Ausgliederung

Turbulente Zeiten für die 34 000 Beschäftigten bei Real

Eine Mitarbeiterin bei Real in Essen kontrolliert die Regale.

Eine Mitarbeiterin bei Real in Essen kontrolliert die Regale.

Foto: Tim Schulz

Düsseldorf.   Real-Beschäftigte erhalten wieder volles Urlaubs- und Weihnachtsgeld, werden aber in eine Firma ausgegliedert. Tarifpartner DHV: „Tarifflucht“.

Die 34 000 Beschäftigten der SB-Warenhauskette Real gehen in diesen Wochen durch ein Wechselbad der Gefühle. Seit 2015 verzichten sie auf Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes sowie Gehaltserhöhungen, weil die Metro-Tochter aus dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel ausgetreten war. Den Schritt hat Real zuletzt korrigiert. „Das bedeutet bereits für 2018 volles Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die vorgesehene Erhöhung der Tarifentgelte erfolgt in mehreren Schritten“, sagt Unternehmenssprecher Markus Jablonski.

Doch die Freude währte nicht lange. Am Freitag beschloss der Real-Aufsichtsrat, alle Mitarbeiter in die Gesellschaft Metro Services zu überführen. Auf diese Weise will die kriselnde Handelskette Personalkosten sparen. „Wir haben immer wieder betont, dass es bei Bestandsmitarbeitern zu keinen Einbußen bei den monatlichen Entgelten kommen wird“, unterstreicht Jablonski. „Durch die Zusage, alle heutigen Mitarbeiter so zu stellen, als seien sie zum Zeitpunkt des Betriebsübergangs Mitglied der Gewerkschaft Verdi, werden darüber hinaus auch die Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeldregelungen sowie die Altersvorsorge ebenfalls so gewährt, wie sie heute im Verdi-Flächentarifvertrag vereinbart sind.“

Gegenwind von Gewerkschaften

Metro Services beschäftigt bislang rund 600 Mitarbeiter unter anderem aus der Buchhaltung des Konzerns. Sie werden nach einem Tarifvertrag bezahlt, den Metro mit der christlichen Gewerkschaft DHV ausgehandelt hat. Nach Angaben der DGB-Gewerkschaft Verdi liegt das Tarifniveau dort um rund 24 Prozent unter dem Flächentarif für den Einzelhandel. Verdi bezweifelt, dass die schlechtere Bezahlung auf Sicht nur bei neueinzustellenden Beschäftigten zur Anwendung kommen soll.

Gegenwind bekommt Real aber nicht nur von Verdi. Auch die 73 000 Mitglieder zählende Gewerkschaft DHV, mit der das Unternehmen kooperieren will, geht auf Distanz. „Wir werden keine Dumping-Tarifverträge aushandeln“, sagte DHV-Bundesvorsitzender Henning Röders dieser Zeitung. Dass die 34 000 Real-Beschäftigten in die Metro Services GmbH, in der ein mit seiner Gewerkschaft ausgehandelter Tarifvertrag gilt, habe er aus den Medien erfahren. Röders: „Mit uns hat niemand gesprochen.“

DHV droht mit Kündigung des Tarifvertrags

Schon im Vorfeld der Real-Aufsichtsratssitzung am Freitag hatte der Vorsitzende erklärt: „Die Gewerkschaft DHV unterstützt Tendenzen der Arbeitgeber nicht, je nach Gusto den angestammten Tarifbereich zu wechseln oder in einen tariflosen Zustand überzugehen. Tarifflucht auf dem Rücken der Beschäftigten wird die Gewerkschaft DHV nicht unterstützen.“ Röders drohte mit einer „Aufkündigung der Tarifpartnerschaft“ mit der Metro.

Trotz der Turbulenzen will Real an der Zusammenarbeit mit der DHV festhalten: „Wir streben eine langfristige, nachhaltige Tarifpartnerschaft an“, sagt Firmensprecher Jablonski. Der Metro-eigene Arbeitgeberverband AHD stehe bereit, „über den Abschluss von neuen Tarifverträgen zu verhandeln, sollten die derzeit bestehenden Verträge gekündigt werden“. Messlatte seien „wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben