Corona-Krise

Optimal-Messebau: „Es ist wie Achterbahnfahren“

Optimal-Messebau aus Menden kämpft sich durch die Corona-Krise. Dabei gilt es, flexibel zu reagieren. Kurzerhand hat das Team eine Nebenbeschäftigung gefunden, bis wieder Messen stattfinden: Den Bau von Hochbeeten und Designmöbeln für den Garten. Im Bild: Geschäftsführer Stefan Gemünd (links)  und Firmenstratege Miguel Sanchez.

Optimal-Messebau aus Menden kämpft sich durch die Corona-Krise. Dabei gilt es, flexibel zu reagieren. Kurzerhand hat das Team eine Nebenbeschäftigung gefunden, bis wieder Messen stattfinden: Den Bau von Hochbeeten und Designmöbeln für den Garten. Im Bild: Geschäftsführer Stefan Gemünd (links) und Firmenstratege Miguel Sanchez.

Foto: Jens Helmecke / WP- Jens Helmecke

Menden.  Wir begleiten Optimal-Messebau aus Menden durch die Krise. Teil II: An Geld zu kommen war viel schwieriger als erwartet. Und: Eine neue Idee.

An den Glasscheiben zur Werkshalle kleben DIN-A4 Blätter mit Bildern darauf. Hochbeete aus Kantholz, elegante Gartenliegen im Designerlook, Bänke sind darauf zu sehen. Was man sich so Nettes auf den Balkon oder in den Garten stellen kann. Ein schneller Schwenk in der Krise? Möbel- statt Messebau? Im März hagelte es Messeabsagen am laufenden Band. Dennoch haben Stefan Gemünd und sein Team von Optimal-Messebau in Menden ihren Optimismus nach acht Wochen harter Krise noch längst nicht verloren.

Das erste Kurzarbeitergeld ist da

Dabei war es zwischenzeitlich schon kritisch. Und mit dem Optimismus ist es schon mal so eine Sache. „Ich bin zuversichtlich, Geld zu bekommen“, war sich Stefan Gemünd Ende März noch sicher. Der Regierungsrettungsschirm schien ja auch weit gespannt. KfW-Darlehen zum Greifen nahe. Und plötzlich war dann doch alles viel schwieriger als erwartet. „Es war wie eine Achterbahnfahrt“, sagt der Firmenchef. Rauf und runter. Mal reichte das Rating, dann wieder doch nicht. Mal zählte das vergangene Geschäftsjahr für die Bonität, mal ein Zeitraum von drei Jahren. Das bereitete Optimal-Messebau trotz des guten Jahres 2019 Schwierigkeiten, weil der Mitgesellschafter sich vor zwei Jahren hatte auszahlen lassen. Die gute Bilanz 2019 wurde unter Hochdruck erstellt – innerhalb von drei Tagen.

Am Ende konnte sich das Unternehmen doch auf die Mendener Hausbank verlassen, hat die Liquidität zu vernünftigen bis guten Konditionen („Aus meiner Sicht mehr als okay“, so Gemünd) gesichert und die Rückzahlung nach Beratung auf zehn Jahre gestreckt. Gemünd hätte es lieber schneller wieder vom Tisch. Aber, wer weiß, wofür es gut ist. „Ohne Unternehmensberatung hätten wir es jedenfalls nicht geschafft“, sagt der erfahrene Geschäftsmann. Die BLP GmbH aus Ahaus hatte zur längeren Laufzeit geraten, um sich nicht zu viel Luft zum Atmen zu nehmen.

Einen langen Atem werden sie schließlich brauchen. Auch wenn es gerade schon einmal eine gute Nachricht gibt. „Das erste KUG ist auf dem Konto angekommen“, meldet Finanzchefin Nicole Pingel. KUG, also Kurzarbeitergeld, hatten sie sofort beantragt. Bis davon etwas auf den Firmenkonten ankommt, vergehen aber eben einige Wochen. Optimal-Messebau wird noch mehr „KUG“ brauchen, denn „bis zum 31. August ist eh Schicht im Schacht“, sagt der Chef. Keine Großveranstaltungen heißt: keine Messen.

Hoffen auf den Herbst

Was im Herbst sein wird? Man könnte sich vorstellen, Messen unter bestimmten Auflagen durchzuführen. Nach dem Vorbild der Deutschen Fußball-Liga vielleicht. Bis Mitte, vielleicht Ende Juni müsse es aber grünes Licht für Veranstaltungen im Herbst geben. Optionen sind etwa die Südwestfälischen Technologietage im November in Lüdenscheid. Eventuell auch die Light&Building Ende September, die Electronica in München im November. Und nicht zu vergessen die Intertabak in der Westfalenhalle.

Die Meldung, dass die Messe Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee als reine Fachmesse stattfinden soll, könnte ein gutes Zeichen sein. Statt vom 2. bis 5. September als Fach- und Besuchermesse, wird sie jetzt vom 24. bis 26. November durchgeführt, um der Branche eine Plattform zu geben. „Der deutsche Mittelstand ist darauf angewiesen, seine Produkte zu präsentieren“, hofft Gemünd, dass weitere Messen nicht nur virtuell stattfinden werden.

Auch wenn Optimal-Messebau auch hier nicht untätig bleiben will. „Zur Not liefern wir auch einen Messestand in 3D“, sagt Miguel Sanchez, der Vertriebsstratege im Team und mit daran beteiligt, neue Ideen zu entwickeln. Wie die Möbel, die auf den DIN-A4-Zetteln am Eingang hängen – oder die ersten Prototypen, die in der eigenen Schreinerei entstanden sind. Das Geschäft mit den Trennwänden für provisorische Krankenhäuser hat sich nicht entwickelt. Einhellige Meinung: gut, wenn es den Bedarf nicht gibt, weil die Krankenhauskapazitäten ausreichen. Zudem ist Plexiglas gerade so rar wie seltene Erden.

Also designte Produkte für den Fabrikverkauf in Menden, den Versand oder Verkauf auf dem örtlichen Markt. Eines hat der Firmenchef auf jeden Fall in der aktuellen Krise schon einmal gelernt: Es schadet nicht, als Unternehmen bekannter zu werden. Neuerdings ist Optimal-Messebau auch bei Instagram, Pinterest oder Facebook zu finden. „Am Ende dieser Krise soll jede Firma im Märkischen Kreis wissen, dass es uns gibt“, formuliert Nicole Pingel ein ehrgeiziges Ziel.

Ob es mit den Designer-Gartenmöbeln, dem Fabrikverkauf und vielleicht schon den nächsten konkreten Messe-Planungen etwas wird, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Wir werden berichten.

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