Viel Aktionärs-Applaus für geplanten Konzernumbau von Eon

Essen.   „Quantensprung“, „einmalige Gelegenheit“, „gewaltiges Wachstum“ – Eon-Chef Johannes Teyssen spart nicht an rhetorischer Kraftmeierei, um seinen Aktionären den Megadeal mit RWE schmackhaft zu machen. Die Branchenführer wollen die RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen und neu durchstarten. Teyssen musste sich vor Jahresfrist an gleicher Stätte noch für den Rekordverlust von 16 Milliarden Euro aus 2016 rechtfertigen. Diesmal strotzt er vor den Anteilseignern in der Essener Grugahalle nur so vor Selbstbewusstsein. Und erhält viel Applaus und wenig Widerspruch.

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„Quantensprung“, „einmalige Gelegenheit“, „gewaltiges Wachstum“ – Eon-Chef Johannes Teyssen spart nicht an rhetorischer Kraftmeierei, um seinen Aktionären den Megadeal mit RWE schmackhaft zu machen. Die Branchenführer wollen die RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen und neu durchstarten. Teyssen musste sich vor Jahresfrist an gleicher Stätte noch für den Rekordverlust von 16 Milliarden Euro aus 2016 rechtfertigen. Diesmal strotzt er vor den Anteilseignern in der Essener Grugahalle nur so vor Selbstbewusstsein. Und erhält viel Applaus und wenig Widerspruch.

Den Beinamen „Chamäleon der deutschen Energiewirtschaft“, wie ihn Deka-Manager Winfried Mathes gestern taufte, hat sich Teyssen hart erarbeitet. Er war es, der den radikalen Umbruch der Branche Ende 2014 eingeleitet hat. Damals verkündete Teyssen, bis dahin mit der härteste Gegner der Energiewende, die Trennung von den konventionellen Kraftwerken. Sie wurden ausgelagert und als Uniper an die Börse gebracht. Mit der ergrünten Eon wollte Teyssen an der politisch gewollten Abkehr vom klimaschädlichen Kohlestrom verdienen statt länger darüber zu klagen.

Nachdem RWE sich ebenfalls teilte, aber mit Innogy den grünen Zukunftsteil und nicht die alten Kraftwerke abtrennte, sah es zwischenzeitlich so aus, als hätte der Dax-Rivale es klüger gemacht. Während Innogy seiner Mutter RWE Milliarden aus dem Börsengang und anschließend aus Dividenden bescherte, musste Teyssen den Eon-Aktionären einen Milliarden-Verlust nach dem andern erklären und um Geduld bitten. Entsprechend euphorisch lenkte Teyssen nun den Blick auf das „außerordentliche Jahr“ 2017: Eon schrieb wieder Gewinne, trug sieben Milliarden Euro von seinem 26-Milliarden-Schuldenberg ab, entledigte sich aller Verpflichtungen zur Entsorgung des Atommülls, erhielt drei Milliarden Euro zu Unrecht gezahlte Kernbrennstoffsteuer zurück und fand im finnischen Fortum-Konzern einen Käufer für den verbliebenen Anteil an Uniper, wodurch weitere 3,8 Milliarden Euro winken. Damit sei binnen Jahresfrist „unsere Transformation abgeschlossen“ worden, sagte Teyssen, obwohl dafür drei Jahre veranschlagt gewesen seien. „Was für eine Befreiung“, sagt er.

„Wir verdoppeln ihren Konzern“

Doch das war es eben noch nicht: Nun soll die Übernahme der Netze und des Vertriebs vom bisher größten Konkurrenten Innogy folgen. Weil dessen Mutter RWE im Gegenzug die Ökostromsparte bekäme, würde Eon zum reinen Energiedienstleister, der keinen Strom mehr erzeugt, sondern ihn „nur“ noch durch seine Netze leitet und verkauft. Eon hätte mit Innogy dann 50 Millionen Endkunden in Europa und 70 000 Mitarbeiter. „Wir verdoppeln Ihren Konzern“, rief Teyssen den Aktionären zu.

Selten mischten die Aktionärsvertreter in ihre Fragen so viel Lob wie diesmal. Weil Eon künftig mit den Netzen große Teile seiner Einnahmen mit regulierten, mithin sicheren Märkten erziele, werde die Aktie „vom Hochrisiko- zum Witwen- und Waisenpapier“, meinte Thomas Deser von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Nicht alle waren allerdings euphorisch. Tilman Massa vom „Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre“ warf Eon vor, mit der geplanten Abgabe der Erneuerbaren Energien an RWE eine Verlangsamung der Energiewende zu riskieren, da RWE vor allem auf Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern setze. Zudem kritisierte Massa den drohenden Abbau von 5000 Arbeitsplätzen nach der Übernahme des Netz- und Endkundengeschäfts von Innogy.

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