Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel: In diesen Berufen werden Bewerber gesucht

Für Arbeitgeber ist es immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

Für Arbeitgeber ist es immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

Foto: imago

An Rhein und Ruhr.   Die Fachkräfte-Situation in NRW hat sich laut einer Analyse der Arbeitsagentur weiter zugespitzt. Diese Berufsgruppen sind besonders betroffen.

Die Fachkräfte-Situation hat sich in Nordrhein-Westfalen teils drastisch verschärft, Stellen sind immer schwerer zu besetzen. Eine neue Analyse der Arbeitsagentur erkennt 13 Berufsgruppen mit mehr oder weniger starken Engpässen.

Ein Beispiel: Wer im Frühjahr 2019 eine „Fachkraft zur Überwachung und Wartung der Eisenbahninfrastruktur“ einstellen will, also etwa einen Streckenwärter, der sollte die Stelle am besten gleich ausschreiben. Eine Besetzung gelingt nach Erkenntnissen der Arbeitsagentur im Schnitt erst nach satten 224 Tagen.

Bei Lokführern ist es kaum besser. Hier beträgt die sogenannte Vakanzzeit 200 Tage. Wie rar Lokführer sind, konnten Bürger in der Rhein-Ruhr-Region wieder feststellen, als auf der Strecke Duisburg-Moers-Xanten an diesem Mittwoch 24 Verbindungen wegfielen, da die Nordwestbahn Krankheitsausfälle nicht kompensieren konnte (die NRZ berichtete).

Einzug neuer Technologien

Weitere sogenannte „Engpass-Berufe“ sind laut Arbeitsagentur: Examinierte Altenpflegerinnen, Friseurmeisterinnen, Apothekerinnen, Physiotherapeutinnen, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, spezialisierte Fachkrankenpflegerinnen, Softwareentwickler, IT-Anwendungsberater, Meister und Techniker der Sanitär- und Heizungstechnik, sowie – jetzt neu – auch Fachkräfte der Sanitär- und Heizungstechnik und erstmals Fachkräfte im Tiefbau.

„Die Situation hat sich seit 2016 deutlich verschärft“, sagte Christiane Schönefeld, die Chefin der Regionalagentur für Arbeit NRW, auf NRZ-Nachfrage. In einigen Berufsfeldern wie der Baubranche, den Gesundheitsberufen oder auch IT gebe es mittlerweile „so wenige gut

qualifizierte Bewerber, dass wir von einem Fachkräftemangel sprechen können“. Bisher hatte man von „Engpässen“ gesprochen.

Doch selbst wenn es um Berufe geht, in denen es keinen Mangel gibt – und noch nicht mal einen Engpass: „In allen Branchen in NRW suchen Unternehmen immer länger, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden, so Agentur-Chefin Schönefeld. Neben der demografischen Entwicklung sei ein Grund dafür, dass „auch in scheinbar einfachen Berufsfeldern die Arbeit durch den Einzug neuer Technologien immer anspruchsvoller wird“.

Quer durch alle Berufe, waren gemeldete Stellen in NRW zuletzt im Schnitt 104,3 Tage offen, ehe sie besetzt werden konnten – 6,8 Tage länger als im Vorjahr (Bundesschnitt: 107,1 Tage). Auf 100 gemeldete Stellenangebote kamen 353 arbeitslose Fachkräfte, 75 weniger als ein Jahr zuvor.

Viel mehr Stellen im Bestand

Die gute Konjunktur spiegelt sich am Arbeitsmarkt wider. Während die Zahl der offenen Stellen deutlich ansteigt, sinkt die der Arbeitslosen. Konkret: Von Mai 2017 bis April 2018 wurden in NRW rund 263 000 freie Arbeitsplätze registriert – ein Plus von 4%. Der Bestand an offenen Stellen stieg um 14,6% auf durchschnittlich 85 800 Stellen. Die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte hingegen sank binnen Jahresfrist um 5,3% auf zuletzt 303 100.

WEITERBILDEN ZUR FACHKRAFT

Beratung, individuelle Qualifizierungs- und Fördermöglichkeiten: Mit Blick auf den Fachkräftemangel gibt es bei den Arbeitsagenturen viele Angebote. Regionalagentur-Chefin Schönefeld wirbt insbesondere für die Qualifizierung von Mitarbeitern ohne Berufsausbildung: „Für viele Firmen könnte sich die Investition in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit auszahlen.“

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