Standortverlagerung

Thyssenkrupp verlagert 3D-Drucker von Mülheim nach Kiel

Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp verlagert seine Kompetenzen für den 3D-Druck von Mülheim an der Ruhr nach Kiel.

Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp verlagert seine Kompetenzen für den 3D-Druck von Mülheim an der Ruhr nach Kiel.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Mülheim.  Die Stadt Mülheim verliert den Thyssenkrupp-Standort für 3D-Druck. Der Konzern verlagert das prestigeträchtige Projekt nach Kiel.

Thyssenkrupp verlagert sein Kompetenzzentrum für den industriellen 3D-Druck von Mülheim nach Kiel. Das geht aus einer Mitteilung der Sparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hervor, die das Unternehmen am Donnerstag verschickt hat. Demnach soll das „TechCenter Additive Manufacturing“ von Thyssenkrupp bis zum Sommer an den Kieler Standort von TKMS umziehen.

Der 3D-Drucker-Standort in Mülheim galt beim Start des Kompetenzzentrums im September 2017 als ein Prestigeprojekt des Konzerns. Zur Eröffnung des Standorts reiste eigens der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger an, um die Strategie zu erläutern. Teile für die Autoindustrie, den Schiffbau, die Luftfahrt und den Anlagenbau sollten schneller, individueller und in leichterer Bauweise produziert werden. „In der herkömmlichen industriellen Produktion macht eine Stückzahl unter 100.000 keinen Sinn“, erklärte Hiesinger damals. „Hier können wir alles ab der Stückzahl eins herstellen.“

Thyssenkrupp will Mülheimer 3D-Drucker für U-Boot-Teile in Kiel nutzen

Drei Jahre sollte das „Tech Center“ in Mülheim Zeit bekommen, um sich zu entwickeln. Nun kommt es tatsächlich zu einem Standortwechsel. Künftig will Thyssenkrupp die Kompetenzen im Bereich 3D-Druck nutzen, um in Kiel Bauteile für U-Boote zu fertigen. Neben den Druckern sollen auch die mit dem Thema befassten Beschäftigten den Standort wechseln. Betroffen seien lediglich fünf oder sechs Mitarbeiter, wird im Konzern betont.

„Der 3D-Druck eröffnet uns ganz neue Potenziale“, erklärte TKMS-Vorstand Luis Alejandro Orellano. „In der Konstruktion müssen wir nicht mehr überall die Grenzen herkömmlicher Fertigungsverfahren berücksichtigen.“ So bekämen die Kunden Freiräume in der Gestaltung der Boote. „Gleichzeitig können wir Komponenten schneller und kostengünstiger herstellen“, so Orellano.

Mit den Druckern können Unternehmensangaben zufolge komplexere Strukturen hergestellt werden, die zudem stabiler und leichter seien als durch übliche Produktionsverfahren hergestellte Komponenten. So könnten beispielsweise bei einem im 3D-Drucker hergestellten Hydraulikblock für ein U-Boot mehr als 80 Prozent des Gewichts eingespart werden – von 14 auf 2,1 Kilogramm.

Standort auf Gelände der Konzerntochter Presta im Mülheimer Stadtteil Saarn

Bei der Gründung des Kompetenzzentrums auf dem Gelände der Konzerntochter Presta im Stadtteil Saarn hatte Thyssenkrupp noch erklärt, es sei geplant, langfristig ein größeres Produktionszentrum aufzubauen, in dem Bauteile aus verschiedenen Materialien gefertigt werden. Kunden erhoffte sich Thyssenkrupp aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Luftfahrt sowie Metallverarbeitung.

3D-Drucker lassen Bauteile Schicht für Schicht entstehen. Dabei werden in aller Regel Laser eingesetzt, die Metallpulver schmelzen lassen. Auch Kunststoffmaterial kann mit einer beheizten Düse nach und nach aufgetragen werden, damit maßgeschneiderte Bauteile entstehen.

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