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Warum der US-Investor KKR bei Axel Springer einsteigt

Axel-Springer-Haus in Berlin: Die New Yorker Finanzgesellschaft KKR will einsteigen.

Axel-Springer-Haus in Berlin: Die New Yorker Finanzgesellschaft KKR will einsteigen.

Foto: Sven Braun / dpa

Berlin  Das Angebot ist raus: KKR will eine Beteiligung an Axel Springer. Nur der Aufsichtsrat des deutschen Medienriesen muss noch zustimmen.

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Axel Springer („Bild“, „Welt“) rüstet sich für schwierigere Zeiten: Konzernchef Mathias Döpfner rechnet wegen einer vor allem durch den bevorstehenden Brexit eingetrübten Konjunktur, aber auch aufgrund der neuen Digitalsteuer in Frankreich mit nicht unerheblichen Turbulenzen.

Die könne man zwar abfedern, etwa durch ein Zusammenstreichen von Investitionen. Aber genau das will Döpfner nicht. Und deshalb hat er den amerikanischen Finanzinvestor KKR an Bord geholt.

Der tiefere Sinn dieser Transaktion erschließt sich, wenn man einen Blick auf die Gesellschafterstruktur des Medienhauses wirft. Knapp 45 Prozent der Springer-Aktien werden an der Börse gehandelt. Und an den Aktienmärkten zählt für viele nur der schnelle Erfolg. Viele Anleger mögen es gar nicht, wenn in ökonomisch herausfordernden Zeiten wegen anstehender Investitionen, die langfristig Sinn ergeben, kurzfristig die Ziele für Umsatz und Gewinn nach unten korrigiert werden müssen.

KKR könnte rein theoretisch Mehrheitsaktionär werden

Darum hat Döpfner, so erzählte er es auf einer Telefonpressekonferenz am Mittwoch, einen Partner gesucht, der langfristig denkt. Gefunden hat er KKR. Die Amerikaner, die erst kürzlich die Tele München Gruppe (Tele 5), Günther Jauchs Produktionsfirma I&U, den bisher RTL gehörenden Film- und Serienrechtehändler Universum sowie die TV-Sparte der Produktionsfirma Wiedemann & Berg („Dark“) kauften, wollen sich fünf Jahre an Springer binden, vielleicht sogar länger. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 20 Prozent der Anteile des Konzerns erwerben können.

Das könnte klappen. Das Angebot von 63 Euro pro Aktie gilt als gut. Es liege 40 Prozent oberhalb des Kurses vom 29. Mai, rechnete Springer Finanzvorstand Julian Deutz vor, als der Medienkonzern bekannt gab, mit KKR Gespräche über eine Beteiligung zu führen: „Damit liegt es deutlich über den Angeboten vergleichbarer Transaktionen.“

Es ist offenbar so attraktiv, dass sich sogar Axel Sven Springer und Ariane Springer vorstellen können, sich von ihren Anteilen an dem Medienhaus zu trennen, die sich insgesamt auf knapp zehn Prozent belaufen.

Laut Döpfner werden die Enkel des Verlagsgründers „im Verlauf des Verkaufsprozesses“ entscheiden, ob sie ihre Aktien verkaufen. Sollten sie sich von ihnen trennen, könnte KKR rein theoretisch mit knapp 55 Prozent der Anteile sogar Mehrheitsaktionär des Medienhauses werden.

Vorstände wollen Aktien nicht verkaufen

Doch selbst in diesem Fall würden die Amerikaner nicht das alleinige Sagen bei Springer haben. Ohne die Zustimmung von Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer wird laut Döpfner auch künftig im Konzern keine Entscheidung fallen. Sie wird ihren Aktienanteil in Höhe von 42,6 Prozent ebenso behalten wie Döpfner seine 2,8 Prozent. Auch die übrigen Vorstände wollen ihre Aktien nicht verkaufen.

Sollte es KKR gelingen, 20 Prozent der Anteile von Axel Springer zu übernehmen, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann das Unternehmen die Börse verlässt. Auf Investoren, die nur auf kurzfristigen Gewinn aus sind, nimmt Döpfner schon jetzt keine Rücksicht mehr: Er korrigierte die Ziele für Umsatz und Gewinn für das laufende Jahr und für 2020 nach unten.

• Auch interessant: Kürzlich hat Springer ein neues Bonussystem für Vorstände aufgelegt – so funktioniert es. Die ehemalige „Bild“ Chefin Tanit Koch hat Pläne, mit RTL Meinungsführer zu werden.

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