Streit der Milliardäre

Finanzspritze für Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach in Sicht

Der Schweizer Konzern braucht dringend eine Finanzspritze.

Der Schweizer Konzern braucht dringend eine Finanzspritze.

Foto: ARND WIEGMANN / Reuters

Zürich/Hagen.  Zwei Milliardäre streiten um Einfluss beim Stahlproduzenten Schmolz+Bickenbach, zu dem DEW mit 5 Standorten und 4000 Beschäftigten in NRW gehört.

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Das Tauziehen der Milliardäre um die Vorherrschaft beim finanziell schwer angeschlagenen Schweizer Stahlproduzenten Schmolz-Bickenbach mit seinem Tochterunternehmen Deutsche Edelstahlwerke hat vorerst ein Ende. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung in Zürich stimmten knapp 80 Prozent der Aktionäre einer Kapitalerhöhung um mindestnes 325 Millionen Schweizer Franken zu.

Zuvor hatten die zwei Kontrahenten, der Schweizer Großaktionär Martin Haefner und der russische Investor Viktor Vekselberg, sich offenbar in letzter Minute verständigt. Haefners Ziel war es, 325 Millionen Schweizer Franken in das hoch verschuldete Stahl-Unternehmen zu stecken, um so seine Anteile von bislang 17,5 auf 37,5 Prozent zu erhöhen und an Einfluss zu gewinnen. Der russische Milliardär Vekselberg ist über die Finanzholding Liwet bislang mit 26,9 Prozent an S+B beteiligt. Haefners Forderung war es, dass Liwet von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen wird. Nach Berichten der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) sei verhandelt worden, dass Liwet teilnehmen darf, um künftig mindestens 25 Prozent der Anteile zu halten und Haefner seine Anteile auf maximal 37,5 Prozent beschränkt. Die Entscheidung verschafft dem Schweizer Konzern zunächst einmal Luft. Der Finanzengpass der Unternehmensgruppe ist laut NZZ so groß, dass die finanziellen Mittel nur noch bis Januar gereicht hätten.

„Aufgrund dieses positiven Ergebnisses sind wir zuversichtlich, dass wir den Refinanzierungsprozess in den nächsten Wochen erfolgreich abschließen werden“, erklärte der S+B-Verwaltungsratsvorsitzende Jens Alder. Der Stahlkonzern hatte im November bittere Quartalszahlen vorgelegt. Schwindende Nachfrage insbesondere aus der Automobilbranche machen Schmolz+Bickenbach zu schaffen und sorgten aufgrund von Wertberichtigungen für ein Quartalsergebnis von minus 419,8 Millionen Euro. Im dritten Quartal waren die Auftragseingänge um 46,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

4000 Jobs in Deutschland

Insbesondere die Stahlwerke des Tochterunternehmens Deutsche Edelstahlwerke mit Standorten in Witten und Hattingen sowie Hagen, Siegen und Krefeld waren demnach in den ersten neun Monaten des Jahres schlecht ausgelastet. In den deutschen Werken arbeiten rund 4000 der insgesamt 10.000 Beschäftigten der S+B-Gruppe. Bei DEW wird derzeit das Instrument Kurzarbeit eingesetzt, um die „Produktivitätslücke“ (Vorstandschef Clemens Iller) abzufedern.

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