NFC-Funktion

Kontaktloses Bezahlen – Das müssen Bankkunden wissen

Einfach die EC-Karte über das Kassenterminal halten – und schon ist der Betrag bezahlt. So funktioniert die NFC-Technik.

Einfach die EC-Karte über das Kassenterminal halten – und schon ist der Betrag bezahlt. So funktioniert die NFC-Technik.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Hamburg/Berlin  Immer mehr Banken bieten das kontaktlose Bezahlen mit EC-Karte an. Die Zahlweise hat viele Vorteile. Es gibt allerdings ein Problem.

Das kennt jeder: An der Kasse sucht ein Kunde eine halbe Ewigkeit im Portemonnaie nach den passenden Münzen. Und die Menschen in der Schlange sind genervt. Solche Szenen dürften in Zukunft weniger werden, dank einer neuen Bezahltechnik.

Die EC-Karte muss dabei nur kurz an ein Kassenterminal gehalten werden und schon ist der Betrag abgebucht. Ohne Eingabe einer Geheimzahl (PIN) oder einer Unterschrift auf dem Kassenbeleg ist das so bei Einkäufen bis 25 Euro möglich. Größere Beträge erfordern jedoch weiterhin die Bestätigung durch die PIN.

Bundesweit sind zahlreiche Geschäfte für diese neue Form des Bezahlens gewappnet. Auch im öffentlichen Nahverkehr in Berlin zum Beispiel können Fahrgäste ihr Ticket auf diese Weise lösen. Nach Schätzungen des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels sind bereits mindestens 600.000 von rund einer Million Kassenterminals in Deutschland für die Technik freigeschaltet. Voraussetzung ist, dass die Karten der Kunden die neue Funktion unterstützen.

Banken statten EC-Karten mit NFC-Funktion aus

Das wollen die Banken jetzt anpacken. Die Geldinstitute statten immer mehr EC-Karten mit der sogenannten NFC-Funktion aus. NFC ist eine Funktechnik und steht für Near Field Communica­tion.

Sie ermöglicht den kontaktlosen Bezahlvorgang über kurze Distanzen – maximal vier Zentimeter Abstand zum Terminal. Ein kleiner Chip mit Antenne tauscht die Daten mit dem Lesegerät an der Kasse per Funk und verschlüsselt aus: Kartennummer, Gültigkeitsdatum und Betrag. Ein Piepton bestätigt die Zahlung.

Die neue Bezahltechnik kann bereits jeder zweite Kunde der ING-Diba nutzen. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben bisher 14 Millionen Girokarten mit Kontaktlos-Funktion ausgegeben, bis 2020 sollen alle 27 Millionen Karten einen NFC-Chip erhalten. Bei den Sparkassen sind es 23 Millionen Girokarten mit dieser Funktion. Andere Institute wie die Deutsche Bank und Comdirect ziehen in diesem Jahr mit der Ausgabe nach. Bis zum Jahr 2022 sollen fast alle Bankkunden über eine NFC-fähige Girocard verfügen.

Dieses Zeichen weist auf kontaktloses Bezahlen hin

Manch einem Bankkunden dürfte gar nicht bewusst sein, dass seine Girokarte zum kontaktlosen Bezahlen taugt. Vier leicht gekrümmte, immer größer werdende Linien weisen darauf hin – auch an den Kassenterminals. Ersetzt werden die alten Karten allerdings nur, wenn sie ablaufen.

Die Kunden können also an dem Ablaufdatum sehen, wann sie mit einer NFC-fähigen Karte ausgestattet werden. Lediglich für Kunden der Postbank gilt das nicht: Das Institut überlegt, ob sie ihre Girokarten überhaupt mit der NFC-Technik ausstattet. „Eine Entscheidung über die Einführung steht noch aus“, sagt ein Postbank-Sprecher.

Denn für die Banken ist das auch eine Kostenfrage, die NFC-Technik macht die meist kostenlos an die Kunden ausgegebene Girokarte etwa elf Prozent teurer. Bei Kreditkarten können die höheren Kosten über die Kartengebühr an die Kunden weitergegeben werden. Doch die Kreditkarte setzten die Deutschen eher im Ausland ein. Auch dort sind aber die Voraussetzungen günstig: „Bis zum Jahr 2022 werden 78 Prozent aller weltweit verfügbaren Kassen NFC-fähig sein“, sagt Johan Fagerberg, Marktforscher von Berg Insight.

Bereits knapp die Hälfte der Umsätze im Einzelhandel werden bargeldlos bezahlt, vorwiegend mit der Girocard und auf dem alten Weg mit Unterschrift oder PIN. Jeder fünfte Deutsche hat das neue kontaktlose Bezahlen schon ausprobiert und ebenso viele wollen es bald testen, geht aus einer Studie der Postbank hervor. „Händler machen die Erfahrung, dass die Kunden die Funktion gern wieder nutzen, wenn sie sie einmal ausprobiert haben“, sagt Horst Rüter vom EHI Retail Institut. Rund fünf Prozent aller Bezahlvorgänge würden schon kontaktlos erfolgen.

In diesen Geschäften kann man kontaktlos bezahlen

„Vor allem Händler mit starker Kundenfrequenz bieten kontaktloses Bezahlen längst an“, sagt Rüter. Das sind vor allem Lebensmittelhändler, Drogerieketten und Baumärkte. Die Technik sei vorhanden, „aber beim Händler liegt die Entscheidung, welche Funktionen er freischalten lässt“, sagt Rüter.

Die Lebensmittelketten Aldi Nord, Lidl, Penny und Rewe ermöglichen kontaktloses Bezahlen ebenso wie die Drogeriekette Rossmann und der Baumarkt Toom. Die Tankstellenkette Shell bietet bisher das kontaktlose Bezahlen nur für die Kreditkarte an. „Bis Jahresende wird auch die Girokarte kontaktlos funktionieren“, sagt eine Shell-Sprecherin.

Händler und Banken haben ein gemeinsames Interesse, dass sich das neue Bezahlverfahren durchsetzt. Die Händler sparen Kosten für die Bargeldbearbeitung und die Geldinstitute profitieren ebenfalls davon, wenn ihre Kunden weniger Bares aus den Geldautomaten nachfragen. Und weil der Bezahlvorgang so deutlich schneller wird, weil die Karte nicht mehr eingesteckt werden muss – selbst wenn bei höheren Beträgen noch die PIN eingegeben werden muss, kann an der Kasse effizienter gearbeitet werden. Das freut auch die Kunden.

Kontaktloses Bezahlen soll nicht risikoreicher als herkömmliche Kartenzahlungen sein. Ein Problem gibt es aber dennoch: Wenn die Karte verloren wird, kann ein Dieb damit auch kontaktlos bezahlen – zumindest bis zu Beträgen von maximal 25 Euro.

NFC-Technik funktioniert auch mit dem Smartphone

Das dürfte viele Verbraucher davon abhalten, die neue Technik zu nutzen. Auch den Schutz ihrer Daten sehen viele kritisch. 58 Prozent haben Angst um die Sicherheit ihrer Daten beim kontaktlosen Bezahlen, das geht aus einer Studie des Handelsforschungsinstituts ECC hervor. Banken halten dagegen.

Das Verfahren sei „sehr sicher“, sagt etwa der Verband Deutsche Kreditwirtschaft. Um die ausgetauschten Daten abzufangen, müsste die entsprechende Technik unmittelbar neben der Kasse installiert sein.

Das gilt auch für einen weiteren Weg des kontaktlosen Bezahlens: Denn auch das Smartphone kann dafür genutzt werden. Wie die Geld- oder Kreditkarte wird es nur vor das Kassenterminal gehalten, das Smartphone muss dafür mit einer NFC-Schnittstelle ausgestattet sein. Die Daten einer Kreditkarte oder einer Girokarte sind in dem Smartphone für den Bezahlvorgang hinterlegt, dafür muss eine besondere App installiert werden – etwa Google Pay oder eine App der Banken.

Wie bei der kontaktlosen Kartenzahlung gilt auch beim Handy: Bis 25 Euro ist keine Autorisierung möglich. Die Commerzbank und Comdirect bieten ihren Kunden das Bezahlen mit dem Smartphone mit Google Pay an. Die Bezahl-App von Google gibt es seit Ende Juni in Deutschland. Google Pay speichert die Kartendaten verschlüsselt auf nach eigenen Aussagen sicheren Servern. Sparkassen und Genossenschaftsbanken bringen in diesem Sommer und Herbst ein eigenes Bezahlsystem für das Smartphone heraus. Für das Bezahlen muss die App nicht geöffnet werden. Damit ist das Bezahlen mit dem Smartphone so schnell wie mit der Girokarte.

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