Duisburg

Revierkonzern Haniel profitiert von Trumps Steuerreform

Als Vorstandschef ist Stephan Gemkow Hausherr in der Duisburger Haniel Zentrale.

Als Vorstandschef ist Stephan Gemkow Hausherr in der Duisburger Haniel Zentrale.

Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg.   Als Gemischtwarenladen feiert das Duisburger Traditionsunternehmen Haniel Erfolge. Der Revierkonzern profitiert auch von Trumps Steuerreform.

Die Franz Haniel & Cie. GmbH ist eine traditionsreiche Firma. Die Ursprünge liegen in einem kleinen Kolonialwarenhandel im Duisburger Stadtteil Ruhrort, wo das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1756 seinen Sitz hat. Heute ist der Haniel-Konzern eine Investment-Holding in Familienhand. Eigentümer sind fast 700 Familienmitglieder, die über sämtliche Firmenanteile verfügen. Oberster Repräsentant der Familie im Unternehmen ist Franz M. Haniel, der an der Spitze des Aufsichtsrates steht.

In diesem Jahr können sich die Haniels über eine kräftig gestiegene Gewinnausschüttung freuen. Mit 60 Millionen Euro soll die Dividende um 20 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Die Geschäfte in dem weit verzweigten Konzern laufen rund. Der frühere Lufthansa-Manager Stephan Gemkow, der seit mittlerweile sechs Jahren als Haniel-Vorstandschef in der Duisburger Konzernzentrale das Sagen hat, verbreitet Optimismus.

Auch die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump lässt beim Revierkonzern die Kasse klingeln. Rund 30 Millionen Euro hat die neue Steuergesetzgebung in den Vereinigten Staaten Haniel im vergangenen Geschäftsjahr eingebracht, wie Finanzchef Florian Funck berichtet. „Es bleibt nicht beim Einmal-Effekt“, sagt er. Jahr für Jahr könne Haniel nun in den USA auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag hoffen, der positiv in der Bilanz zu Buche schlage.

Unzufrieden mit Aktienkurs von Metro und Ceconomy

Als Chef einer Investment-Holding, die das Vermögen der Haniels sichern und mehren soll, setzt Stephan Gemkow auf ganz unterschiedliche Unternehmen – darunter Firmen wie CWS-boco, ein Anbieter für Waschraum-Hygiene, der Edelstahlschrott-Verwerter ELG und der Büromöbel-Ausstatter Takkt. Außerdem ist Haniel der größte Einzelaktionär der Handelskonzerne Metro mit ihrer Supermarktkette Real und Ceconomy (Media Markt, Saturn). 22,50 Prozent hält Haniel an der Metro, 25 Prozent an Ceconomy. In den Aufsichtsräten der Handelsriesen vertritt Haniel-Finanzchef Funck die Interessen des Duisburger Konzerns.

Am Rande der Bilanz-Vorlage macht Haniel-Chef Gemkow Druck. „Wir sehen bei beiden seit geraumer Zeit eine erfreuliche operative Steigerung, sind aber wie alle Aktionäre mit dem Börsenkurs nicht zufrieden“, sagt Gemkow mit Blick auf Metro und Ceconomy und fügt hinzu. „Beide Unternehmen verfügen über das Potenzial, dies durch ihre Performance und die Umsetzung der strategischen Initiativen im positiven Sinne zu verändern.“ Metro-Chef Olaf Koch strebt derzeit in Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi Einsparungen in der Belegschaft der Supermarktkette Real an. Seit Wochen schwelt ein Tarifstreit. Haniel führt die Unternehmen Metro und Ceconomy als Finanzbeteiligungen, will sich also nicht ins tägliche Geschäft einmischen.

Fisch, Babynahrung und Hundefutter

Direkt zum Haniel-Konzern gehören rund 18 500 Beschäftigte. Durch Unternehmenszukäufe ist die Belegschaft um 33 Prozent gewachsen. Ende vergangenen Jahres haben die Duisburger die Firma Optimar übernommen, ein Unternehmen für automatisierte Fisch-Verarbeitungssysteme unter anderem auf Schiffen und für Aquakulturen. Seit November gehört mit dem Unternehmen Rovema auch ein Hersteller von Verpackungsmaschinen für Babynahrung zu Haniel. Auf der Essener Zeche Zollverein haben die Duisburger ihre Digital-Aktivitäten unter dem Projektnamen „Schacht One“ gebündelt. Gezielt setzt Haniel zudem auf Start-ups. Ein Beispiel ist das Unternehmen Futterzeit, das Hundefutter aus Insekten herstellt.

Bei einem um 14 Prozent gestiegenen Konzernumsatz in Höhe von knapp 4,14 Milliarden Euro hat Haniel eine Verzinsung („Total Shareholder Return“) von rund sieben Prozent erreicht. Während etwa bei Thyssenkrupp Investoren wie der schwedische Großaktionär Cevian gegen die Strategie eines Mischkonzerns wettern, verfolgt Haniel-Chef Gemkow den Ansatz, das Kapital breit gestreut in unterschiedlichen Branchen anzulegen. Als Familienkonzern sei Haniel schließlich nicht davon abhängig, „was sich Kapitalmarktanalysten ausdenken“.

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