ENERGIE

Düsseldorfs OB Geisel setzt auf kommunale RWE-Aktien

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bekennt sich zu den RWE-Aktien der Kommune.

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Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bekennt sich zu den RWE-Aktien der Kommune. Foto: dpa

Düsseldorf.   Auch Düsseldorf gehört noch zu den größeren RWE-Aktionären. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) will an den Aktien festhalten.

Die Uhr, die verkünden soll, wie lange Düsseldorf schuldenfrei ist, hängt immer noch am Rathauseingang – seit sieben Jahren schon. Es war unter anderem der Verkauf von Aktien des Essener Energiekonzerns RWE, mit dem der langjährige Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) die Finanzen der Landeshauptstadt sanierte. Es schien, als habe Düsseldorf nichts mehr zu tun mit RWE, während Städte wie Dortmund, Essen und Mülheim unter der Konzern-Krise und Dividenden-Nullrunden leiden. Dabei fiel kaum auf, dass auch Düsseldorf weiterhin zum Kreis der Eigentümer des Energiekonzerns gehört. Rund 5,7 Millionen der einst 15,7 Millionen RWE-Aktien befinden sich über die Rheinbahn noch im Besitz der Landeshauptstadt.

„Es ist eine weit verbreitete Mär, Düsseldorf habe sich von sämtlichen RWE-Aktien getrennt“, sagt Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Tatsächlich sind wir immer noch einer der größeren RWE-Aktionäre.“ Geisel bekennt sich klar zum Engagement beim Energieversorger. „Wir halten vorerst an unserem RWE-Anteil fest“, betont er. „Ich sehe im Moment keinen Grund dafür, die Aktien zu verkaufen.“

„Eine reine Finanzbeteiligung“

Vor einem Monat hat Geisel den Verwaltungsratsvorsitz beim Verband der kommunalen RWE-Aktionäre aus dem Rheinland übernommen und in dieser Funktion Günther Schartz aus Trier-Saarburg abgelöst. „Mir geht es um einen vertrauensvollen Austausch mit dem Vorstand, wie es üblich ist für einen Großaktionär“, sagt Geisel. Er hat einen beträchtlichen Teil seiner beruflichen Laufbahn in der Energiewirtschaft verbracht. Mehr als zehn Jahre stand er in Diensten der Essener Ruhrgas, die später von Eon übernommen worden ist.

Das RWE-Aktienpaket betrachte Geisel „als eine reine Finanzbeteiligung, aber eine durchaus interessante“. In der Landeshauptstadt gebe es weder eine Betriebsstätte noch ein Kraftwerk von RWE, und die Düsseldorfer Stadtwerke gehören mehrheitlich EnBW, einem Konkurrenten von RWE.

„Das Unternehmen taugt nicht als Feindbild“

„In erster Linie war das Interesse der Kommunen an RWE ein finanzielles“, erklärt Geisel. „Viele Kommunen leben von der RWE-Dividende.“ Für Düsseldorf allerdings sei eine mögliche Gewinnausschüttung von RWE angesichts eines städtischen Gesamtbudgets von rund 2,7 Milliarden Euro nur ein kleiner Baustein von vielen. „Ich hoffe auf eine nachhaltige Entwicklung des Kurs- und Dividendenpotenzials“, betont Geisel gleichwohl. „Natürlich schaut man sich eine Finanzbeteiligung immer wieder mit Blick auf die Ertragskraft an.“

Bochum hat sich im großen Stil von RWE-Aktien getrennt, auch in anderen Kommunen wird ein Rückzug erwogen. „Natürlich gibt es Stimmen, die rufen: Raus aus RWE!“, sagt Geisel. „Ich kann aber keinen moralischen Makel darin sehen, Aktien von RWE zu halten. Das Unternehmen taugt nicht als Feindbild, denn es leistet einen Beitrag zu einer sicheren Energieversorgung, die das Rückgrat unserer Wirtschaft ist. Wir stehen zu unserer Rolle als RWE-Aktionäre.“ Es gebe wenige Unternehmen, die sich vor so großen Herausforderungen befinden wie die Energieversorger. „Da ist es hilfreich, verlässliche Ankeraktionäre wie die Kommunen zu haben.“

„Joachim Erwin war ein sehr intelligenter Zocker“

Wie Geisel die Unternehmensverkäufe von Joachim Erwin beurteilt, der bis zu seinem Tod im Jahr 2008 Düsseldorfs Oberbürgermeister war? „Mit einem Augenzwinkern sage ich: Joachim Erwin war ein sehr intelligenter Zocker. Er hat die Beteiligung an den Stadtwerken und ein RWE-Aktienpaket verkauft, als dieser Schritt viel Geld gebracht hat“, sagt Geisel. Andere Kommunen hätten sich zu diesem Zeitpunkt noch an RWE geklammert.

„Aus meiner Sicht hat RWE eine gute Perspektive“, betont Geisel. „Im Geschäft mit Strom ist gesicherte Leistung gegenwärtig unterbezahlt. Auf Dauer dürfte das nicht so bleiben, denn es gehen immer mehr Kraftwerke vom Netz. Daher bin ich auch über die positive Entwicklung des Börsenwerts von RWE nicht überrascht.“ Ein finanzielles Engagement bei RWE ist nach Einschätzung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters „perspektivisch eine intelligente Sache“.

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