Vorstand Mandel

Commerzbank denkt über zusätzliche Filialen nach

Commerzbank-Privatkundenchef Michael Mandel beim Besuch der WAZ-Zentralredaktion in Essen.

Foto: Lars Heidrich

Commerzbank-Privatkundenchef Michael Mandel beim Besuch der WAZ-Zentralredaktion in Essen. Foto: Lars Heidrich

Essen.   Commerzbank-Vorstand Michael Mandel denkt über neue Filialen auch im Ruhrgebiet nach. Die Konkurrenz schließt dagegen Standorte.

Wie fast alle Geldhäuser streicht auch die Commerzbank Tausende Stellen. Privatkundenchef Michael Mandel will anders als die Konkurrenz aber keine Filialen schließen und setzt auf aggressives Wachstum. Ein Jahr nach Verkündung der neuen Strategie sagt er im Gespräch mit Stefan Schulte, ob und wie das funktioniert.

Herr Mandel, der westfälische Sparkassenverband hat angekündigt, jede zweite Filiale werde verschwinden, andere Banken, Post und Krankenkassen dünnen ihre Netze im Zuge der Digitalisierung ebenfalls aus. Wie lange gilt Ihre Aussage noch, das nicht zu tun?

Michael Mandel: Sie gilt ohne Wenn und Aber, weil wir sehen, dass unser im September 2016 beschlossenes Wachstumskonzept aufgeht. Unser Ziel ist es, bis 2020 netto zwei Millionen neue Kunden zu gewinnen. Ende des ersten Halbjahres lagen wir mit einem Zuwachs von über 520 000 Kunden deutlich über Plan. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir unsere bundesweit 1000 Filialen brauchen. Im Schnitt gewinnen wir pro Woche bis zu 10 000 Kunden – rechnerisch wachsen wir so jede Woche um die Größe einer Filiale.

Sie wollen neue Filialen eröffnen? Auch im Ruhrgebiet?

Wir wachsen und investieren kräftig auch in NRW und im Ruhrgebiet. Nicht ohne Grund haben wir in Bochum vergangenes Jahr unsere erste Flagship-Filiale eröffnet. Bei der Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet haben wir hier viele wichtige Standorte – und grundsätzlich kann ich mir vorstellen, etwa in Essen neue Standorte zu öffnen. Wir beobachten sehr genau, wo die Leute hinziehen, wo neue Stadtteile entstehen oder sich attraktiv entwickeln. Davon gibt es im Ruhrgebiet viele.

Damit Ihr Konzept aufgeht, sind Sie aber auch zum Weiterwachsen verdammt. Was, wenn es irgendwann stockt?

Darüber denke ich nicht nach. Ich sehe ja, dass unsere Strategie funktioniert. Wir wachsen schneller als gedacht. Dass unsere Konkurrenten einen anderen Weg gehen, freut mich – die meisten Neukunden gewinnen wir von den örtlichen Platzhirschen. Wenn die ihre Preise rund ums Girokonto erhöhen oder Gebühren fürs Abheben am Geldautomaten einführen, rennen uns deren Kunden die Bude ein.

Sie meinen die Sparkassen?

Kontogebühren erhöhen derzeit viele. Einzelne Mitbewerber möchte ich nicht herausgreifen.

Ihre aggressive Werbung um Neukunden kostet aber auch viel Geld – wie lange halten Sie das durch?

Natürlich kostet es uns erstmal Geld, ein kostenfreies Girokonto mit Startguthaben anzubieten. Ein Neukunde kostet uns im Schnitt 150 bis 250 Euro. Unsere Kosten sind trotzdem stabil. Andere sparen lieber am Kunden. Das ist kurzfristig leichter als unser Weg. In Wachstum zu investieren funktioniert aber – nach rund 18 Monaten haben wir unsere Anwerbekosten wieder erwirtschaftet.

Sie haben dafür Gebühren an anderer Stelle erhöht, etwa für Kontoauszüge und Überweisungen auf Papier. Sie lassen also Ihre älteren Kunden, die dafür noch in die Filiale kommen, das Anwerben der Neukunden bezahlen.

Nein, das ist falsch. Entscheidend für den Preis ist der Aufwand. Wir investieren jährlich bis zu 700 Millionen Euro in die Digitalisierung und unsere IT, weil der elektronische Weg, Bankgeschäfte zu erledigen, günstiger ist als der herkömmliche auf Papier. Diese Kostenvorteile geben wir an unsere Kunden weiter, das ist nur fair. Umgekehrt müssen aufwändigere Dienstleistungen wie beleghafte Überweisungen auch mehr kosten.

Die Digitalverweigerer, und das sind vorwiegend Ältere, sind also selbst Schuld?

Sie würden sich wundern, wie viele unserer älteren Kunden längst online unterwegs und fit sind. Es geht hier nicht darum, jemanden zu bestrafen. Sondern schlicht darum, dass verschieden aufwändige Leistungen auch verschiedene Preise haben müssen.

Wenn Sie so stark auf Digitalisierung setzen – werden nicht irgendwann doch Filialen überflüssig? Personal bauen Sie ja bereits reichlich ab – weltweit 9600 Stellen.

Überflüssig? Nein, wir setzen dauerhaft auf persönliche und digitale Beratung. In unserem Kundencenter in Duisburg, wo wir auch per Video beraten, verknüpfen wir beides. Massiven Personalabbau im Kundenkontakt wird es nicht geben, weil sich rund 70 Prozent der Bankkunden in Deutschland persönliche Beratung wünschen, etwa bei Geldanlagen oder dem Hauskauf. Wir gehen davon aus, dass dies auch so bleibt. Stellen fallen vor allem in den Bearbeitungszentren weg, weil wir 80 Prozent der relevanten Prozesse, die im Hintergrund laufen, digitalisieren.

Eine Grundsatzeinigung auf einen Sozialplan für den Stellenabbau gibt es ja bereits, aber keine Detailpläne. Wann wissen die Beschäftigten endlich, ob sie ihren Job behalten oder nicht?

Da wir uns in laufenden Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite befinden, kann ich heute dazu nichts sagen. In den Filialen liegt der Fokus aber nicht auf Stellenabbau, sondern auf Wachstum. Ich bin oft vor Ort und rede mit den Mitarbeitern. Dort spüre ich Aufbruchstimmung, weil sie ja sehen, dass unsere Strategie greift. Übrigens schaffen wir in einigen Bereichen auch neue Stellen. Und in den nächsten Jahren werden wir im Ruhrgebiet eher schauen, ob wir mit unseren Filialen hier noch breit genug aufgestellt sind.

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