Brexit

SIHK-Präsident Stoffels warnt vor Panikmache mit Jobverlust

Lastwagen stehen auf der A526 außerhalb von Dover auf dem ehemaligen Gelände des Manston International Airport bei einem Brexit-Test. Der ehemalige Flugplatz in Manston könnte genutzt werden, um etwa 6.000 Lastwagen zu parken, um die erwartete Überlastung der Häfen zu verringern, die durch die Wiedereinführung von Zollkontrollen bei Waren verursacht würde, falls Großbritannien Ende März einen Rückzug aus der Europäischen Union ohne Absprache vollzieht.

Lastwagen stehen auf der A526 außerhalb von Dover auf dem ehemaligen Gelände des Manston International Airport bei einem Brexit-Test. Der ehemalige Flugplatz in Manston könnte genutzt werden, um etwa 6.000 Lastwagen zu parken, um die erwartete Überlastung der Häfen zu verringern, die durch die Wiedereinführung von Zollkontrollen bei Waren verursacht würde, falls Großbritannien Ende März einen Rückzug aus der Europäischen Union ohne Absprache vollzieht.

Foto: Gareth Fuller

Hagen.   Die Angst vor dem Brexit wächst. Ökonomen sehen schon 100.000 Jobs bei uns gefährdet. SIHK-Präsident Ralf Stoffels hält dies für Panikmache.

Die Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit nimmt zu. Am Wochenende befeuerte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die Angst vor einem ungeregelten Abschied der Briten aus der europäischen Union mit einer erschreckenden Berechnung. Demnach wären über 100.000 Jobs von einem Einbruch des Handels betroffen, vor allem in der exportorientierten Automobilindustrie. In Südwestfalen träfe es demnach den Märkischen Kreis mit 703 Stellen sowie den Kreis Olpe mit 262 besonders hart.

„Warenverkehr wird am 30. März nicht stoppen“

Das liest sich sehr konkret und entsprechend beunruhigend. Ralf Stoffels, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer Hagen, zu deren Gebiet auch der genannte Märkische Kreis zählt, hält die Berechnung für Panikmache: „Ich kann mir das in der Form nicht vorstellen“, sagt der Unternehmer, selbst Chef des Automobilzulieferers BIW Isolierstoffe aus Ennepetal. Selbst wenn es bis zum Austrittsdatum am 30. März um Null Uhr keine Regelung geben wird – wonach es aussehe – „wird der Warenverkehr erst einmal weiter fließen“, ist Stoffels überzeugt.

Zölle fressen die Gewinnmarge

Dass der Brexit in jeder Form die Wirtschaft bereits heute belastet, steht für ihn außer Frage. Und in Zukunft werde es davon abhängen, welche Lösung langfristig gefunden werde. Wird es Zollgrenzen geben, bedeute dies bei Geschäften mit Großbritannien höhere Kosten von drei bis fünf Prozent. „Das ist bei vielen Zulieferern genau die Gewinnmarge“, weiß Stoffels. Da aber nur wenige mehr als 10 bis 15 Prozent Umsatz mit Großbritannien machten, müsse dies bei Mittelständler nicht zwingend Jobverluste bedeuten. „Die größeren haben meist keine bessere Idee als Personalabbau“, will der Unternehmer nichts ausschließen. In der mittelständisch geprägten Region Südwestfalen müsse dies eben nicht der Fall sein, blickt Stoffels kritisch auf die IWH-Berechnung: „Für die allgemeine Stimmung ist das kontraproduktiv. Jetzt mit solchen Studien zu hantieren, sorgt bei Beschäftigten unnötig für Verunsicherung. Ich finde das nicht gut!“

Doch nur grobe Schätzungen

Um auf die konkreten Zahlen zu kommen, sind die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts von statistischen Handelseffekten ausgegangen und haben eine Formel abgeleitet. Gegenüber der Welt am Sonntag räumten sie allerdings ein, dass „die konkreten Zahlen natürlich nur ganz grobe Schätzungen sind“, so der IWH-Ökonom Oliver Holtemöller.

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