Thyssenkrupp

Bieterwettkampf bei Thyssenkrupp um das beste Pferd im Stall

Ein weltweiter Markt: In Dubai sollen Aufzüge von Thyssenkrupp in Zukunft auch seitwärts fahren.

Ein weltweiter Markt: In Dubai sollen Aufzüge von Thyssenkrupp in Zukunft auch seitwärts fahren.

Foto: dpa Picture-Alliance

Essen.  Was wird aus der größten Sparte von Thyssenkrupp mit 53.000 Arbeitsplätzen? Ein Bieterwettstreit um das Aufzuggeschäft beginnt.

Es geht um mehr als 53.000 Arbeitsplätze in der Aufzugsparte von Thyssenkrupp – und letztlich um die Zukunft des Essener Traditionskonzerns mit mehr als 160.000 Mitarbeitern insgesamt. Um die finanzielle Lage der Firma zu stabilisieren, will Vorstandschef Guido Kerkhoff das lukrative Aufzug-Geschäft zu Geld machen – durch einen Börsengang oder einen Teil- beziehungsweise Komplettverkauf. Ein potenzieller Käufer steht schon vor der Tür und buhlt offen um die Sparte: der finnische Konzern Kone.

Von einer „idealen Verbindung“ schwärmt Kone-Chef Henrik Ehrnrooth, wenn er über eine mögliche Fusion mit dem wichtigsten Geschäftszweig von Thyssenkrupp spricht. Im „Handelsblatt“ wirbt er offensiv für einen Zusammenschluss, der Kone zum Weltmarktführer in einer aufstrebenden Branche machen würde. „Wir sind schon lange der festen Überzeugung, Kone und Thyssenkrupp Elevator passen perfekt zusammen“, sagt Ehrnrooth.

Kone sieht „beispiellose“ Chance bei Thyssenkrupp

Das Geschäft beider Aufzugkonzerne ergänzt sich seiner Darstellung zufolge hervorragend: „Thyssenkrupp ist stark in Südamerika und Südkorea, in diesen Märkten sind wir bisher nicht vertreten. Wir sind die Nummer vier in den USA – hier ist Thyssenkrupp stärker als wir. Dafür sind wir in Asien sehr eindeutig stärker.“ Eine solche sich ergänzende Aufstellung sei in der Aufzugbranche „beispiellos“.

Entsprechend höher könnte nach Schätzungen von Experten der Preis für die Thyssenkrupp-Sparte bei einer Übernahme durch Kone ausfallen. Analysten der Danske Bank halten sogar ein Preis bis zu 22 Milliarden Euro für möglich. Aus Sicht von Kone sei es das schlechteste Szenario, wenn die Konkurrenten Schindler oder Otis zum Zuge kommen könnten, heißt es zur Begründung in einer Analyse der Danske Bank, die unserer Redaktion vorliegt. Bislang wurde in den Medien über einen Wert der Thyssenkrupp-Sparte Elevator zwischen zwölf und 17 Milliarden Euro spekuliert.

Finanzinvestoren stehen schon Schlange

Auch Finanzinvestoren, die bislang noch nicht in der Aufzugbranche aktiv sind, haben Interesse an einer Übernahme signalisiert. Dies könnte eine Freigabe einer Transaktion durch die Wettbewerbshüter erleichtern und den Verkaufsprozess beschleunigen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits vor Wochen berichtet, dass die Branchengrößen KKR, CVC und Advent Planspiele für einen Deal mit Thyssenkrupp verfolgen. Auch Apollo, Carlyle und EQT werden genannt.

Der frühere Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte die Aufzugsparte einst als „bestes Pferd im Stall“ bezeichnet. Ein Bieterwettstreit – möglicherweise auch mit dem Kone-Rivalen Hitachi – dürfte nun zum Kalkül von Hiesingers Nachfolger Guido Kerkhoff gehören: Wenn sich Thyssenkrupp schon vom Aufzuggeschäft trennen muss, dann zu einem möglichst hohen Preis. Denkbar wäre sicherlich auch, dass Thyssenkrupp beteiligt bleibt, zum Beispiel mit 25,1 Prozent, um künftig an Gewinnen von Elevator partizipieren zu können. Schließlich befinden sich die Geschäfte des Konzerns rund um Stahl, Autoteile und Industrieanlagen nicht gerade in bester Verfassung. Eine harte Sanierung steht an.

Sollte Kone zum Zuge kommen, wäre ein langes Prüfverfahren der Wettbewerbshüter absehbar. Das Thyssenkrupp-Management wird indes angesichts der finanziell angespannten Lage ein hohes Interesse an einem raschen Abschluss haben.

Aufsichtsratssitzung zur Zukunft der Aufzugsparte

Da Kone – anders als etwa ein Finanzinvestor – bereits über eine Konzernverwaltung verfügt, müssten die Beschäftigten mit Einschnitten rechnen. Auf die Frage, was aus der Zentrale von Thyssenkrupp Elevator in Essen würde, sagte Ehrnrooth lediglich: „Es ist zu früh, um darüber zu spekulieren.“

Die IG Metall hat bei etwaigen Spartenverkäufen von Thyssenkrupp praktisch ein Veto-Recht. Die Aufsichtsratsgremien hatten unlängst einer entsprechenden Grundlagenvereinbarung zugestimmt. Wenn in Zukunft Unternehmen von Thyssenkrupp verkauft oder verselbstständigt werden, soll in jedem Fall zunächst eine „Fair-Owner-Vereinbarung“ („fairer Eigentümer“) mit der IG Metall getroffen werden.

Schon in der kommenden Woche werde sich der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat mit der Zukunft der Aufzugsparte befassen, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Branchenkreise. Vorstandschef Kerkhoff macht offenbar Tempo.

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