Finanzen

Dispokredit: Warum Kontoüberziehen unnötig teuer sein kann

Bei vielen Bankkunden weisen die Kontoauszüge ein Minus auf. Nicht in jedem Fall ist der Dispokredit jedoch die richtige Wahl, wenn man einen finanziellen Engpass überstehen muss.

Bei vielen Bankkunden weisen die Kontoauszüge ein Minus auf. Nicht in jedem Fall ist der Dispokredit jedoch die richtige Wahl, wenn man einen finanziellen Engpass überstehen muss.

Foto: blickwinkel / imago/blickwinkel

Berlin.  Millionen Deutsche erwarten, dass sie in naher Zukunft in den Dispo rutschen. Viele von ihnen könnten eine günstigere Option wählen.

Obwohl Banken und Sparkassen für Dispokredite vergleichsweise hohe Zinsen verlangen, nutzen aktuell rund 5,5 Millionen Deutsche ihren Spielraum zum Überziehen – und damit neun Prozent aller Erwachsenen. Weitere 13,4 Millionen Bürger erwarten, dass sie in den nächsten drei Monaten in den Dispokredit rutschen – und damit weitere 22 Prozent. Dies hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Kreditportals Smava ergeben, die unserer Redaktion vorliegt. Dabei fällt manchen offenbar die Rückzahlung gar nicht so leicht: 44 Prozent der Disponehmer gehen davon aus, dass sich die Rückzahlung verzögern könnte.

Dispokredit: Banken verlangen zehn Prozent Zinsen

Während Sparer im Zuge der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank kaum noch Zinsen auf ihre klassischen Anlageformen erhalten, sind die Dispo- und Überziehungszinsen von Banken weiterhin hoch. Denn: Dispokredite sind vergleichsweise teure Kredite und kosten laut Smava im Schnitt 10 Prozent Zinsen und damit fast dreimal soviel wie ein Ratenkredit.

Beispiel: Wer sein Konto mit 500 Euro im Dispo überzieht und dafür zehn Prozent Zinsen zahlen muss, für den fallen nach einer Berechnung des Finanzportals Biallo für 15 Tage 2,05 Euro Gebühren an. Das mag ein kleiner Betrag sein. Wer sein Konto jedoch für ein ganzes Jahr beispielsweise mit 2500 Euro überzieht, der zahlt bei dem Zinssatz bereits 250 Euro. In diesem Fall ist ein Ratenkredit in der Regel günstiger.

Die Höhe der Dispokredit-Rahmen werden von den Geldhäusern individuell mit jedem Kunden festgelegt. Üblich ist die dreifache Höhe des Nettoeinkommens des Bankkunden. Wer dagegen viel Geld auf seinem Giro- oder Tagesgeldkonto besitzt, muss dafür bei manchen Banken schon Strafzinsen bezahlen.

Verbraucherschützer kritisieren hohe Dispo- und Überziehungskredite

Verbraucherschützer kritisieren die hohen Dispo- und Überziehungszinsen. „Hier geht es offensichtlich nur um Gewinnmaximierung. Eigentlich wären Banken verpflichtet, ihre Zinssätze anzupassen“, sagte Kay Görner, Rechtsreferent des „Marktwächter Finanzen“-Teams der Verbraucherzentrale Sachsen, unserer Redaktion. Er sieht die Geldinstitute in der Pflicht einen „marktüblichen nachvollziehbaren Zins“ festzulegen: „Für Dispokredite sollte dieser aktuell bei maximal 4 bis 5 Prozent liegen.“

Auch der Geschäftsführer des Kreditportals und Fintech-Unternehmens Smava, Alexander Artopé, ist überzeugt: „Man sollte immer nur das Geld ausgeben, das man hat. Wer sich dennoch Geld leiht, sollte nicht den bequemsten, sondern den günstigsten Kredit wählen. In der Regel ist das nicht der Dispo.“

Ein Zinsvergleich bei Ratenkrediten kann sich lohnen

Vorsicht ist aber auch bei Ratenkrediten geboten. Banken verlangen unterschiedlich hohe Zinsen. Wer sich Geld leiht, sollte deshalb die Angebote vergleichen. „Je mehr Kreditangebote man vergleicht, desto eher findet man einen günstigen Kredit“, sagt Artopé. Für Kreditnehmer kann sich ein Vergleich im Internet auszahlen. „Kredite, die 2019 über Smava abgeschlossen wurden, waren im Schnitt 39 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt“, berichtet Artopé.

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