Arbeit

Warum das Leben für Pendler besonders anstrengend ist

Einsteigen, Umsteigen: Pendler sind häufig von anstrengenden Verbindungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz gestresst.

Einsteigen, Umsteigen: Pendler sind häufig von anstrengenden Verbindungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz gestresst.

Foto: Francois Mori / dpa

Berlin.  Neue Studie: Wer lange Arbeitswege in Kauf nehmen muss, ist oft übermüdet. Das hat folgenschwere Auswirkungen auf Leben und Familie.

Sie stehen im Stau, stopfen sich in überfüllte Bahnen oder warten auf ihren Flug zum Zweitwohnsitz: 12,8 Millionen Deutsche pendeln. Das sind laut des Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit 39 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland.

Für ihre langen Arbeitswege zahlen viele Arbeitnehmer einen hohen Preis: Wer mehr als eine Stunde täglich zur Arbeit pendeln muss oder aufgrund seines Berufs sogar einen Zweitwohnsitz benötigt, ist häufiger krank. Das hat das Marktforschungsinstitut Trendence in einer Befragung von mehr als 1000 Teilnehmern ermittelt. Die Studie liegt unserer Redaktion vor.

Pendler finden kaum Zeit für ihre Familie

  • Demnach klagen 54,6 Prozent der Pendler über häufige Erschöpfung oder Müdigkeit – bei den Nicht-Pendlern sind es nur 35,1 Prozent.
  • Mehr als jeder dritte Pendler leide zudem unter Schlafmangel, Nackenbeschwerden und Rückenschmerzen.
  • 32,6 Prozent der Pendler gaben an, öfter gereizt oder nervös zu sein.

Doch Pendeln macht sich der Studie zufolge nicht nur körperlich bemerkbar, es schränkt auch das Privatleben massiv ein. Während zwei Drittel der Nicht-Pendler genug Zeit für ihre Partner finden, sagen das nur 55,7 Prozent der Pendler.

Jeder zweite Pendler gibt zudem an, für seine Kinder zu wenig Zeit zu finden. Noch gravierender wird es bei den eigenen Hobbys: Für die haben rund zwei Drittel der Pendler keine Zeit mehr.

Homeoffice würde entlasten

Entlasten würde die Pendler, wenn sie zu Hause im Homeoffice arbeiten könnten. Das gaben 81,4 Prozent der Befragten an. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte im Frühjahr angekündigt, bis Ende des Jahres ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern zu wollen.

Ob es das Gesetz wie angekündigt noch in diesem Jahr kommt, ließ das Ministerium auf Anfrage unbeantwortet. „Einen konkreten Zeitpunkt können wir derzeit leider noch nicht nennen, wir streben jedoch eine zeitnahe Vorstellung an“, teilte eine Sprecherin mit.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte den Vorstoß seines Kabinettskollegen kurz nach Bekanntwerden kritisiert.

Dabei würden von flexiblen Lösungen wie dem Homeoffice sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmer profitieren, sagt Trendence-Geschäftsführer Robindroh Ullah. „Wer eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ermöglicht, hat Mitarbeitende, die produktiver sind, bessere Arbeitsergebnisse erzielen – und loyaler hinter ihrer Firma stehen“, sagte Ullah unserer Redaktion.heil kritisiert altmaier im streit um arbeit im homeoffice

Für Pendler ist das ÖPNV-Angebot nicht ausreichend

Auch bei der Wahl des Verkehrsmittels wünschen sich die Pendler der Studie zufolge Veränderungen. Jeder vierte Pendler würde gerne auf den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zurückgreifen. Doch nur 3,8 Prozent der Befragten finden das ÖPNV-Angebot ausreichend, um es tatsächlich zum Pendeln nutzen zu können.

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Studie: Deutsche wollen die Verkehrswende – aber fürchten die Kosten

Das führt dazu, dass mit 56,5 Prozent immer noch die meisten Pendler auf das Auto zurückgreifen. Für ihre Kosten sind die Arbeitnehmer dabei meist selbst verantwortlich: Nur jeder dritte Pendler erhält einen Fahrtkostenzuschuss oder ein Jobticket. Nicht einmal jeder zehnte Pendler bekommt von seinem Arbeitgeber eine Bahncard gestellt. So kann man mit den richtigen Tickets bei der Bahn sparen.

Pendler haben weniger Berufserfahrung

Laut der Trendence-Studie sind Pendler mehrheitlich fest angestellt, allerdings verfügen sie im Schnitt über 2,3 Jahre weniger Berufserfahrung als Nicht-Pendler.

Beim Geschlechterverhältnis zeigt sich: Pendler sind zu 60,5 Prozent männlich. Die meisten Pendler arbeiten demnach in der Automobilbranche, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau sowie dem Öffentlichen Sektor.

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