Vonovia

Der Branchenprimus sendet ein katastrophales Signal

Vonovia will drastisch weniger modernisieren, weil die Akzeptanz der Mieter dafür fehle. Damit macht es sich der Bochumer Dax-Konzern zu leicht.

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Es ist ein katastrophales Signal, das Deutschlands größter Wohnungskonzern sendet: Weil Vonovia keine Lust mehr auf Streit mit den Mietern hat, rührt der Dax-Konzern alte Fassaden lieber nicht mehr an und lässt undichte Fenster undicht. Dies mit der Begründung, wenn die Leute keine energetische Sanierung bezahlen wollen, lassen wir’s halt. Konzernchef Buch macht es sich damit reichlich bequem. Und der beleidigte Unterton steht dem Branchenführer gar nicht gut.

Schließlich bringt nicht jeder Wohnungskonzern seine Mieter so häufig gegen sich auf. Es gibt durchaus Spielraum, Modernisierungskosten sozialverträglich auf die Miete umzulegen. Niemand freut sich über steigende Belastungen. Und nicht wenigen fehlt wohl auch der Weitblick, langfristig Heizkosten zu sparen und das Klima zu schützen. Doch wenn Buch uneinsichtige Mieter für seine Abkehr von der Gebäudesanierung verantwortlich macht, dann macht er es sich zu leicht.

Allerdings lenkt Buch den Fokus auf ein veritables Problem: Die Energiewende wird bisher fast nur den Stromerzeugern auferlegt. Wir steigen aus der Kohle aus – und auf Ökostrom um. Das ist ohne Zweifel richtig so. Doch blenden wir bis hierhin geflissentlich aus, dass von der Straße wegen immer dickerer Autos nicht weniger, sondern jedes Jahr noch mehr Klimagas in die Atmosphäre geblasen wird. Und der Verbrauch an Heizenergie in den Wohnungen nur sehr langsam sinkt.

Eine systematische Dämmung alter Häuser bekommt Deutschland nicht hin. Immer strengere Vorschriften erhöhen die Kosten und senken die Bereitschaft zur Sanierung. Weniger kann mehr sein. Letztlich darf es keine Frage des Einkommens oder der Rentenhöhe sein, wer die Heizung im Winter wie stark aufdrehen muss, um nicht zu frieren. Nicht in einem Land, das sich für einen Vorreiter der Energiewende hält.

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