Geldanlage

Frauen überschätzen sich beim Geldanlegen weniger als Männer

Thomas Boerner, Tanja Schmalstieg und Simone Spickenheier (von links) von der Commerzbank Iserlohn haben zusammen 75 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung. Foto:MATTHIAS GRABEN

Thomas Boerner, Tanja Schmalstieg und Simone Spickenheier (von links) von der Commerzbank Iserlohn haben zusammen 75 Jahre Erfahrung in der Anlageberatung. Foto:MATTHIAS GRABEN

Iserlohn.   Was Männer und Frauen unterscheidet, wenn es darum geht, ihr Geld gewinnbringend anzulegen.

Um im Restaurant noch eine Damenkarte, also eine Speisekarte ohne Preise, zu finden, muss man sich anstrengen. Das Konzept passt nicht mehr in die Zeit. Der Mann übernimmt nicht mehr automatisch die Rechnung. Trotzdem unterscheiden sich die Geschlechter im Finanzgebaren. Geldanlagen? „Das macht mein Mann“, antwortet ein Drittel der Frauen. 51 Prozent interessieren sich nicht für Finanzthemen; bei Männern sind es nur 38 Prozent – laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank. Stimmt das? Sind Frauen pekuniär anders? Wir haben zwei Frauen und einen Mann mit zusammen 75 Jahren Beratungserfahrung gefragt: Simone Spickenheier ist Private Banking Beraterin, Tanja Schmalstieg Gruppenleiterin Privatkundenberater und Thomas Boerner Filialleiter. Und alle drei arbeiten sie bei der Commerzbank in Iserlohn.

Traditionelles Rollenverständnis

Also: Wie ist das mit den Kundinnen? Wenn Simone Spickenheier mit der vermögenden Privatkundschaft zu tun hat, trifft sie oft auf ein sehr traditionelles Rollenverständnis: „Viele ältere Damen kommen erst mit dem Thema Geld in Kontakt, wenn dem Mann etwas passiert.“ Dann sind sie recht hilflos. Deshalb versucht sie schon vorher, die Frauen mit ins Boot zu nehmen, in Beratungsgespräche einzubinden. Nicht immer gelingt das.

Und bei den Jüngeren? Kommt es darauf an. „In der Ehe gibt es meist einen Finanzminister“, sagt Thomas Boerner. „Wenn der Mann alleine das Geld verdient, ist er das.“ Aber heute stehen Frauen doch im Berufsleben. „Bei den 30- bis 50-Jährigen ändert sich das“, bestätigt Tanja Schmalstieg. „Aber es hängt zusammen mit Job und Ausbildung. Wer sich alleine um Haushalt und Kinder kümmert und Teilzeit als Verkäuferin arbeitet, kümmert sich seltener um Finanzen.“

Was ein Problem werden kann. Wenn Frauen weniger verdienen, mehr Teilzeit arbeiten und ihre Berufstätigkeit häufiger unterbrechen, sollten sie doch gerade auf die finanzielle Absicherung achten, damit sie nicht in die Armut rutschen, wenn die Ehe scheitert – oder? „Unbedingt“, meinen alle. Aber die Themen Finanzen und Altersvorsorge seien auch bei Männern nicht wirklich beliebt.

Sind Frauen denn, wenn sie sich doch mit Geldanlagen beschäftigen, wirklich risikoscheuer? „Männer wollen den DAX schlagen, Frauen sind etwas bescheidener und konservativer“, meint Thomas Boerner. „Sie überschätzen sich weniger“, weiß Simone Spickenheier. „Sie geben zu, wenn sie etwas nicht wissen, und haben kein Problem damit, sich Rat einzuholen.“ Männer würfen gerne mit Fachbegriffen um sich, hat Boerner erfahren: „Sie reden auch in der Kneipe über ihre Anlageerfolge. Die Form der Selbstdarstellung erlebe ich bei Frauen nicht.“ Anderseits hat Tanja Schmalstieg festgestellt: „Je mehr Zeit man in ein Gespräch und Aufklärung investiert, desto mutiger werden Frauen.“

Und wie reagieren Männer auf Frauen als Beraterinnen? Reserviert? Wird ihnen die Kompetenz abgesprochen? Simone Spickenheier hat das noch nie erlebt. Tanja Schmalstieg ist sich sicher: „Ob ein Mann oder eine Frau berät, spielt keine Rolle. Aber Sympathie ist ein Faktor.“ Manchmal stießen bei älteren Kunden sehr junge Mitarbeiter auf Vorbehalte, erwähnt Thomas Boerner. Dann kümmert sich eben ein Kollege mit mehr Lebenserfahrung.

Motivation tut Not

Aber wie umgehen mit den Frauen, die sich nicht um ihre eigenen Finanzen kümmern wollen? Wie lassen sie sich motivieren? Tanja Schmalstieg will die Frage lieber erweitern: „Wie lassen sich die Menschen generell motivieren, sich mehr mit ihrer finanziellen Zukunft zu befassen?“

Die Berater und Beraterinnen in der Bank können nicht mehr tun, als Gespräche anzubieten. Und Thomas Boerner formuliert geschlechtsneutral: „Unsere Aufgabe ist es, in Beratungsgesprächen beide Partner einzubinden und bildhaft darzustellen, dass es irgendwann dazu kommen kann, dass einer von beiden nicht mehr da ist.“ Wie die Lebenserwartung aussieht, welcher das also wohl ist, wissen die Paare dann selbst.

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