Metro/Real

Real zieht Metro kurz vor dem Verkauf in die Verlustzone

Metro-Chef Olaf Koch setzt voll auf den Großhandel.

Metro-Chef Olaf Koch setzt voll auf den Großhandel.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Düsseldorf.  Metro-Chef Koch will Real schnell an X+Bricks verkaufen. Für Mitarbeiter dauert die Ungewissheit an. Warum Koch ganz auf den Großhandel setzt.

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Metro-Chef Olaf Koch hat sich vom Kaufhof getrennt, von Media Markt und Saturn. Er sieht sich fast am Ziel bei der Gesundschrumpfung des Konzerns zu einem reinen Großhändler, der in seinen Märkten führend sein soll. Koch nutzt die Vorlage der durchwachhttps://berichte.metroag.de/geschaeftsbericht/2018-2019/senen Jahresbilanz, um seine weltweiten Wachstumspläne zu erklären. Doch das alles steht und fällt mit der letzten strategischen Trennung – dem Verkauf der SB-Warenhauskette Real. Das macht der Blick in die Bilanz überdeutlich.

Die in Deutschland mit ihren 276 Märkten sehr präsente Einzelhandels-Kette hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 operativ, also an der Kasse 154 Millionen Euro verloren, nachdem im Jahr zuvor noch 154 Millionen Euro verdient wurden. Und durch einen satten Nettoverlust von 649 Millionen Euro samt Wertberichtigung von 400 Millionen hat Real diesmal den gesamten Metro-Konzern in die roten Zahlen getrieben. Unterm Strich steht ein Nettoverlust von 115 Millionen Euro.

Raus aus dem verlustreichen Einzelhandel

Koch will Real schon lange loswerden, offiziell ins Fenster gestellt hat er seine Einzelhandels-Tochter mit den großflächigen Märkten und warenhausähnlichen Sortimenten vor anderthalb Jahren. Der Verkauf sollte bereits im Sommer fix sein, hat sich aber immer weiter verzögert. Nach einer überraschenden Kehrtwende ist Koch nun guter Dinge, mit einem Konsortium um den Handels-Investor X+Bricks bis Ende Januar zum Abschluss zu kommen. Dann wäre er die finanziellen Risiken aus dem Einzelhandel, der nie sein Steckenpferd war, endlich los.

X+Bricks will die Real-Märkte mit allen 34.000 Mitarbeitern zunächst ganz übernehmen, die Kette anschließend aber zerschlagen. Für die Mitarbeiter würde sich demnach an der Ungewissheit zunächst nichts ändern, für wen sie künftig zu welchen Konditionen arbeiten. Ein paar Dutzend Filialen sollen unter der Marke Kaufhof weiter bestehen, einige unrentable Märkte geschlossen werden und der Großteil an Wettbewerber wie Edeka oder Tegut abgegeben werden. Dabei sollen jeweils die aktuellen Mitarbeiter übernommen werden.

Kartell-Risiken gehen auf X+Bricks über

Koch betonte, keine Probleme beim Kartellamt für den Deal mit X+Bricks zu sehen. Wie der bereits von den Wettbewerbshütern genehmigte, aber abgesagte Verkauf an Redos würde sich zunächst auch nichts ändern. Das Kartellamt wird aber genau prüfen, wie viele und welche Märkte der neue Besitzer anschließend an wen verkaufen will. Nur liegt das Risiko dann nicht mehr bei der Metro, sondern bei X+Bricks.

Als vorerst letzten größeren Verkauf will Koch bis zum Sommer dann noch das China-Geschäft mehrheitlich losschlagen: Die Übernahme von 80 Prozent durch Wumei ist verabredet, Metro will mit 20 Prozent Anteilen ein Bein im Riesenreich der Mitte behalten. Gut eine Milliarde Euro netto erwartet die Metro aus diesem Deal, mit dem Real-Verkauf würden dem Konzern anderthalb Milliarden zufließen. Mit dem Geld will Metro in sein Kerngeschäft investieren und den bereits um 300 Millionen auf 2,38 Milliarden Euro kleiner gewordenen Schuldenberg weiter abtragen.

Koch kündigt als künftiges Geschäftsmodell einen „Großhandel völlig neuer Prägung“ an. Metro wolle weiter wachsen – aber nicht wie früher vor allem durch die Eröffnung immer neuer Märkte in immer neuen Ländern. Sondern in erster Linie durch eine neue Rundum-Betreuung seiner Kunden mit zusätzlichen Einnahmequellen. Dabei will Koch auf die „unglaublichen Herausforderungen für die gesamte Gastronomie“ reagieren und den Restaurantbetreibern und Hoteliers einige Probleme abnehmen. „Das Personal wird knapp, die Auflagen und die Kosten steigen“, so Koch.

Digitale Speisekarte hilft bei Kalkulation

Zu den neuen Geschäftsfeldern gehören digitale Speisekarten mit allen Zutaten, die Kalkulation und Nachbestellung vereinfachen, aber auch gehobene Convenience-Produkte, die „dem Koch nicht die Seele, aber viel Arbeit abnehmen“, wie der Metro-Chef verspricht. Hinzu kommen weitere Dienstleistungen bis hin zur finanziellen Beratung.

Vor allem in Westeuropa dominiert das Geschäft mit Restaurants, Kantinen und Hotels das Metro-Geschäft. In anderen Ländern, etwa in Russland, ist dagegen mangels Gastronomie-Kultur der Verkauf an kleine, unabhängige Händler wichtiger. Auch hier will Koch wachsen, etwa mit Franchise-Lösungen für unabhängige Händler, die es alleine nicht schaffen und Unterstützung etwa in Sachen Marketing, aber natürlich vor allem der Warenbeschaffung brauchen.

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