Liberty Steel

Unternehmer Gupta – darum macht er Thyssenkrupp ein Angebot

Der Unternehmer Sanjeev Gupta will die Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen.

Der Unternehmer Sanjeev Gupta will die Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen.

Foto: BEN STANSALL / AFP

Essen.  Ein Angebot für Thyssenkrupp: Der Unternehmer Sanjeev Gupta will die Stahlsparte kaufen, am liebsten ganz. Im Interview wirbt er um Vertrauen.

Der Unternehmer Sanjeev Gupta will mit seinem Konzern Liberty Steel die Stahlsparte von Thyssenkrupp übernehmen – am liebsten ganz. „Wir wollen gestalten und dem Stahl in Europa eine Zukunft geben. Das geht viel besser, wenn wir zu 100 Prozent Eigentümer sind“, sagt Gupta, der den Liberty-Mutterkonzern GFG Alliance führt, in unserem Interview. Bei den Beschäftigten von Thyssenkrupp wirbt Gupta um Vertrauen.

Herr Gupta, was reizt Sie an der Stahlsparte von Thyssenkrupp?

Gupta: Ich glaube an die Zukunft der Stahlindustrie in Europa, auch wenn die Ausgangslage momentan schwierig ist. Alle brauchen eine bessere Auslastung der Werke. Gleichzeitig muss sich der Stahl neu erfinden, um grün zu werden. Gemeinsam mit Thyssenkrupp Steel können wir beides besser erreichen.

Die IG Metall hat sich bereits skeptisch zu Liberty Steel geäußert und kritisiert, es seien derzeit keine Perspektiven zu erkennen „außer ein Verramschen, Zerschlagen oder Resteverwerten“. Können Sie das nachvollziehen?

Gupta: Unser Weg ist ein ganz anderer. Wir haben alle unsere Unternehmen saniert und neu ausgerichtet. Wir wollen Thyssenkrupp Steel als Ganzes. Zusammen haben wir beste Chancen, um Vorreiter für grünen Stahl in Europa zu werden. Der Weg dahin wird sicherlich nicht einfach und braucht enorme Anstrengungen von allen Beteiligten. Das ist eine europäische Aufgabe. Da kann unser Zusammenschluss eine zentrale Rolle spielen. Darüber möchte ich jetzt auch mit den Gewerkschaften sprechen.

Es gibt bei den Arbeitnehmern die Befürchtung, Ihr Interesse bestehe vor allem am großen Standort Duisburg. Gehören Werksschließungen und Stellenabbau zu Ihrem Konzept?

Gupta: Alle Veränderungen auf unserem bisherigen Weg haben wir immer gemeinsam mit Mitarbeitern und Gewerkschaften erreicht. Das ist mir wichtig und das wird auch bei Thyssenkrupp so sein. Durch ein Zusammenführen beider Unternehmen können wir die Auslastung verbessern und das sichert Arbeitsplätze.

Welche Zusagen wollen Sie den Beschäftigten machen?

Gupta: Da bitte ich um Ihr Verständnis, dass ich dazu jetzt noch nichts sagen kann. Wir haben heute unser Angebot abgegeben und beginnen jetzt mit allen Beteiligten zu sprechen.

Würden Sie eine Übernahme auch gegen den Willen der IG Metall durchziehen?

Gupta: Diese Frage stellt sich für mich nicht. Wir arbeiten immer mit den Mitarbeitern und der Mitbestimmung zusammen, niemals gegen sie. Das ist Teil unserer Kultur.

Sind Sie ausschließlich an einer vollständigen Übernahme von Thyssenkrupp Steel interessiert – oder wären Sie auch mit einem Minderheitsanteil zufrieden?

Gupta: Wir wollen gestalten und dem Stahl in Europa eine Zukunft geben. Das geht viel besser, wenn wir zu 100 Prozent Eigentümer sind.

Sind Sie offen für eine Beteiligung des Staates?

Gupta: Stahl gehört in private Hände. Davon bin ich als Stahlunternehmer in dritter Generation fest überzeugt. Richtig ist aber auch, dass es einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um die grüne Transformation hinzukriegen.

Sie verpflichten den ehemaligen Thyssenkrupp-Stahlvorstand Premal Desai. Was erhoffen Sie sich davon?

Gupta: Ich schätze Premal als klugen Kopf und exzellenten Strategen. Er wird uns helfen, die Gupta Family Group weiterzuentwickeln.

Welcher Kaufpreis ist Ihnen Thyssenkrupp Steel wert? Für welches Volumen steht Ihre Finanzierung?

Gupta: Für konkrete Zahlen ist es zu früh. Unser Angebot wird aber von mehreren Banken unterstützt.

In den Stahlwerken sind gigantische Investitionen notwendig, auch für den Aufbau einer klimafreundlichen Produktion auf Basis von Wasserstoff. Sind Sie bereit, die erforderlichen Investitionen zu tätigen?

Gupta: Ohne Investitionen geht es nicht. Wir haben in den letzten Jahren mehr als fünf Milliarden Euro in unsere Stahlwerke investiert. Als Familienunternehmen haben wir eine langfristige Perspektive. Und gerade der Umbau der Stahlbranche zu einer klimafreundlichen Industrie braucht einen langen Atem.

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