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Neue Ära für das Mercedes-Werk Düsseldorf – erster eSprinter

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beim Start der Serienfertigung des eSprinters im Düsseldorfer Werk von Mercedes-Benz.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beim Start der Serienfertigung des eSprinters im Düsseldorfer Werk von Mercedes-Benz.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Für das Düsseldorfer Werk von Mercedes-Benz beginnt eine neue Ära: Die Serienfertigung des vollelektrischen Transporters eSprinter startet.

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Die Werkshalle ist hell ausgeleuchtet und Mitarbeiter stehen Spalier. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist gekommen, um den Start der Serienfertigung des eSprinters im Düsseldorfer Werk von Mercedes-Benz zu feiern. Er versprüht Aufbruchstimmung, spricht vom Geräusch des Diesel-Motors, der bisher mit dem Transporter verbunden sei, und schwärmt vom künftig leiseren Antrieb. „Ich freue mich auf den Sound des Elektromotors“, sagt Laschet, „den Sound einer neuen Ära der Mobilität“. Dann nimmt er auf dem Beifahrersitz Platz, als der erste vollelektrische Sprinter symbolisch vom Band rollt.

Seit 1962 baut der Stuttgarter Daimler-Konzern in seinem nordrhein-westfälischen Werk Transporter. Schon mehr als 4,6 Millionen Fahrzeuge hat Mercedes-Benz eigenen Angaben zufolge bis heute in der Stadt produziert. Mit mehr als 6600 Beschäftigten ist der Autobauer der größte industrielle Arbeitgeber in Düsseldorf. Nach der Schließung der Fertigung von Opel in Bochum ist Mercedes-Benz neben Ford in Köln einer der beiden großen Fahrzeughersteller in NRW.

Als Leitwerk und weltweit größter Standort für den Bau von Sprinter-Transportern hat Düsseldorf eine herausgehobene Stellung in der Van-Sparte des Konzerns. „Düsseldorf hat eine zentrale Bedeutung für unsere Produktion“, sagt Mercedes-Manager Ingo Ettischer. „Daher haben wir uns auch ganz bewusst dazu

entschieden, hier die Produktion des neuen eSprinter zu starten.“ Seit April vergangenen Jahres wird in Düsseldorf bereits das neue Sprinter-Modell mit konventionellem Antrieb gebaut, das bisher rund 200.000 Mal vom Band gelaufen ist. In den technischen Ausbau der Produktion in NRW hat Mercedes-Benz eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Jahren rund 330 Millionen Euro investiert.

Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 Kilometer pro Stunde

Ein kompletter Umbau des Düsseldorfer Werks ist für die Produktion des Elektrofahrzeugs nicht erforderlich. Künftig will Mercedes-Benz sowohl Sprinter mit Verbrennungsmotoren als auch vollelektrische Fahrzeuge auf einer Produktionslinie herstellen. Damit könne das Unternehmen schnell auf die Nachfrage von Kunden reagieren, erklärt Werksleiter Armin Willy.

Voraussichtlich ab Februar nächsten Jahres können Kunden den eSprinter bestellen, dann soll auch der Preis feststehen. Nach Angaben des Herstellers kommt der Transporter auf eine Reichweite zwischen 115 und 168 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 Kilometer pro Stunde. Um die Batterie vollständig zu laden, sind acht Stunden erforderlich. Mit einer Schnellladefunktion können innerhalb einer halben Stunde bis zu 80 Prozent des Akkus gefüllt werden, gibt Mercedes-Benz an. Der Elektroantrieb leiste wie das Einstiegsmodell beim Dieselmotor 85 Kilowatt.

„In Düsseldorf auch weiterhin ein starkes Werk von Mercedes-Benz“

Wie viele eSprinter Mercedes-Benz in Düsseldorf produzieren will, lässt das Unternehmen auf Nachfrage offen. „Der elektrische Antrieb wird sich in den kommenden Jahren immer mehr durchsetzen“, betont Spartenchef Marcus Breitschwerdt lediglich und verweist insbesondere auf Gewerbekunden in den Städten als Zielgruppe. Der Düsseldorfer Werksleiter Willy zeigt sich überzeugt, dass sich der eSprinter in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Produkte des Unternehmens entwickeln wird „und somit maßgeblich dazu beiträgt, dass wir hier in Düsseldorf auch weiterhin ein starkes Werk von Mercedes-Benz bleiben“. Der Manager räumt allerdings auch ein, dass der Autobauer in Düsseldorf effizienter werden und mit weniger Beschäftigten auskommen wolle.

Das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten massiv in die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter investiert, berichtet Standort-Chef Willy. Mittlerweile seien mehr als 2400 Beschäftigte für die Montage und den Umgang mit Hochvolt-Technologien qualifiziert worden. Mercedes-Benz ist eigenen

Angaben zufolge der einzige Hersteller, der noch in Deutschland Großtransporter herstellt. Im Daimler-Konzern ist Düsseldorf in ein internationales Netzwerk eingebunden. Neben dem Standort Ludwigsfelde in Brandenburg gibt es Werke in North Charleston in den USA sowie im argentinischen González Catán bei Buenos Aires. Die Batterien, die in Düsseldorf verbaut werden, stammen aus Fabriken des Autokonzerns im sächsischen Kamenz. Der Motor kommt aus Mannheim.

Ministerpräsident Laschet hebt die Kompetenzen nordrhein-westfälischer Unternehmen in Bereich Elektromobilität hervor. Er verweist auf das Projekt Streetscooter der Deutschen Post und die Entscheidung der Bundesregierung, eine Batteriezellen-Forschungsfabrik in Münster anzusiedeln. „NRW will Vorreiter sein bei der Elektromobilität“, sagt der CDU-Politiker. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bemängelt, dass emissionsarme Kleintransporter bisher noch immer die Ausnahme auf Deutschlands Straßen seien. Die Stadt Düsseldorf setzt unter anderem auf umstrittene Umweltspuren, auf denen umweltschonende Fahrzeuge Vorrang haben. Der neue eSprinter, so betonen Laschet und Geisel, soll jedenfalls auf der Umweltspur fahren dürfen.

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