Datteln 4

Pinkwart: Datteln 4 spart CO2 von einer Million Golf Diesel

Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 will Betreiber Uniper im Sommer 2020 in Betrieb nehmen.

Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 will Betreiber Uniper im Sommer 2020 in Betrieb nehmen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Datteln/Düsseldorf.  NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart macht sich für das Kohlekraftwerk Datteln 4 stark. Es spare das CO2 von einer Million Pkw. Wie er das berechnet.

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Nach Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) klar für die Inbetriebnahme des umstrittenen Uniper-Kohlekraftwerks Datteln 4 ausgesprochen, das nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums gegen die Empfehlung der Kohlekommission nun doch ans Netz gehen dürfen soll. Sein Haus rechnet vor, das mit Steinkohle betriebene Großkraftwerk im Norden des Ruhrgebiets spare pro Jahr so viel Kohlendioxid (CO2), wie eine Million Golf Diesel ausstoßen.

„Es ist eine Frage der klimapolitischen Vernunft, das modernste, effizienteste Steinkohlekraftwerk der Welt auch zu nutzen“, sagte Pinkwart unserer Redaktion, „im Gegenzug könnten wir ältere und klimaschädlichere Blöcke vorzeitig vom Netz nehmen und in den Anfangsjahren jährlich bis zu 1,2 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht dem jährlichen Treibhausgas-Ausstoß von einer Million Pkw.“ Als Referenz hat das Düsseldorfer Wirtschafts- und Energieministerium den Treibhausgas-Ausstoß eines VW Golf Diesel genommen, der pro Jahr 10.000 Kilometer fährt.

Die errechneten Einsparungen ergeben sich aus der Abschaltung älterer Kohlekraftwerke, die mehr CO2 je erzeugtem Megawatt Strom ausstoßen und aus der ungenutzten Abwärme. „Da Datteln 4 auch eine vergleichsweise hohe Menge an Wärme auskoppeln kann, könnten mehrere alte Anlagen im Wärmebereich ersetzt werden“, sagte Pinkwart. Wenn er auf der Weltklimakonferenz Anfang Dezember in Madrid Gesprächspartner aus aller Welt treffe, sei er sicher: „Angesichts der globalen Herausforderungen würde niemand verstehen, dass wir aus ideologischen Gründen auf diesen Beitrag zum Klimaschutz verzichten.“

Klimaschützer widersprechen vehement

Ähnlich hatte zuvor auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) argumentiert. Klimaschützer widersprachen ihm vehement, sie befürchten, dass durch die Inbetriebnahme des mit 1100 Megawatt größten Steinkohlekraftwerks in Deutschland zunächst deutlich mehr Kohlestrom ins Netz geht und die deutsche CO2-Bilanz entsprechend verschlechtert. BUND-Landesvize Thomas Krämerkämper hatte erklärt, die Altkraftwerke, die Datteln IV ersetzen sollten, seien schon vor Jahren stillgelegt worden. Tatsächlich haben Stromerzeuger wie RWE, Steag und Uniper in den vergangenen Jahren viele unwirtschaftlich gewordene alte Steinkohlekraftwerke freiwillig abgeschaltet. Ginge das von Anwohnern und Klimaschützern seit Jahren bekämpfte Riesenkraftwerk in Datteln in Betrieb, würde es eher klimafreundlichere Gaskraftwerke statt alter Kohlemeiler aus dem Netz drängen, glaubt Krämerkämper.

Der Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium zum Kohleausstieg für die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung sieht eine Ausnahme für bereits genehmigte, aber noch nicht in Betrieb genommene Kohlekraftwerke vor. Datteln 4 wird nicht beim Namen genannt, ist damit aber gemeint. Demnach will die Regierung den Neubau von Kohlekraftwerken verbieten – „es sei denn, für die Kohleanlage wurde bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt“, heißt es im Entwurf, der unserer Redaktion vorliegt.

Altmaiers Ausnahme für Datteln 4

Genau das ist bei Datteln 4 der Fall. Die 1100-Megawatt-Anlage, das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands, sollte bereits 2011 in Betrieb gehen. Es folgten erfolgreiche Anwohnerklagen, technische Pannen und letztlich der auf den Weg gebrachte Kohleausstieg. Uniper bereitet derzeit die Inbetriebnahme vor, im Sommer 2020 soll Datteln 4 Strom vor allem für die Bahn und für Zehntausende Haushalte liefern. Die beiden größten potenziellen Abnehmer, RWE und die Deutsche Bahn, haben eigentlich gar kein Interesse mehr daran, den Strom abzunehmen, zuletzt war RWE aber beim Versuch, den Vertrag zu kündigen, vor dem Oberlandesgericht Hamm gescheitert.

In das Pannen-Kraftwerk Datteln 4 hat die frühere Eon-Tochter Uniper inzwischen gut 1,5 Milliarden Euro investiert. Die Empfehlung der Kohlekommission, das Unternehmen zu entschädigen, will die Bundesregierung offenkundig nicht umsetzen. Die Entschädigung müsste wegen der Größe des Kraftwerks und seiner potenziell langen Laufzeit entsprechend hoch ausfallen. Uniper selbst hat stets betont, Datteln 4 betreiben zu wollen, weil es alten Anlagen „auch klimatechnisch deutlich überlegen“ sei, wie der neue Vorstandschef Andreas Schierenbeck unlängst erklärte.

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