Lufthansa-Tochter

Eurowings streicht jede dritte Stelle in der Verwaltung

Der Düsseldorf Airport gehört zu den Basis-Flughäfen von Eurowings. Die Lufthansa-Tochter streicht etwa jede dritte Stelle in der Verwaltung, betont aber die Bedeutung des Standorts NRW für das Unternehmen.

Der Düsseldorf Airport gehört zu den Basis-Flughäfen von Eurowings. Die Lufthansa-Tochter streicht etwa jede dritte Stelle in der Verwaltung, betont aber die Bedeutung des Standorts NRW für das Unternehmen.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Essen.  Die Lufthansa-Tochter Eurowings streicht fast jede dritte Stelle in der Verwaltung. Eurowings-Chef Bischof betont aber die Bedeutung von NRW.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings baut wegen der Corona-Krise voraussichtlich fast jeden dritten Arbeitsplatz in der Verwaltung ab. Von den derzeit 1000 Stellen in der Verwaltung werde das Unternehmen „ungefähr 300“ streichen, sagte Eurowings-Chef Jens Bischof in einem von der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV) organisierten Online-Gespräch. Insgesamt habe Eurowings etwa 4000 Mitarbeiter. Fast 70 Prozent der Beschäftigten seien seit April vollständig in Kurzarbeit. Er gehe davon aus, dass sich die Kurzarbeit noch länger hinziehen werde, „mit Sicherheit noch bis ins nächste Jahr“, sagte Bischof. Vor der WPV äußerte sich der Eurowings-Chef auch zur Erstattung von Flugtickets – außerdem zum Ferienflieger, der in Sardinien keine Landeerlaubnis erhielt und daher mit zwei Gästen an Bord nach Düsseldorf zurückfliegen musste.

Die Stellenstreichungen begründete Bischof unter anderem damit, dass Eurowings die Kosten senken müsse und dazu beitragen wolle, damit die Muttergesellschaft Lufthansa das mit der Bundesregierung vereinbarte neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket möglichst schnell zurückzahlen könne. Die Personalreduktion betrifft alle Verwaltungsstandorte von Eurowings, primär allerdings Köln und Düsseldorf.

Zu möglichen Stellenstreichungen in weiteren Bereichen über die Verwaltung hinaus äußerte sich Bischof nicht. Eine Rolle dürfte in diesem Zusammenhang spielen, dass der Flugbetrieb der Lufthansa-Tochter Germanwings eingestellt wird. Dabei könnten Beschäftigte von Germanwings zur Konzernmutter oder zu Eurowings wechseln.

Zwischenzeitlich knapp zwei Millionen Euro Verlust am Tag

Die Lufthansa-Tochter hat wie die gesamte Branche starke Einbußen in der Coronakrise erlitten. Im April sei der Umsatz des Unternehmens um 95 Prozent eingebrochen, die Kosten hätten aber lediglich um knapp 70 Prozent reduziert werden können, berichtete Bischof. Täglich seien Eurowings knapp zwei Millionen Euro „aus der Kasse geflossen“. Normalerweise zähle Eurowings 70.000 bis 80.000 Fluggäste pro Tag. Im April seien es lediglich 1000 Fluggäste am Tag gewesen.

Wieso die Lufthansa staatliche Hilfe bekommen soll
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Er halte es für möglich, dass es zu einem Preiskampf bei den Flugtickets komme, wenn das Geschäft wieder anspringe, sagte der Eurowings-Chef. Es sei „durchaus damit zu rechnen, dass es sehr preisaggressive Angebote“ geben werde. Bischof zeigte sich für einen Preiskampf in der Branche gewappnet. „Sind wir darauf scharf? Nein, sind wir nicht“, betonte er aber auch.

Eurowings will Marktführerschaft in NRW behaupten

Derzeit warten zahlreiche Kunden noch auf eine Erstattung von Ticketkosten für ausgefallene Flüge wegen der Corona-Pandemie. Der Eurowings-Chef versicherte, man werde allen Kunden, die Gutscheine oder Umbuchungen ablehnten, das Geld für nicht erfolgte Flüge erstatten. Für Eurowings gehe es um einen dreistelligen Millionenbetrag, wenn alle Kunden Geld zurückforderten. „Wenn der Kunde es wünscht, sind wir selbstverständlich zur Erstattung bereit“, sagte Bischof. Aufgrund der Vielzahl der Ansprüche und der Kurzarbeit sei der Berg der abzuarbeitenden Rückforderungen enorm. „Aber wir kommen diesem nach, wo immer möglich.“ Deshalb rechne er auch nicht mit einer Klagewelle gegen Eurowings.

Bischof, der seit März an der Spitze von Eurowings steht, legte ein Bekenntnis zu den Standorten Düsseldorf und Köln ab. „Der teilweise zu hörende Tenor, die Lufthansa-Gruppe ziehe sich aus NRW zurück, ist schlichtweg falsch“, sagte er. „Wir sind die Nummer eins hier im Bundesland, und wir werden die Nummer eins bleiben.“

Mehr als 50 Flugzeuge habe Eurowings allein in NRW stationiert. Dies entspreche der gesamten Flottengröße des Konkurrenten Condor, sagte Bischof. „Da halten wir auch deutlichen Abstand gegenüber Wettbewerbern wie Ryanair oder Easyjet“, fügte der Eurowings-Chef hinzu. Und diese Position wolle Eurowings nicht nur verteidigen, sondern ausbauen.

Eurowings-Chef zum Olbia-Flug: „Darf so nicht passieren“

Bischof äußerte sich auch dazu, dass ein Urlaubsflieger des Unternehmens vor wenigen Tagen nicht auf Sardinien landen durfte und zum Flughafen Düsseldorf zurückfliegen musste – mit lediglich zwei Gästen an Bord. Der Vorfall ereignete sich, da der Flughafen Olbia für internationale Flüge noch bis zum 24. Juni gesperrt ist. „Wir sind gerade in der internen Klärung“, sagte Bischof dazu. Es habe ein „Missverständnis“ zwischen dem Flughafen und Eurowings gegeben. Das Unternehmen arbeite gerade an der Aufklärung, damit so etwas „nicht nochmal passiert“, wie der Manager sagte. „Das ist uns nicht nur unangenehm, es kostet auch viel Geld“, fügte er hinzu. Der Flug sei auch „ökologisch schlimm“ gewesen – „und darf so nicht passieren“.

Aktuell sei die Auslastung der Flugzeuge von Eurowings zuweilen gering. „Wir fliegen selbstverständlich nicht mit leeren Flugzeugen“, sagte Bischof. Aber es komme derzeit häufiger als vor der Corona-Krise vor, dass Kunden, die gebucht hätten, nicht zum Flug erscheinen. „Dadurch bleiben zahlreiche Plätze leer.“ Für das Unternehmen sei es „sehr bitter, wenn man dann mit einer sehr geringen Auslastung abhebt“. Es sei aber nicht möglich, Flüge vorher abzusagen, wenn man nicht wisse, wie viele Kunden kommen. „Ja, es gibt auch Flüge mit sehr geringen Auslastungen“, so Bischof. „Das ist leider in dieser Zeit auch unvermeidbar.“

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