Pauschalreisen

TUI will 30 Prozent der Kunden von Thomas Cook gewinnen

Eine Boing 737-300 von TUI am Paderborn-Lippstadt in Büren. Im Sommer will TUI von dort einen Airbus A320 mit 180 Plätzen einsetzen.

Eine Boing 737-300 von TUI am Paderborn-Lippstadt in Büren. Im Sommer will TUI von dort einen Airbus A320 mit 180 Plätzen einsetzen.

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services

Büren/Ahden.  Der Branchenriese aus Hannover baut Kapazitäten in Paderborn-Lippstadt aus. Flug- und Kreuzfahrtscham sind kein Thema.

Der Branchenriese TUI spekuliert darauf, „30 Prozent der Thomas-Cook-Kunden zu uns zu holen“, erklärt Touristikchef Stefan Baumert. Das Programm hat der Konzern aus Hannover bereits erweitert, einhundert Hotels, die Kontrakte mit Cook hatten, seien bereits neu aufgenommen worden. Flugkapazitäten werden mit Blick auf die Sommersaison gerade aufgestockt, zum Beispiel am Airport Paderborn-Lippstadt.

Nach dem Branchenbeben im Spätsommer durch die Pleite des ältesten Unternehmens der Branche, macht sich der der Reiseriese TUI aus Hannover gerade auf, Vertrauen bei potenziellen Urlaubern zurückzugewinnen. Es beginnt die Zeit der Sommerbuchungen.

Europas größter Reisekonzern hat das Ziel, im kommenden Jahr eine halbe Million neue Kunden für sich zu begeistern. „Wir sind gerade auf einer Roadshow, gestern am Flughafen in Karlsruhe, heute In Paderborn“, sagt TUI-Sprecher Aage Dünhaupt am Mittwoch im Gespräch am Flughafen Paderborn-Lippstadt. Auf diesem Weg legten Baumert und Dünhaupt am Vorabend noch einen Zwischenstopp in Düsseldorf ein, wo die Tui-fly-Basis um ein weiteres Flugzeug auf acht fest stationierte aufgestockt werden soll.

TUI könnte also einer der größten Profiteure der Cook-Pleite sein, wenn die „Roadshow“ erfolgreich verläuft und bei den Kunden Baumerts Botschaft auch mit Blick auf zunehmende Onlinekonkurrenz ankommt: „Pauschalurlaub ist immer noch die sicherste und bequemste Art zu reisen. Wenn sie individuell buchen, ist nichts abgesichert.“ Bei TUI, beteuern die Reiseexperten, werde kein einziger Flug abgesagt.

Kreuzfahrtboom

Der Deutschlandchef des Touristik-Konzerns bemüht sich, sein Bedauern über die Pleite des Konkurrenten zum Ausdruck zu bringen, aber auch den Unterschied zum eigenen Unternehmen zu betonen: „TUI ist in sehr anderer Verfassung als es Thomas Cook war!“ Tatsächlich schreiben die Hannoveraner Gewinne, haben sich offenbar rechtzeitig breiter aufgestellt als Konkurrenten. Das Geschäft über Reiseveranstalter betrage nur etwa 30 Prozent der rund 20 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Rest werde vor allem mit den eigenen Hotelketten und Kreuzfahrten verdient.

Flug- oder Kreuzfahrtscham merke TUI seinen Kunden nicht an. Im Gegenteil: Das Kreuzfahrtgeschäft boomt. Baumert sieht hier noch enormes Potenzial für „Mein Schiff TUI Cruises“: „Bislang haben erst zehn Prozent der Deutschen eine Kreuzfahrt gemacht. Ich sehe da tolle Wachstumszahlen.“ Das gilt offenbar auch für Flugreisen, sogar in politisch unruhige Gebiete wie Nordafrika oder die Türkei. Ziele, die bereits im vergangenen Sommer zulegten. „Wir machen Urlaub und keine Politik“, sagt TUI-Manager Baumert dazu. Andererseits versuche TUI „viel zu tun“ (Dünhaupt), wenn es ums Klima geht. TUI-fly sei eine der klimafreundlichsten Airlines der Welt mit 2,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer Flugstrecke. Beim Essen für die Kreuzfahrtgäste, für die die Lebensmittel frisch eingeflogen würden, werde man bis 2021 auf Plastikgeschirr verzichten. Ins Kinderanimationsprogramm habe man „Strandsäuberungsaktionen“ und Basteln von Armbändern aus alten Fischernetzen aufgenommen.

Kein Urlaub, keine Klimalösung?

Am Ende sind sich die TUI-Experten aber sicher: „Keinen Urlaub zu machen, ist auch keine Lösung, um das Klima zu retten.“ Dem Buchungsverhalten nach scheinen dies viele Kunden genauso zu sehen.

Paderborns-Flughafenchef Marc Cezanne erklärt es so: „Es gibt eine kollektive Betroffenheit bei individueller Gelassenheit.“ Dass Urlauber für einen 30 Euro günstigeren Flug schon einmal von Ostwestfalen nach Düsseldorf zum Flughafen anreisen, hat für ihn mit bewusstem Reisen jedenfalls nichts zu tun. Dass mit TUI ein Branchenriese seit einem Jahr wieder fest Station am Airport Paderborn-Lippstadt macht „ist für uns ganz wichtig“, sagt Cezanne. Schließlich hatte der Flughafen in der Vergangenheit immer mal wieder Ausfälle durch Insolvenzen von Airlines zu verkraften. „Dass wir so viele Insolvenzen in einem wachsenden Markt haben, ist pervers“, wird Cezanne deutlich. Und auch Baumert räumt ein: „Alle spüren den Margendruck.“

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