Fitness

Trendsportart Crossfit ist im Ruhrgebiet angekommen

So kann Crossfit aussehen: Bianka Doll, Björn Birken und Nina Butzek (von links) trainieren in einer Essener „Box“. Birken gehört zu den Crossfit-Pionieren im Ruhrgebiet.

So kann Crossfit aussehen: Bianka Doll, Björn Birken und Nina Butzek (von links) trainieren in einer Essener „Box“. Birken gehört zu den Crossfit-Pionieren im Ruhrgebiet.

Foto: Lukas Schulze

Essen.   Crossfit ist im Ruhrgebiet angekommen. Standorte für die Trendsportart gibt es mittlerweile in vielen Städten der Region.

Als Björn Birken begann, war er für seine Sportart noch ein Einzelkämpfer im Ruhrgebiet. Vor gut sieben Jahren eröffnete er in Essen den ersten Crossfit-Standort im Ruhrgebiet. „Zu der Zeit war Crossfit noch sehr unbekannt“, erinnert sich der gelernte Physiotherapeut. Das hat sich mittlerweile geändert. Björn Birkens Metier gilt als Trendsportart. Alleine im Ruhrgebiet gibt es in zehn Städten Crossfit-Trainingsräume – sogenannte „Boxen“.

Es brauchte einige Zeit, bis der Crossfit-Trend aus den USA auch in Deutschland angekommen war. Schon in den 80er Jahren entstand die Sportart in den Vereinigten Staaten, zunächst als Training für angehende Polizisten und Soldaten. Noch heute ist Crossfit von den Ursprüngen geprägt: Das Programm, das die Sportler absolvieren sollen, verbindet Gewichtheben, Turnen und Laufen – ein intensives Ganzkörpertraining.

Zentrales Kürzel WOD

Anders als im klassischen Fitnessstudio wird bei Crossfit in Gruppen gearbeitet – in Birkens Box sind es acht bis zwölf Sportler pro Einheit, mindestens zwei Mal pro Woche geht es los. Geräte wie bei McFit und Co. sucht man in den Crossfit-Räumen vergeblich. Trainiert wird stattdessen mit dem eigenen Körpergewicht oder Seilen.

Ein zentrales Kürzel lautet WOD, das steht für „Workout Of The Day“. Birken beschreibt es als ein Training, das individuell auf seine 140 Kunden abgestimmt ist, die regelmäßig in seiner Essener Box schwitzen. Alle absolvieren zwar das gleiche Programm, allerdings unterschiedlich intensiv. „So kann jeder das Bestmögliche aus sich rausholen“, beteuert Birken.

Höhere Preise als im klassischen Fitness-Studio

Mit diesem Ansatz ist Crossfit in aller Regel deutlich teurer als die großen Fitnessstudio-Betreiber. Erreichen die Kosten für die Kunden hier nach Angaben des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) in aller Regel bis zu 33,50 Euro im Monat, sind es beim jungen Konkurrenten Crossfit 100 bis 140 Euro monatlich.

„Natürlich sind Fitnessstudios günstiger, aber man kann auch nicht einen Ferrari mit einem Smart vergleichen“, sagt Björn Birken dazu. „Wir arbeiten intensiv mit jedem Mitglied zusammen und gehen individuell auf die Bedürfnisse ein. Dadurch entsteht auch der höhere Preis.“

Ohnehin kann sich die Branche derzeit nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Die gesamte Fitness-Branche in Deutschland verzeichnet Zulauf. So gab es nach Angaben des Verbands DSSV im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 10,6 Millionen Menschen, die in sogenannten Fitness- oder Gesundheitsanlagen angemeldet waren. Studios mit eher kleiner Trainingsfläche, zu denen auch die meisten Crossfit-Boxen zählen, haben im Vergleich zum Vorjahr ihre Mitgliederzahl um etwa acht Prozent gesteigert.

Sehr intensives Training

Insofern liegt es nahe, dass sich Anbieter mit verschiedenen Geschäftsmodellen profilieren können. Linda Huber vom Branchenverband DSSV verweist jedenfalls auf gravierende Unterschiede zwischen Fitnessstudios und Crossfit. Während Sportler im Fitnessstudio an den Geräten meist einzelne Muskelgruppen mit einem klar vorgegebenen Bewegungsablauf trainieren, verfolge Crossfit einen anderen Ansatz: Das Training werde frei und „sehr intensiv“ ausgeführt. Deshalb sei es insbesondere für Anfänger wichtig, die Übungen immer zusammen mit einem Trainer zu absolvieren, gibt Huber zu bedenken.

Hinter dem Namen Crossfit verbirgt sich ein gleichnamiges Unternehmen, das sich insbesondere über Lizenzgebühren der Trainer in aller Welt finanziert. Erst mit einer Lizenz dürfen die Betreiber wie im Ruhrgebiet eine Crossfit-Box eröffnen. Für die Ausstattung der Räume muss der Inhaber selbst aufkommen. Das globale Geschäftsmodell des US-Unternehmens scheint sich zu rechnen. Über die Jahre hinweg sind in Deutschland mehr als 300 Boxen entstanden.

Auch der Essener Björn Birken ist sich dessen bewusst, dass Crossfit kritisch beäugt wird, insbesondere angesichts der für Kunden vergleichsweise hohen Preise und der Intensität des Trainings. „Es gibt noch keine Langzeitstudien“, sagt Birken, „aber wenn man die Übungen sauber und ordentlich ausführt, kann nichts passieren“. Sein Ziel sei, dass die Menschen auch mit 70 Jahren noch fit seien. „Durch Crossfit schaffen sie das.“

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