommentar schreiben