Interview

Dortmunds Flughafenchef Udo Mager: „Ja, Fliegen ist zu billig“

Udo Mager ist der Chef des Flughafen in der Westfalenmetropole. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Udo Mager ist der Chef des Flughafen in der Westfalenmetropole. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Dortmunds Flughafenchef Udo Mager hält Fliegen für zu billig und spricht sich für Investitionen in der Bahn aus.

Die Branche beschäftigt sich aktuell mit der Klimadebatte. In Deutschland gehören dazu auch die Forderungen nach einem Inlandsflugverbot und einer Art Strafsteuer für Billigflieger. Themen, die Flughafenchef Mager eigentlich ins Grübeln bringen müssten.

Herr Mager, ist Fliegen für 9,99 Euro angesichts der Klimadebatte zu billig?

Udo Mager: Ja, Fliegen ist zu billig. Aber, versuchen Sie doch einmal, einen Flug für 9,99 Euro zu bekommen. Mir ist das noch nicht gelungen. Zwischen den realen Ticketpreisen und dem Schein besteht ein großer Unterschied. Allerdings ist der Preiswettbewerb in der Branche hoch und sorgt dafür, dass viele Airlines und Flughäfen einem massiven Druck ausgesetzt sind und sich – bis auf sechs bis acht der 22 deutschen Verkehrsflughäfen – immer am Kostenlimit bewegen. Insofern würde es uns insgesamt besser gehen, wenn fliegen teurer wäre.“

Wie steht es um die Nachhaltigkeit am Flughafen Dortmund (DTM)?

Der Luftverkehr weltweit hat einen Anteil von 2,7 Prozent des CO2-Ausstoßes. Manchmal tun wir in Deutschland so, als läge der Anteil bei 97 Prozent. Ich bin aber der Letzte, der bestreiten würde, dass die Emissionen des Luftverkehrs keinen Einfluss auf den Klimawandel hätten. Wir haben hier am Flughafen bereits 2013 ein Nachhaltigkeitsprogramm gestartet. Im Vergleich zu 2010 haben wir den CO2-Fußabdruck heute bereits um 85 Prozent reduziert. Branchenziel bis 2030 sind 50 Prozent, bis 2050 100 Prozent.

Müsste man nicht dennoch aus Klimagründen auf Inlandsflüge verzichten und auf die Bahn umsteigen?

Ich finde den Vorschlag gut. Wir haben doch gar kein Interesse daran, Destinationen zu bedienen, wenn es Verkehrsträger gibt, deren Emissionen geringer sind – wenn es denn ginge. Aber es geht ja noch nicht.

Dass heißt, Dortmund würde auf die Verbindung nach München mit mehr als 200.000 Gästen verzichten?

Natürlich nicht. In der Debatte gibt es die Grenze von rund 400 Kilometern, da fiele München nicht drunter. Es ist außerdem unsere einzige Inlandsverbindung und sie ist für uns aufgrund der Drehkreuzfunktion sehr wichtig. Aber, ich würde Investitionen in eine stärkere Leistungsfähigkeit der Bahn, in Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die Anbindung der Flughäfen an das Schienennetz unbedingt befürworten. Das ist übrigens auch Branchenmeinung.

Was macht der Bahnanschluss für DTM?

Über die Schiene würden rund fünf Millionen Menschen aus der Metropole­ Ruhr und sieben Mil- lionen­ Menschen in unserem Einzugsgebiet­ profitieren. Es soll dazu­ eine Machbarkeitsstudie geben.

Wie könnte die aussehen?

Verlängerung der Stadtbahn, Bahnnetz Unna oder Holzwickede, man kann aber auch über eine H-Bahn zwischen dem Bahnhof Holzwickede und dem Flughafen Dortmund nachdenken. Nutzen und Kosten müssen in Einklang stehen, beim Wirtschaftlichkeitsfaktor muss eine eins vor dem Komma stehen. Bis Ende des Jahres wird die Landesregierung im Rahmen der Ruhrkonferenz über die Förderung der Studie entscheiden.

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