Rheinmetall

Rheinmetall: Rüstungsgeschäft blüht, Automarkt schwächelt

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr erneut ein Umsatzplus. Grund dafür ist auch die weltweite Aufrüstung und Modernisierung von Streitkräften.

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr erneut ein Umsatzplus. Grund dafür ist auch die weltweite Aufrüstung und Modernisierung von Streitkräften.

Foto: Philipp Schulze/dpa

Düsseldorf.   Rheinmetall stagniert im Autogeschäft, profitiert von der globalen Aufrüstung. Bund soll Schadenersatz für Exportstopp nach Saudi-Arabien zahlen.

Das Rüstungsgeschäft von Rheinmetall laufe weiter „hervorragend“, wie es Unternehmenschef Armin Papperger bei der Bilanzvorlage am Mittwoch bekanntgab. Wegen weltweit steigender Rüstungsausgaben und der Modernisierung von Streitkräften, auch der Bundeswehr, erwartet der Düsseldorfer Konzern 2019 gegenüber dem vergangenen Geschäftsjahr in dieser Sparte ein Plus von neun bis elf Prozent.

2018 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz in der Rüstungssparte von 6,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro – weniger als erwartet. Probleme gab es etwa bei einem von der Bundesregierung gestoppten Deal mit Saudi-Arabien.

Aufbau eines deutsch-französischen Champions

„Europa alleine ist nicht verteidigungsfähig“, sagte Papperger im Hinblick auf die USA, Russland und neue chinesische Hersteller. Die Idee einer europäischen Armee wie sie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorschlägt, sei aber unrealistisch: „Das sind große Worte, denen Mickey-Mouse-Taten folgen“, so der Manager. „Der französische Präsident kann anderen Staaten nicht aufoktroyieren, was sie zu tun haben. Diese Diskussion muss aufhören.“

Dennoch ist das Rüstungsunternehmen stark an einem Aufbau eines „Verteidigungs-Champions in Europa“ interessiert. Ein etwa 100 Milliarden Euro teures, deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt sieht vor, eine moderne Landflotte aufzubauen. „Eine komplett neue Fahrzeugfamilie mit bis zu fünf verschiedenen Fahrzeugtypen, autonomem Fahren, neuen Energien, neuen Raketen- und Kanonenköpfen soll bis 2030 aufgebaut werden“, erklärt Papperger.

Der geplante Einstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS rückt Rheinmetall zufolge etwas näher. Man sei auf einem guten Weg, sagte Papperger. Wenn alles so klappt, wie es sich das Düsseldorfer Unternehmen ausmalt, hätte es „am liebsten 51 Prozent“ und damit die Mehrheit an KNDS. Gelingen soll der Deal durch eine Übernahme der Münchner Rüstungsfirma Krauss Maffei Wegmann (KMW), die 50 Prozent an KNDS hält. Allerdings haben die Franzosen ein Vorkaufsrecht. „Die Bereitschaft bei KNDS ist da“, so Papperger.

Ärger um Exportstopp nach Saudi-Arabien

Außerdem unterstützten alle deutschen Ministerien das Vorhaben. „Im Endeffekt ist das aber eine politische Entscheidung“, sagt Papperger. Dass Rheinmetall bei der Vergabe des Projekts eine Rolle spiele, darüber sei der Konzern vor zwei Wochen von der Bundesregierung informiert worden.

Eine im November 2018 von der Bundesregierung gestoppte, 136 Milliarden schwere Lieferung an Saudi-Arabien steht weiterhin aus. Papperger fordert, die Bundesregierung müsse nun langsam etwas entscheiden. Werde der bereits von Deutschland genehmigte Export vollends gestoppt, würde Rheinmetall Entschädigung verlangen. Diese sehe das Kriegswaffenentschädigungsgesetz vor.

Auslöser des Auslieferungsverbots von Kriegswaffen und Rüstungsgütern nach Saudi-Arabien war die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 gewesen. Papperger: „Der Fall muss aufgeklärt werden, aber danach braucht es wieder eine diplomatische Annäherung.“

Schwächelnde Autozulieferer-Sparte

Die Rheinmetall-Sparte Automobil-Industrie schwächelt hingegen. Man habe sich jedoch lange auf die kommende Krise vorbereitet: Den derzeit schwachen Markt wolle man etwa durch Leiharbeit und Reduzierung der Stundensätze ausgleichen. Dadurch werde man 10 bis 15 Prozent der Personalkosten im Automotive-Bereich einsparen, sagte der Konzernchef. Das sei so mit der Gewerkschaft abgesprochen.

Für den Bereich E-Mobilität erhofft sich das Unternehmen einen Aufschwung: Aufträge für rund 800 Millionen Euro seien gebucht, vor allem in China. Bis 2040 soll das E-Mobilitätsgeschäft auf 30 Prozent deutlich aufgestockt werden. „Aber“, so Papperger, „die Säule Verbrennungsmotor bleibt die nächsten 10 bis 15 Jahre wichtig. Der Lkw bleibt ein Verbrenner, diesen Bereich werden wir um 14 Prozent ausbauen.“

Der Gesamtkonzern steigerte 2018 seinen Umsatz um 4,3 Prozent auf 6,15 Milliarden Euro und seinen operativen Gewinn um 23 Prozent auf 492 Millionen Euro, unterm Strich blieben 354 Millionen Euro übrig. Die Aktionäre sollen eine um 40 Cent auf 2,10 Euro erhöhte Dividende erhalten.

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