Kritik an Fitschen

Turbulenzen bei Media Markt und Saturn gehen weiter

Jürgen Fitschen, Aufsichtsratsvorsitzender der Ceconomy, gerät unter Druck.

Jürgen Fitschen, Aufsichtsratsvorsitzender der Ceconomy, gerät unter Druck.

Foto: Tobias Hase / picture alliance

Essen.  Nach der Ablösung von Ceconomy-Chef Werner kommt der Elektronikhändler nicht zur Ruhe. Kritik wird am Aufsichtsratsvorsitzenden Fitschen laut

In der Krise bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn gerät nun auch Jürgen Fitschen, der Aufsichtsratsvorsitzende der Muttergesellschaft Ceconomy, unter Druck. „Wir sind irritiert, dass der Ceconomy-Aufsichtsrat unter der Leitung von Herrn Fitschen offenbar meint, sich von dem Vorstandsvorsitzenden nach nur wenigen Monaten und auf diese Art und Weise trennen zu müssen“, kritisierte am Freitag die Beteiligungsgesellschaft Convergenta Invest, die die Interessen der MediaSaturn-Gründerfamilie Kellerhals vertritt.

Am späten Donnerstagabend hatte sich der Ceconomy-Aufsichtsrat vom Vorstandsvorsitzenden Jörn Werner getrennt. Den Schritt hatte Fitschen mit „unterschiedlichen Auffassungen über die Führung des Unternehmens“ begründet. Die Entlassung Werners, der gerade einmal sieben Monate im Amt war, ist für Convergenta-Geschäftsführer Ralph Becker ein „beunruhigendes Signal“. Becker wirft dem Ceconomy-Aufsichtsratsvorsitzenden Fitschen „kurzfristigen Aktionismus“ vor, der der geplanten Neuausrichtung von MediaSaturn schade.

Über 1000 Filialen mit 62.000 Mitarbeitern

Der Streit zwischen der Gründerfamilie Kellerhals und MediaSaturn lähmt das Unternehmen seit Jahren. In seiner kurzen Zeit an der Spitze von Ceconomy war es Werner nach Convergenta-Angaben gelungen, „das Verhältnis zwischen den Gesellschaftern erkennbar zu verbessern“. Werners Plan sah offenbar vor, Mutter und Tochter zu verschmelzen und aus Ceconomy und MediaSaturn ein Unternehmen zu machen. Das hätte die Stiftung Convergenta gestärkt, die mit 21 Prozent an MediaSaturn beteiligt ist, auf die Holding Ceconomy aber keinen Einfluss hat. Geschäftsführer Becker fordert nun eine Einbindung in den angekündigten Transformationsprozess, der die Elektronikketten mit 62.000 Mitarbeitern und mehr als 1000 Filialen aus der Krise führen soll.

Die Personaldebatte kommt für das Unternehmen zur Unzeit. Das Weihnachtsgeschäft und Rabattschlachten rund um den Black Friday und Cyber Monday stehen vor der Tür. Der am Donnerstag berufene Interimschef Bernhard Düttmann hat nur bis zum Jahresende Zeit, dem Konzern ein Zukunftsprojekt zu verpassen.

Die wirklichen Probleme des Konzerns seien auch nach dem Machtwort des Aufsichtsrats ungelöst, sagte Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Nötig sei eine neue Konzernstruktur. Doch dagegen wehrt sich Insidern zufolge der machtbewusste Ferran Reverter, der von Ingolstadt aus das operative Geschäft von Media Markt und Saturn steuert. „Die strukturellen Herausforderungen der Gruppe bleiben ungelöst“, sagt auch der Analyst Volker Bosse von der Baader Bank. An der Börse jedenfalls ging die Ceconomy-Aktie am Freitag zunächst einmal auf Talfahrt.

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