Konkunkturumfrage

SIHK rechnet 2020 mit Jobabbau in Hagen und Umgebung

Dr. Ralf Geruschkat Hauptgeschäftsführer der SIHK Südwestfälische Industrie und Handelskammer, sieht nach einem schwachen Jahr 2019 eine Trendwende, getragen von besseren Erwartungen der Industrieunternehmen im Kammerbezirk. Allerdings sorgt sich die Kammer um drohenden Jobabbau. WP-Foto: Michael Kleinrensing

Dr. Ralf Geruschkat Hauptgeschäftsführer der SIHK Südwestfälische Industrie und Handelskammer, sieht nach einem schwachen Jahr 2019 eine Trendwende, getragen von besseren Erwartungen der Industrieunternehmen im Kammerbezirk. Allerdings sorgt sich die Kammer um drohenden Jobabbau. WP-Foto: Michael Kleinrensing

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Die aktuelle Konjunkturumfrage der SIHK lässt erwarten, dass 2020 in der Region Jobs abgebaut werden. Insbesondere in Hagen sieht es düster aus.

Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK) mit Sitz in Hagen rechnet mit einem signifikanten Arbeitsplatzabbau im Kammerbezirk. „Wir rechnen mit sinkenden Belegschaften in unseren Unternehmen“, sagte Hauptgeschäftsführer Ralf Geruschkat bei der Vorstellung der jüngsten Konjunkturumfrage am Montag.

Lage in Hagen besonders schlecht

Die Ergebnisse lassen erwarten, dass einige Unternehmen Jobs abbauen werden. An der Umfrage, die von Anfang Dezember bis Anfang Januar von der Kammer in Hagen, dem Märkischen Kreis und dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis durchgeführt wurde, beteiligten sich 285 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 33.000 Beschäftigten.

Gefragt wurde auch nach der Erwartung, ob im Betrieb Personal auf- oder abgebaut werden wird. Dabei sieht es im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis noch am besten aus: 27 Prozent der Befragten erwarten demnach, dass sie im Laufe des Jahres weniger Personal beschäftigen werden. Im Märkischen Kreis liegt die Erwartung hier bereits bei 37 Prozent, im Gebiet der Stadt Hagen sogar bei 48 Prozent.

In Hagen seien es laut SIHK weniger Dienstleister und Industrie, als andere Branchen, in denen es für Beschäftigte düster aussieht. Die Bundesagentur für Arbeit betätigt die Signale. Auf dem Arbeitsmarkt in Hagen, aber beispielsweise auch in Iserlohn, sehe man „eine kritische Entwicklung“, sagt eine Sprecherin der Regionaldirektion aus Düsseldorf gegenüber dieser Zeitung. Über den gesamten Kammerbezirk (das sogenannte Märkische Südwestfalen) betrachtet, ist die Erwartung an die Beschäftigtenentwicklung in der Industrie am schlechtesten. Mit 41 Prozent gaben hier die meisten Unternehmen an, 2020 mit weniger Personal zu planen. Nur fünf Prozent erwägen Neueinstellungen.

Dazu passt auch die steigende Zahl der Industrieunternehmen, die einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt hat. „Wir müssen hier genau unterscheiden, nicht jede Firma, die bei der Bundesagentur Kurzarbeit anmeldet, führt später auch Kurzarbeit im Betrieb durch“, warnt Geruschkat vor voreiliger Schwarzmalerei. Unabhängig davon steige bei der SIHK-Akademie die Nachfrage von Unternehmen. Ein Indiz dafür, dass Betriebe mit nicht ausgelasteter Produktion den Spielraum nutzen, um ihre Facharbeiter weiter zu qualifizieren. Die lange Zeit in den Konjunkturumfragen als größtes Risiko angegebene Fachkräftesicherung rangiert aktuell in der Hitliste der Sorgen nur auf Platz sechs. Hier liegen aktuell die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen vorn.

Auch positive Signale

Die Umfrageergebnisse zeigen auch Positives. Zwei von drei Unternehmen rechnen laut Umfrage und trotz noch ungeklärter Rahmenbedingungen zum Brexit beispielsweise mit besseren oder wenigstens gleichbleibenden Exportgeschäften. Den gestiegenen Optimismus in der Industrie im Kammerbezirk macht die SIHK als Grund für eine Trendwende beim Geschäftsklimaindex aus, der sich aus tatsächlicher Lage und den Erwartungen errechnet und um neun Punkte auf 89 gestiegen ist. Immer noch ein recht niedriger Wert und weit unter dem langjährigen Schnitt von 108 Punkten. „Es lässt aber nach einem schwachen Jahresende 2019 eine positivere Entwicklung für 2020 erwarten“, erklärt der Hauptgeschäftsführer. Nur wirkt sich die Schwäche des vergangenen Jahres eben aktuell negativ auf den Arbeitsmarkt aus. „Die Beschäftigung ist unser Sorgenkind“, resümiert der Volkswirt Geruschkat.

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