Standort Duisburg

Weltpremiere bei Thyssenkrupp: Stahl mit Wasserstoff

Ein neuer Rohstoff fürs Stahlwerk: Thyssenkrupp setzt ab sofort auch Wasserstoff anstelle von Kohlenstaub in einem Duisburger Hochofen ein.

Ein neuer Rohstoff fürs Stahlwerk: Thyssenkrupp setzt ab sofort auch Wasserstoff anstelle von Kohlenstaub in einem Duisburger Hochofen ein.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Bei Thyssenkrupp ist von einer Weltpremiere die Rede: In einem Duisburger Hochofen wird Kohlenstaub durch Wasserstoff ersetzt.

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Thyssenkrupp hat erstmals in der Firmengeschichte Wasserstoff im Hochofen eingesetzt. Thyssenkrupp-Stahlchef Premal Desai sprach von einem „historischen Tag“ für das Unternehmen. In einem Duisburger Hochofen läuft seit Montag ein Test, der zum Ziel hat, die Stahlproduktion klimafreundlicher zu machen. Ab dem Jahr 2022 sollen weitere Anlagen in Duisburg auf Wasserstoff-Zufuhr umgestellt werden.

Bei Thyssenkrupp ist von einer „Weltpremiere“ die Rede. Als erster Konzern der Branche verwende Thyssenkrupp nun anstelle von Kohlenstaub auch Wasserstoff bei der Stahlerzeugung. Der Konzern strebe an, mit dieser Methode bis zu 20 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu vermeiden, sagte Konzernvorstand Klaus Keysberg bei der Präsentation der Pläne in Duisburg. Bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen seine Stahlproduktion komplett klimaneutral gestalten.

2,5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland

Die Hochöfen von Thyssenkrupp verursachen Unternehmensangaben zufolge 2,5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. „Wir wissen um unsere Verantwortung“, sagte Desai. Die Kosten für den Umbau der Produktion hat Thyssenkrupp auf zehn Milliarden Euro und mehr beziffert.

Desai machte deutlich, dass das Unternehmen dabei auch auf finanzielle Unterstützung durch den Staat setzt. „Das werden wir nicht aus unserem Betrieb heraus finanzieren. Das ist eine große gesellschaftliche Aufgabe.“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) betonte beim Projektstart in Duisburg, es sei Aufgabe der Politik den Wandel der Unternehmen zu begleiten. Die Erderwärmung zu begrenzen sei „eine große Menschheitsherausforderung“, die sich nur mit Innovationen meistern lasse. „Wir müssen uns etwas einfallen lassen“, sagte Pinkwart. Ein Beispiel sei der Einsatz von Wasserstoff in der Stahlindustrie.

Air Liquide liefert Wasserstoff zunächst mit Tanklastern

Das Projekt bei Thyssenkrupp ist mehrstufig angelegt. Als erster Schritt ist eine Testphase mit der Verwendung kleinerer Mengen von Wasserstoff im Hochofen 9 geplant. Ab dem Jahr 2022 sollen schrittweise weitere Hochöfen hinzukommen. Nach dem Jahr 2024 will Thyssenkrupp sogenannte Direktreduktionsanlagen einsetzen, die mit wasserstoffhaltigen Gasen betrieben werden. Der dort produzierte Eisenschwamm soll zunächst in den bestehenden Hochöfen eingeschmolzen, langfristig aber in sogenannten Elektrolichtbogenöfen mit Hilfe erneuerbarer Energien zu Rohstahl verarbeitet werden.

In Duisburg arbeitet Thyssenkrupp mit dem Industriegase-Spezialisten Air Liquide zusammen. Wasserstoff sei der Schlüssel zur Energiewende, betont Gilles Le Van, der Deutschland-Chef des Unternehmens. Zunächst wird der Wasserstoff mit Tanklastwagen nach Duisburg transportiert. Der Bau einer Pipeline ist bereits in Planung.

„Wir leisten hier Pionierarbeit“, sagte Thyssenkrupp-Stahlchef Desai. Die Potenziale für den Klimaschutz sind zwar beträchtlich, doch Anlagen zur Stahlherstellung auf Wasserstoffbasis im großen industriellen Maßstab gibt es bislang nicht.

Auch Arcelor-Mittal und Voestalpine verfolgen Wasserstoff-Pläne

Auch Thyssenkrupp-Konkurrenten verfolgen Pläne zur CO2-freien Stahlerzeugung. Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal plant für den Standort Hamburg eine Testanlage zur Herstellung von Stahl mit Wasserstoff. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hat dieser Tage in Linz eine Pilotanlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff in Betrieb genommen. Diese soll ebenfalls den Abschied von der Kohle in der Stahlerzeugung beschleunigen.

Auch durch das Projekt Carbon2Chem will Thyssenkrupp den CO2-Ausstoß in der Stahlproduktion verringern. Dabei sollen Hüttengase aus dem Stahlwerk in Chemikalien wie Ammoniak umgewandelt werden. An dem Vorhaben sind neben Thyssenkrupp mehrere große Unternehmen wie Evonik, Clariant und Linde beteiligt. Hinzu kommt die Wissenschaft mit Fraunhofer in Oberhausen und dem Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Mülheim.

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