Energieversorger

Bündnis mit Eon soll RWE zu neuer Stärke verhelfen

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz

Foto: André Hirtz

Essen.   Der Essener Energiekonzern RWE verspricht steigende Dividenden. Für den Braunkohleausstieg will das Unternehmen eine Entschädigung.

Von „enormen Chancen“ spricht RWE-Chef Rolf Martin Schmitz – und von „besten Zukunftsperspektiven“. Nach dem weitreichenden Deal mit dem benachbarten Energiekonzern Eon entstehe „eine neue RWE“ – ein Unternehmen, das finanziell stärker und strategisch besser gewappnet sei als bisher. „Wir sind im Aufbruch“, sagt Schmitz bei der Bilanzpressekonferenz in Essen.

Während bei Eon in Zukunft die Vertriebs- und Netzgeschäfte der beiden größten deutschen Energiekonzerne gebündelt werden, übernimmt RWE das Erneuerbare-Energien-Geschäft von Eon und der Konzerntochter Innogy.

RWE wird zum Großaktionär von Eon

Durch die Transaktion werde RWE auf einen Schlag zu einem der wichtigsten europäischen Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien. Zudem will sich der Essener Traditionskonzern auch über Deutschlands Grenzen hinweg als eines der führenden Energie-Handelshäuser profilieren. Eine aller Voraussicht nach lukrative Beteiligung von knapp 17 Prozent am künftigen Partner Eon kommt hinzu – inklusive Sitz im Aufsichtsrat des benachbarten Energieversorgers.

Doch viele Fragen drehen sich bei der Pressekonferenz in der Essener Philharmonie auch um die Braunkohle – und den politisch gewollten Ausstieg aus einem umstrittenen Geschäft, das gerade für RWE von enormer Bedeutung ist.

Jobs im NRW-Braunkohlerevier bedroht

Angesichts der Vorschläge einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission stellt sich RWE schon kurzfristig auf tiefe Einschnitte ein – zunächst vor allem im Rheinischen Revier, wo der Essener Konzern Kraftwerke und Tagebaue betreibt. „Dabei dürfen weder die Beschäftigten noch RWE die Leidtragenden politischer Entscheidungen sein“, mahnt Schmitz. „Richtigerweise empfiehlt die Kommission sozialverträgliche Lösungen beim Stellenabbau und Kompensationen, die sich aus den Eingriffen in unser Eigentum ergeben.“

Pro Gigawatt Kraftwerksleistung, die abgeschaltet würde, müssten die staatlichen Entschädigungen für RWE bei 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen, rechnet Schmitz vor. Im Vergleich zur Ökostromförderung seien Entschädigungen für abgeschaltete Kraftwerke aber überschaubar, urteilt er. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hat vorgeschlagen, bis zum Jahr 2022 rund drei Gigawatt Braunkohlekapazität zusätzlich vom Netz zu nehmen.

Für den Braunkohleausstieg und einen möglichen Erhalt des symbolträchtigen Hambacher Forstes bittet RWE den Staat zur Kasse. Ein Preisschild wolle er nicht an das Gelände kleben, sagt Schmitz, aber so viel ist klar: Es könnte ein teures Stück Wald werden.

Kommunen sollen höhere Dividende erhalten

Das Unternehmen werde prüfen, so der RWE-Chef, ob es technisch möglich sei, den Hambacher Forst zu erhalten. Es sei aufwändig, neue Planungen für das komplexe Braunkohlerevier auf den Weg zu bringen. Dabei gehe es unter anderem um die Rekultivierung der Landschaft und die Wasserwirtschaft. Für einen Verzicht auf die Rodungen, die eigentlich für den Kohleabbau geplant waren, müsste „eine Menge Geld“ aufgebracht werden, sagt Schmitz: „Symbole haben ihren Preis.“

Nach mehreren schwierigen Jahren mit Nullrunden für die Aktionäre hat sich RWE indes insgesamt stabilisiert. Finanzchef Markus Krebber verweist unter anderem auf die positive Entwicklung der RWE-Aktie. Die Dividende, von der mit einem Anteil von rund 20 Prozent auch die zahlreichen kommunalen Aktionäre aus der Region profitieren, soll kontinuierlich steigen – von 70 Cent auf 80 Cent für das laufende Geschäftsjahr. Danach soll dieses Niveau „mindestens gehalten werden“, sagt RWE-Chef Schmitz.

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