Nährwert-Ampel

Nestlé mit „Nutri Score“-Ampel – Klöckner lässt sich Zeit

Gesundes Essen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Lebensmittelregeln aktualisiert. Dabei gibt es ein paar Überraschungen.

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Frankfurt/Main  Nestlé will das Nährwert-Logo Nutri Score auf seine Produkte drucken. In Deutschland hapert es noch an rechtlichen Voraussetzungen.

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Schon lange wird in Deutschland diskutiert: Sollten Lebensmittel mit einer Ampel gekennzeichnet werden, die zeigt, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist? Branchenprimus Nestlé prescht nun vor – während Ernährungsministerin Julia Klöckner noch in der Vorbereitung steckt.

Nestlé war gerade erst von der Politikerin gelobt worden – weil der Zuckeranteil in den Produkten gesenkt wurde. Das sorgte für Hohn und Spott, das Unternehmen gilt vielen als umweltfeindlich und wenig rücksichtsvoll. Gleichzeitig sehen Kritiker bei Klöckner einen Kuschelkurs mit den Lebensmittelanbietern. Freiwillige Selbstverpflichtungen statt strikte Regeln sei ihr Programm.

Nestlé spielt sich mit dem Symbol auf den Lebensmitteln wieder in eine gute Position: Was die Politik nicht schafft, machen wir selbst. Wie das Schweizer Unternehmen mitteilt, wird es seine Produkte mit dem sogenannten Nutri Score bedrucken, einer Farbampel, die die gesamte Nährwertqualität des Lebensmittels in fünf Stufen von A bis E zusammenfasst.

Nestlé plant Nutri Score, Danone und Bofrost schon weiter

Starten soll das Ganze in Frankreich, Belgien und der Schweiz, auch Deutschland soll „unverzüglich“ folgen. Aber: Erst müssten die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, heißt es seitens Nestlé.

Die Konkurrenz ist da schon einen Schritt weiter: Danone und Bofrost kennzeichnen erste Verpackungen hierzulande bereits mit dem Nutri Score. Die Farbampel ist in der deutschen Lebensmittelbranche umstritten.

Nestlé will Zucker reduzieren – PR-Desaster mit Klöckner

„Die Europäer sind immer interessierter daran, was in den Lebensmitteln und Getränken enthalten ist, die sie konsumieren“, sagte Marco Settembri, Chef von Nestlé für Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika. Man befürworte den Nutri Score als einheitliche und transparente Kennzeichnung.

Nestlé will mit dem Schritt Signalwirkung erzielen und Fortschritte etwa bei der Reduzierung von Zucker etwa in Müsli, Eistee oder Schokoriegeln besser herausstellen. Negative Aufmerksamkeit erzielte vor Kurzem ein Video von Ministerin Klöckner mit einem Nestlé-Manager, das den Vorwurf der Schleichwerbung nach sich zog.

Klöckner will Verbraucher Lieblingsmodell wählen lassen

Der Nutri Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe in die Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer Skala von dunkelgrün bis rot.

Verbraucherschützer und die SPD machen sich für das System stark. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will hingegen erst eine Verbraucherbefragung über ausgewählte Modelle. Weitere Vorschläge sind etwa schwarze Warnsymbole oder ein Siegel mit Sternen. Eine Zuckersteuer auf Softdrinks wie etwa in Großbritannien soll es aber nicht geben.

Statt Haushaltszucker – das sind fünf Alternativen

Nährwert-Kennzeichnung in Deutschland wird noch dauern

Bis der Nutri Score in Deutschland kommt, wird aber Zeit vergehen. Die Verbraucherminister der Länder haben sich dafür ausgesprochen, dass bis Jahresende ein einheitliches und möglichst standardisiertes Modell vorgelegt werden soll. Auch bei Nestlé wird die Einführung der Nährwertampel in Europa nicht von heute auf morgen erfolgen.

Die Verpackungen müssen im Handel schrittweise ausgetauscht werden – angesichts der weiten Verbreitung der Marken ist das komplex. Im Herbst will Nestlé über die Umsetzung informieren.

Interview: Nestlé-Chefin: Zucker wird nicht aus Produkten verschwinden

Die Lebensmittelbranche steht wegen ungesunder Produkte immer wieder in der Kritik. Nestlé weist auf Anstrengungen hin: So soll unter anderem der Anteil von Zucker in Nestlé-Produkten bis 2020 um 5 Prozent sinken und der von gesättigten Fettsäuren um 10 Prozent.

Auch andere Unternehmen haben Zucker den Kampf angesagt. So ließ Rewe seine Kunden abstimmen, wie viel Zucker sie in Produkten wollen. Oft verstecken sich die unnötigen Kalorien gut: Süße Getränke: Das sind die schlimmsten Zucker-Fallen.

(dpa/cho)

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