Autoindustrie

Chinesischer Milliardär ist nun größter Aktionär bei Daimler

Geely-Chef Li Shufu wird größter Einzelaktionär bei Daimler.

Geely-Chef Li Shufu wird größter Einzelaktionär bei Daimler.

Foto: Song Fan/dpa

Essen.   Geely-Chef Li Shufu übernimmt 9,7 Prozent am Daimler-Konzern. Autoexperte Dudenhöffer lobt den Einstieg des chinesischen Milliardärs.

Über den Einstieg des chinesischen Konzerns Geely beim deutschen Vorzeige-Autobauer Daimler war lange spekuliert worden. Dass Vorstandschef Li Shufu gleich 9,7 Prozent des Imperiums mit dem Stern schluckt und damit auf einen Schlag zum größten Einzelaktionär aufsteigt, überrascht dennoch.

Am späten Freitag hatte Daimler den nach aktuellen Kurswerten rund sieben Milliarden Euro schweren Deal bekanntgegeben. Der Stuttgarter Premium-Hersteller zeichnete sich bislang durch eine kleinteilige Eigentümer-Struktur aus. Größter Aktionär war der Staatsfonds Kuwaits mit knapp sieben Prozent. Das hat sich nun über Nacht geändert.

Sohn eines Reisbauern und jetzt Milliardär

Li Shufu, der Sohn eines Reisbauern und längst zum Milliardär aufgestiegen, ist seinem Lebenstraum einen großen Schritt näher gekommen: Der 54-Jährige will seinen Geely-Konzern zu einer Weltmarke ausbauen. Nachdem Li Shufu zunächst Mittelklasse-Autos ausschließlich für den riesigen chinesischen Markt baute, gelang ihm 2010, als er sich bei Volvo einkaufte, der erste Schritt in Richtung Internationalisierung. Für die damals in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Schweden geht es seither wieder bergauf. Zuletzt übernahm Geely London Taxi und die britische Sportwagenmarke Lotus. Li Shufu kündigte an, mit seiner neuen Marke Lynk ab 2019 auch den europäischen Markt aufrollen zu wollen.

Dass der „chinesische Henry Ford“, wie Li Shufu gern bezeichnet wird, nun auch bei Daimler einsteigt, begrüßt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Ich sehe den Einstieg ausschließlich positiv“, sagte der Experte dieser Zeitung. Bei einem Symposium in Bochum hatte Dudenhöffer erst vor einigen Wochen den Geely-Manager Carl-Peter Forster zu Gast. Der Professor ist davon überzeugt, dass sich die Chinesen langfristig bei Daimler engagieren wollen. Und: „Geely wird den Stuttgartern ihre Eigenständigkeit lassen“, erklärt Dudenhöffer.

Dudenhöffer begrüßt den Deal

Als „blendender Stratege“ habe Li Shufu erkannt, dass es nicht mehr ausreiche, Auto als „Fahrzeug mit vier Rädern“ zu denken. „Das Geschäft heißt Mobilität. Auch Amazon, Apple und Google drängen in den riesigen Markt mit dem autonomen Fahren“, sagt Dudenhöffer. Für diese Themen sei Li Shufu offen.

Mit dem chinesischen Autobauer im Boot habe Daimler zudem die Chance, seine Plattformen für Premium-Modelle nun auch für preiswertere Autos im Reich der Mitte zu nutzen: „An China geht gar nichts mehr vorbei“, so Dudenhöffer.

Besuch im Bundeskanzleramt

„Es ist Zeit für ein neues Denken. Mein Engagement bei Daimler reflektiert diese Vision“, erklärte der Milliardär selbst am Wochenende. Bereits am morgigen Dienstag will Li Shufu diese Vision auch dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Lars-Henrik Röller, erläutern. Die Rede ist von einer „Charmeoffensive“, die der Chinese in Deutschland starte.

Daimler und sein chinesischer Partner BAIC kündigten unterdessen an. 1,9 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktionskapazitäten in China zu investieren, um der Nachfrage dort nachzukommen.

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