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„Handelsblatt“ – Gabor Steingarts Abgang wirft Fragen auf

Gabor Steingart, bisher Herausgeber des „Handelsblatts“.

Gabor Steingart, bisher Herausgeber des „Handelsblatts“.

Foto: dpa Picture-Alliance / Harry Schnitger / picture alliance / Harry Schnitg

Hamburg  Der Verleger Dieter von Holtzbrinck trennt sich vom bisherigen „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart. Schon vorher gab es Kritik.

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Die erste Mitteilung in eigener Sache verschickte das „Handelsblatt“ am Freitag um 13.34 Uhr. „Manchmal passieren auch in einem Verlagshaus Dinge, die unvorhersehbar sind und die gewohnten Abläufe stören“, teilte Chefredakteur Sven Afhüppe Beziehern des „Handelsblatt“-Newsletters „Morning Briefing“ mit. Er erscheint normalerweise zwischen fünf und sechs Uhr morgens.

Worum es sich bei den „unvorhersehbaren Dingen“ handelte, konnten die „lieben Leserinnen und Leser“ nur erahnen. Am Vorabend hatte der „Spiegel“ gemeldet, Verleger Dieter von Holtzbrinck werde „Handelsblatt“-Geschäftsführer Gabor Steingart entlassen. Anlass der Abberufung sei Steingarts „Morning Briefing“ vom vergangenen Mittwoch gewesen, in dem der 55-Jährige SPD-Chef Martin Schulz des „perfekten Mordes“ an Sigmar Gabriel bezichtigt hatte. Hintergrund war der Streit der beiden über das Amt des Außenministers in einer neuen großen Koalition. Der Verleger hatte sich deshalb schriftlich bei Schulz entschuldigt. Sein Schreiben lag dem „Spiegel“ vor.

Es gab eine „unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards“

Die Presseerklärung von 15.54 Uhr scheint diese Lesart zu stützen. In ihr heißt es, ein Grund für die Trennung sei die „unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards“. Zudem gebe es „Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen“.

Der „Spiegel“ berichtet zudem von einem Brief der Chefredakteure, die in Steingarts Abberufung „einen Eingriff in die innere Pressefreiheit“ sähen. Holtzbrinck ist nicht dafür bekannt, Mitarbeiter zu feuern, nur weil sie Politikern auf die Füße treten. In Verlagskreisen heißt es, er hätte sein Entschuldigungsschreiben an die SPD kaum verfasst, wenn die Trennung von Steingart nicht ohnehin festgestanden hätte.

Steingart war 2010 vom „Spiegel“ gekommen

Der Verleger muss für diesen Schritt gute Gründe gehabt haben, denn er hat dem Wirtschaftsjournalisten einiges zu verdanken, der 2010 vom „Spiegel“ gekommen war. Beim „Handelsblatt“ wirkte Steingart zunächst als Chefredakteur, bevor er 2012 zum Geschäftsführer und Herausgeber aufstieg.

Er machte aus der verstaubten Wirtschaftszeitung ein attraktives Blatt, um das herum er zahlreiche neue Produkte wie das „Morning Briefing“, den Wirtschaftsclub oder aber die internationale Ausgabe „Global Edition“ gruppierte. Der dankbare Verleger schenkte ihm drei Prozent der Anteile an der Verlagsgruppe Handelsblatt, die neuerdings als Handelsblatt Media Group firmiert.

Nicht jede personelle und unternehmerische Entscheidung war glücklich

In letzter Zeit wurden jedoch Zweifel an Steingarts Management¬fähigkeiten laut: Der von ihm erworbene Mediendienst Meedia habe nie die erhofften Synergien mit dem bereits in der Gruppe erscheinenden Marketingmagazin „Absatzwirtschaft“ heben können.

Zu lange habe er an der erfolglosen Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“, Miriam Meckel, festgehalten, nachdem er deren erfolgreichen Vorgänger Roland Tichy aus kaum nachvollziehbaren Gründen gefeuert hatte. Und schließlich erweise sich die „Global Edition“ als Fass ohne Boden.

Steingart gibt künftig ein eigenes „Morning Briefing“ heraus

Hinzu kommt, dass Steingarts Stil des Blattmachens nicht gerade kostengünstig ist: Eine Vielzahl von Redakteuren flog zum Brexit-Votum nach England und zu den Präsidentenwahlen in die USA. Und gerade erst ist die gesamte Gruppe in einen supermodernen Neubau nach Düsseldorf-Pempelfort umgezogen, was wohl nicht billig war.

Steingart, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, wird künftig ein „Morning Briefing“ herausgeben, das mit dem des „Handelsblatts“ konkurriert.

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